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Freies Kopieren von fremden Klängen erlaubt

Der Musikproduzent Moses Pelham hatte Erfolg mit seiner Verfassungsbeschwerde.
Der Musikproduzent Moses Pelham hatte Erfolg mit seiner Verfassungsbeschwerde.
Uli Deck

In seinem Urteil zum "Sampling" in Hip-Hop und Rap hält das Bundesverfassungsgericht die Kunstfreiheit hoch. Das dürfte es künftig leichter machen, sich ungefragt aus fremden Werken zu bedienen. Das letzte Wort ist aber noch lange nicht gesprochen.

Für die Musikbranche ist das Urteil ein Einschnitt: Im Streit um die Verarbeitung einer fremden Rhythmussequenz ohne Erlaubnis hat sich der Komponist und Produzent Moses Pelham vor dem Bundesverfassungsgericht durchgesetzt. Seine Klage gegen mehrere Urteile, die ihm das Kopieren verboten hatten, war erfolgreich. Der Fall muss neu entschieden werden, wie am Dienstag verkündet wurde.

Um den zweisekündigen Beat streitet Pelham seit nun bald 18 Jahren mit den Elektropop-Pionieren Kraftwerk. Er hatte ihn 1997 ohne zu fragen aus dem Kraftwerk-Titel "Metall auf Metall" kopiert und in Endlosschleife unter den mit der Rapperin Sabrina Setlur aufgenommenen Song "Nur mir" gelegt. Diese Interpretation in neuem Kontext nennt man Sampling. Sie ist in Rap und Hip-Hop gängig.

In letzter Instanz hatte der Bundesgerichtshof (BGH) 2012 bestätigt, dass der Setlur-Song mit dem Beat nicht mehr verbreitet werden darf. Dagegen hatte Pelham mit anderen Produzenten und Musikern geklagt.

Im Gerichtssaal zeigte er sich erleichtert über die Entscheidung des Verfassungsgerichts. "Ich glaube, dass es für die Fortentwicklung der Kunst ein sehr, sehr wichtiges Urteil ist", sagte er.

Sein Gegner vor den Gerichten, Kraftwerk-Mitbegründer Ralf Hütter, war zur Urteilsverkündung nicht mehr nach Karlsruhe gekommen. Seine Anwälte zeigten sich aber zuversichtlich. "Aus unserer Sicht beginnt das Spiel nun von vorn", sagte Christian Winterhoff. Der BGH müsse den Fall nun noch einmal bewerten. Das Ergebnis bleibe abzuwarten.

Vize-Gerichtspräsident Ferdinand Kirchhof begründete das Urteil damit, dass die Gerichte der Kunstfreiheit nicht hinreichend Rechnung getragen hätten. Ein Verbot würde "die Schaffung von Musikstücken einer bestimmten Stilrichtung praktisch ausschließen", sagte er. (Az. 1 BvR 1585/13)