„KAMPAGNENBLATT”

Ex-BamS-Chef nennt "Bild" eine "Vorfeldorganisation der AfD"

Michael Spreng rechnet nach dem Erdogan-Besuch erneut mit der Bild-Zeitung unter Julian Reichelt ab. Sie leiste der AfD Schützenhilfe.
Michael Spreng
Michael Spreng Karlheinz Schindler
Berlin ·

Schlagzeile für Schlagzeile versucht die „Bild”-Zeitung die Institutionen und Repräsentanten des deutschen Staates verächtlich zu machen – das schrieb Michael Spreng am Samstag in seinem Blog „Sprengsatz”. Der ehemalige Chef der „Bild am Sonntag” findet deutliche Worte: Zu einem Kampagnenblatt wäre die „Bild” geworden. Sie würde systematisch den Respekt vor den Institutionen und Repräsentanten des Staates zersetzen und die liberale deutsche Demokratie delegitimieren. Die Zeitung mache sich damit freiwillig oder unfreiwillig zur „Vorfeldorganisation der AfD”.

Der Journalist und Politikberater Spreng wirft der „Bild” vor, mit ihrer Berichterstattung ihre Leser gegen den Staat aufzuhetzen. Als Beispiel nannte er dabei die Berichterstattung über Geflüchtete: „Fast jede Gewalttat eines Flüchtlings gegen einen Deutschen wird in „Bild” zur schreienden Schlagzeile. Wenn aber ein Deutscher einen Syrer ersticht, wird dies mit ein paar Zeilen auf Seite 5 abgetan. Wenn keine Gewalttat eines Flüchtlings zu vermelden ist, konstruiert BILD immer wieder Aufmacher gegen die angeblich zu lasche Justiz, gegen den angeblich untätigen Staat und die angeblich unfähigen Politiker.”

Spreng schreibt von einer Kampagne, wie sie seit den Studentenunruhen der 60er-Jahre nicht mehr zu beobachten gewesen sei.

Spreng tritt immer wieder als BILD-Kritiker auf

Besonders den BILD-Chef Julian Reichelt machte Spreng in seinem Blogbeitrag dafür verantwortlich, mit dieser Kampagne rechte Stimmung in Deutschland zu provozieren. Spreng selbst arbeitete bis zum Oktober 2000 im Springer-Verlag, in dem auch die BILD erscheint. Nach einem Streit wurde ihm gekündigt, seit dem tritt er immer wieder als Kritiker der Zeitung auf. Im Februar sagte er in einem ZEIT-Interview, dass die BILD momentan Medien-Populismus betreiben würde: „Die Zeitungsmacher glauben, durch Kampagnen blieben ihre Blätter in der Bevölkerung mehrheitsfähig.”

Michael Spreng bezog sich seinem Blog-Beitrag besonders auf die jüngste Schlagzeile der Zeitung. Am Samstag hieß es auf der Titelseite: „Der türkische Präsident Erdogan will, dass Deutschland Journalisten als ‚Terroristen‘ in die Türkei ausliefert – und bekommt dafür ein Staatsbankett beim Bundespräsidenten”. Laut Spreng würde die „Bild” damit behaupten, das Bankett wäre eine Belohnung für Erdogans Forderung gewesen. Dies wäre objektiv falsch. Erdogan hätte während des Staatsbesuches bei jeder Gelegenheit Kritik zur Lage der Menschenrechte und der Pressefreiheit in der Türkei gehört, erinnert Spreng.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Berlin

zur Homepage