Punk aus Vorpommern

:

Feine Sahne Fischfilet mit Tourfinale in Rostock

Gitarrist Christoph Sell im Spotlight.
Gitarrist Christoph Sell im Spotlight.
Anne Breitsprecher

Die Punkband aus Vorpommern konnte es selbst nicht fassen, sie hatten die Rostocker Stadthalle ausverkauft. Es war die größte eigene Show in ihrer Karriere.

Wenn die Rostocker Stadthalle sich groß macht, wenn die Seiten eingefahren werden, damit es mehr Stehplätze gibt, dann reicht der Platz für 5500 Leute. Richtig groß wird diese Zahl, wenn man sie dann tatsächlich sieht. Als Feine Sahne Fischfilet am Freitagabend ihr Tourfinale in der Stadthalle spielten da war der Innenraum, da waren auch alle Ränge an den Seiten vollbesetzt. Die Band hat die Stadthalle ausverkauft oder anders gesagt: All die Leute waren gekommen, um eine Punkband aus Vorpommern zu sehen.

Dass Feine Sahne Fischfilet längst nicht mehr irgendeine Punkband sind, beweist allein schon ihre ausverkaufte Tour durch die größeren Veranstaltungshallen in ganz Deutschland. Rostock bedeutete nun Rückkehr nach MV, Heimvorteil, Tourfinale. Noch einmal sang Jan „Monchi” Gorkow: „Es geht los, es geht los, heute Nacht.” Das erste Lied des aktuellen Albums „Sturm & Dreck” war auch das erste des Abends.

Und der Satz war natürlich Quatsch. Denn an diesem Abend ging ja nichts los, stattdessen schrie alles nach Highlight. Feine Sahne Fischfilet spielten in der Stadthalle ihre bis dato größte eigene Show. Und das Motto lautete noch einmal: Alles auf Rausch. Oder wie Monchi zum Publikum sagte: „Wir reissen heute die Stadthalle ab.”

Auf großen Schnickschnack wurde verzichtet

Um es gleich vorweg zu nehmen: Der Abriss ist es am Ende nicht geworden. Womöglich war es auch nicht die beste Show ihrer Tour. Eine gute war es in jedem Fall. Das große Bengalo-Zünden hat sich die Band dieses Mal gespart, den Pfeffi fürs Publikum gab es aber wie gewohnt. Wie schon bei der Album-Release-Show in Loitz und beim „Wasted in Jarmen”-Festival, stand auch wieder Monchis ganze Familie auf der Bühne. Klare Ansagen gab es gegen den Rechtsruck und gegen deutsche Panzer für die Türkei, sowie für Solidarität und „die geilen Leute”, die es auf dem Land in MV auch gibt.

Auf großen Schnickschnack wurde beim Konzert weitestgehend verzichtet. Glitzerregen, Rauchkanonen und Lichteffekte – all das gab es zwar. Doch die große Rolle spielte es nicht. Durchaus sympathisch war auch, dass das Hervortreten aus dem Bandgefüge bei Bassist Kai Irrgang und Gitarrist Christoph Sell immer noch etwas einstudiert wirkt. Die Rockstarpose sitzt noch nicht. Nichtsdestotrotz war es einer der stärksten Momente des Konzerts, als der Gitarrist erst einmal allein und mit Scheinwerfer auf sich gerichtet, den Song „Alles anders” vom neuen Album begann, in den der Rest der Band dann einstimmte.

Konzert dauerte zweieinhalb Stunden

Feine Sahne Fischfilet präsentierten sich in Rostock als eine Band, die sich in einer spannenden Phase befindet. Sie sind weit weg davon, Rockstars zu sein. Die Stadthalle können sie aber ausverkaufen. Und sie ziehen ein Publikum an, zu dem Teenager-Mädchen genau so gehören wie Männer vom Typ Rostocker Seebär.

Wo es für die Band noch hingeht? „Vielleicht ist das in zwei drei Jahren vorbei”, sagte Monchi. Und dass es scheißegal wäre, weil all das jetzt passiert. Es folgte der Song „Lass uns gehen” als eine von mehreren Zugaben an diesem Konzertabend, mit der Zeile: „Wirklich nie daran geglaubt.” Nach dem wirklich letzten Song und nach etwa zweieinhalb Stunden Konzert sagte Monchi: „Kommt gut nach Hause. Kommt gut in die Kneipe.”