LITERATUR

Falsche Fluppen zum Fest

Süffelnde Tanten und Nilpferde aus dem Nichts: Gegen das Büchlein „Weihnachten in meiner Kindheit“ von der walisische Dichter-Ikone Dylan Thomas haben vorfestliche Stimmungskiller keine Chance.
Roland Gutsch Roland Gutsch
Dylan Thomas: Weihnachten in meiner Kindheit. Insel Verlag, Berlin 2019
Dylan Thomas: Weihnachten in meiner Kindheit. Insel Verlag, Berlin 2019 Insel Verlag
Neubrandenburg.

Schon genug von Lebkuchen, Lametta, Süßkram-Märkten mit Pulverschnee-Deko? Des Zuckerguss-Festes überdrüssig, obgleich es noch gar nicht begonnen hat? – Dieses Büchlein vermag Stimmungs-Talfahrten zu stoppen und das Christmas-Feeling in die Spur zu bringen. Dylan Thomas (1914-1953), die walisische Dichter-Ikone, schafft mit seiner Erzählung „Weihnachten in meiner Kindheit“ dreierlei: Die Magie jener besonderen Feiertage aufzuladen, sich über die Willkür der eigene Erinnerung lustig zu machen, ein Dauerschmunzeln ins Leser-Gesicht zu zaubern. Die Neu-Übersetzung von Eike Schönfeld und Peter Baileys Illustrationen tun das Ihrige dazu.

Keine Frage, das Dylan-Thomas-Wales ist zu Weihnachten ausnahmslos weiß wie Lappland, statt Rentieren sind Katzen und „Vögel von der Farbe roter Flanellunterröcke“ unterwegs. Der Autor lässt sich als frech-neugieriger Bengel mit seinen Freunden Dan und Jack durch die Straßen ziehen und merkwürdige Erlebnisse haben. Mit Schneebällen einen Hausbrand löschen zu wollen ist noch das Harmloseste. Bisweilen hat die Fantasie Freilauf: Wetterhähne krähen vor(bescherungs)freudig. Es tauchen Nilpferde auf!

Bob Dylan ein großer Fan

Endlich Geschenke. Dass die vor allem nützlich sind – Mützen, bilderlose Bücher, aber nie eine Schleuder – sorgt für Unmut beim Nachwuchs. Dann doch: Eine Schachtel Zigaretten fürs Kind! Natürlich falsche Fluppen. Zum Aufessen, also zum Oma-Schockieren. Der Junge ist ein scharfer Beobachter: Heimlich süffelnder Tanten, Zigarren verqualmender Onkel, gansgeblähter Backen. Diese spezielle Familien-Heimeligkeit bereitet eine gute Stunde Lektüre-Spaß.

Dylan Thomas machte sich vor allem als Lyriker weltweit einen Namen. Der Sänger Robert Zimmerman verehrte ihn so tief, dass er seinen Namen änderte. Zu: Bob Dylan. Neben der Literatur frönte Thomas intensiv einer zweiten Leidenschaft, dem Alkohol. Jung soff er sich zu Tode.

Dylan Thomas: Weihnachten in meiner Kindheit. Insel Verlag, Berlin 2019. 80 Seiten, 14 Euro. ISBN 978 – 3 – 458 – 19476 – 7.

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