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Fotograf spielt mit Licht und Schatten und schönen Frauen

Klaus Ender ist einer der bekanntesten Aktfotografen Deutschlands.
Klaus Ender ist einer der bekanntesten Aktfotografen Deutschlands.
Stefan Sauer

Klaus Ender hat sich schon zu DDR-Zeiten als Aktfotograf einen Namen gemacht. Er kommt offensichtlich auch im reiferen Alter nicht los von den schönen Frauen.

Als der Rüganer Klaus Ender sich längst einen Namen als Akt-Fotograf in der DDR gemacht hatte, erhielt er 1971 eine Vorladung der „Kommission für Ordnung und Sicherheit“ zur „Klärung eines Sachverhalts“. Die Vertreter von Nationaler Volksarmee (NVA), Stasi und Volkspolizei knallten drei Aktofotos Enders aus dem aktuellen Magazin – eine der wenigen Zeitschriften, die in der DDR Nackedeis abdruckte – als Beweismittel auf den Tisch. Der Fotograf staunte nicht schlecht, als ihm der Vorwurf kundgetan wurde: Im Hintergrund eines der Fotos waren Teile der Ruine des Kolosses von Prora zu sehen, das NVA-Gelände war für Unbefugte nicht zugelassen. „Als mir sogar ein Spionagevorwurf an den Kopf geworfen wurde, weil das Magazin auch im Ausland gelesen werde, war mir klar, dass es ernst wurde“, erinnert sich Ender. Er drohte seinerseits mit Beziehungen „zu ganz anderen Leuten“ und knallte der Kommission quasi die Tür ins Gesicht. Ein Anruf bei einem hochrangigen NVA-Offizier, der sich zuvor für die Produktion eines Akt-Bildbandes, gedacht als Freundschaftsgeschenk für die „Bruderarmeen“, interessiert hatte, sorgte dafür, dass Ender nie wieder etwas hörte von der Sicherheits-Kommission.

Der bald 73-Jährige könnte unzählige Geschichte dieser Art erzählen, während er in seinem Reihenhäuschen in Bergen durch die Druckfahnen seines neuen Bildbandes blättert. Dort sind nicht nur 260 wunderbare, kunstvolle Aktfotos aus fünf Jahrzehnten seines Schaffens abgebildet, sondern auch Geschichten, die immer wieder zeigen, wie schnell auch Aktfotografen mit der Staatsmacht in der DDR kollidieren konnten. Die Geschichte des „Spionagefalls Prora“ steht beispielhaft für das Leben des Künstlers, den die renommierte Foto-Zeitschrift „fine art printer“ jüngst als „den Aktfotografen zu DDR-Zeiten“ schlechthin würdigte. Auch bei der Produktion des neuen Bandes setzte Ender letztlich seinen Dickschädel durch. Nachdem ein Berliner Verlag mit ostdeutschen Wurzeln 2010 und 2011 zwei Bildbände mit den angeblich besten Aktfotos aus DDR-Zeiten veröffentlichte, fehlte der Name von Klaus Ender. Er sei gar nicht gefragt worden, sagt er, der mit seiner Kritik an dem Verlag nicht hinterm Berg hält. Auf einer seiner Web-Seiten kann die Geschichte nachgelesen werden, einschließlich des zutreffenden Urteils, dass der gleiche Verlag gerne immer mal wieder Bücher ehemaliger MfS-Offiziere publiziere.

Fotograf dichtet auch und schreibt Aphorismen

So entschloss sich Ender, unterstützt von seiner Frau Gabriele, selbst ein Buch herauszugeben, das seinem Lebenswerk gewidmet ist: „Fünf Jahrzehnte poesievolle Aktfotografie“. Mit mehreren Tausenden Euro finanzierte er das Buch vor, die Enders bringen es im Selbstverlag heraus und vertreiben es auch selbst. „Am Donnerstag kommen hier fünf Tonnen Bücher an“, sagt Ender schmunzelnd. Der DDR-sozialisierte Betrachter wird sich bei vielen Fotos sagen: Mensch, das kennst Du doch. Was nicht verwundert. Noch als Amateur veröffentlichte Ender im August-Heft 1966 des Magazin seinen ersten Akt. Insgesamt druckten Magazin, Eulenspiegel, Neues Leben sowie das Tribüne-Ferienmagazin Hunderte seiner Fotos ab. Schon 1966, nur zwei Jahre, nachdem er am Strand von Dranske auf Rügen seine ersten FKK-Akte in Szene gesetzt hatte, erhielt er die Genehmigung, als freischaffender Fotograf arbeiten zu dürfen. Nicht zuletzt bleibt Klaus Enders Name mit der legendären Ausstellung „Akt und Landschaft“ verbunden, die er 1975 gemeinsam mit Gerd Rattei erfand. Mehr als 100 000 Besucher kamen. Die Exposition sorgte zugleich für eine kulturpolitische Zäsur: Die Aktfotografie wurde aus der „verschämten Ecke“ herausgeholt, galt fortan als Form der künstlerischen Fotografie. „Die neue Freizügigkeit wurde durch mich ins Leben gerufen, heute profitieren andere davon“, so sein bitteres Reümee.

Enders Credo als ausgebildeter „Lichtbildner“ ist auch in dem aktuellen Band mit fast jedem Bild präsent: Er ist wieder zurückgekehrt zur Schwarz-Weiß-Fotografie, „mit der man einfach besser mit Licht und Schatten spielen kann“. Farbfotografie sei ihm in der Regel zu naturalistisch, konzentriere sich zu wenig auf den Kern eines Motivs. Zudem habe er immer die Würde seiner Modelle geachtet, er setzt sich deutlich ab von der populären „Schamlippen-Fotografie“, bei der die Grenze zwischen Erotik und Pornografie oft aufgehoben wird.

Ender ist nicht nur ein unheimlich produktiver Fotograf, er dichtet auch und schreibt Aphorismen. Besser als in seinem Gedicht „Der Akt“ kann sein Motto kaum gefasst werden: „Der Akt ist eine Symphonie der Schönheit und der Sinne, er stimuliert die Fantasie, /man hält mit Andacht inne.“

Klaus Ender: Meine schönsten Enthüllungen. Fünf Jahrzehnte poesievolle Aktfotografie. Das Buch ist zu beziehen übers Internet (www.klaus-ender.de) oder den Buchhandel. ISBN 978-3-00-036710-6

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