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Finsterworld

Verleih

Endlich ein deutscher Film, der die Grenzen der Realität sprengt, renommierte Stars in einem ganz neuen Licht zeigt und einfach nur Spaß macht – wenn er nicht gerade wehtut.

Der Zuschauer lernt in der „Finsterworld“ Menschen verschiedener Altersgruppen und sozialer Stellungen kennen, deren Berührungspunkte sich erst nach und nach herauskristallisieren. Da ist der Polizist, der sich mit ein paar Euro und Fußpflegeprodukten dazu überreden lässt, von einem Strafzettel abzusehen. Da ist die frustrierte Dokumentarfilmerin, deren Projekt sich als hoffnungslose Einbahnstraße erweist. Eine Schulklasse macht sich auf den Weg, ein Konzentrationslager zu besichtigen, während ein Einsiedler im Einklang mit der Natur ein vermeintlich friedliches Leben führt.

Von Perversionen und Zwängen beherrscht

Das Dasein all dieser Menschen ist mitnichten von der Harmonie geprägt, die der Titelsong von Cat Stevens suggerieren mag. Unter der Oberfläche jedes Einzelnen lauern, mehr oder minder tief vergraben, geheime Obsessionen und Perversionen. Jeder Einzelne leidet auf seine Weise unter dem Druck und den Zwängen der Gesellschaft, jeder will ausbrechen, flüchten, die Regeln hinter sich lassen. Zu Beginn ist das noch harmlos, aber je weiter sich das Puzzle der verschiedenen Charaktere zusammenfügt, umso mehr verdichtet sich ein ungutes Gefühl. Am Ende dann folgt die geballte Entladung des Schicksals. Manche bekommen, was sie verdienen, die meisten aber nicht. Wie im wahren Leben eben.    

Drehbuch schrieb Christian Kracht

Regisseurin Frauke Finsterwalder ersann das Drehbuch gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem schweizerischer Schriftsteller Christian Kracht. Das Paar nahm sich beim Schreiben alle Freiheiten, ließ Logik, Plausibilität und Wahrscheinlichkeit außen vor und spielte lustvoll mit dem „Was wäre, wenn…“. Weil aber famose SchauspielerInnen wie Sandra Hüller oder Corinna Harfouch in ihren gegen den Strich besetzten Rollen aufblühen und die Dialoge weitaus bodenständiger und origineller ausfallen, als das intellektuelle Konzept befürchten lässt, macht „Finsterworld“ alles Konstruierte im Handumdrehen vergessen. Was bleibt, ist ein äußerst unterhaltsames Kinoerlebnis, das eine große Masse ansprechen könnte, wenn die sich denn ansprechen ließe. Entscheiden Sie sich nicht für den Blockbuster. Kaufen Sie zur Abwechslung mal ein heimisches Produkt. Auch wenn Matthias Schweighöfer diesmal nicht mitspielt.     

 

Bewertung
Anspruch: 2
Spannung: 3
Action: 2
Humor: 1
Erotik: 0

Verleih: Alamode
Bundesstart: 17. Oktober 2013      

Mehr Infos unter:
www.finsterworld.de
 

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