FESTIVAL-VERGLEICH

Fusion – das deutsche Burning Man?

Die Fusion kokettiert damit, anders zu sein als alle anderen. Aber ist sie das wirklich? Was zählt der Vergleich mit dem Burning-Man-Festival?
Burning Man vs. Fusion
Burning Man vs. Fusion: Sind die Festivals vergleichbar? Abir Sultan/Enders
Lärz ·

Wie das Burning Man zu seinem Namen kam, ist wahrscheinlich bekannt: Zum Ende des Festivals wird eine überdimensionierte Holzfigur verbrannt. Sobald sich die Glut gelegt hat, ist das Festival dann auch offiziell beendet. Wieso die Fusion nach Zukunft klingt, kann keiner genau sagen. Es wird aber gemunkelt, dass damit die elektronischen Klänge gemeint sind, genau so wie die kommunistische Idee des Festivals. Zu diesem Gedanken passt die kyrillische Transkription des Festival-Namens: ФУЗИОН.

Für Viele gilt die Fusion als das „deutsche Burning Man.” Was ist dran an dem Vergleich? In Sachen Veranstaltungsort, Programm und Mythosbildung gibt es doch deutliche Unterschiede, aber auch erstaunliche Ähnlichkeiten.

Ort: Wüste vs. Seenlandschaft

Zunächst das Offensichtliche: Das Burning Man Festival findet in der Wüste Nevadas statt, während die Fusion am Rande der Mecklenburgischen Seenplatte ausgetragen wird. Auf den zweiten Blick sind die Unterschiede aber gar nicht so gravierend. Denn die Wüste, in der das Burning Man stattfindet, war zu Urzeiten selbst ein See: Der prähistorische „Lake Lahontan” bestand bis zur letzten Eiszeit.

Abgesehen vom Zeitraum des Festivals verirrt sich aber kaum einer in die „Black Rock Desert.” Lediglich Geschwindigkeitssüchtige, die auf einer der „ebensten Flächenn der Welt” auf Rekordjagd gehen. Im Deutschen würde man zu so einer Gegend wohl strukturschwach sagen, womit aber auch die Region um Lärz gemeint sein könnte.

Programm: Kunstaktionen vs. Konzerte

Seit 1986 gibt es das Burning-Man-Festival. Damit ist es elf Jahre älter als die Fusion. „Wir glauben, dass die Erfahrung von Burning-Man eine positive, spirituelle Wende in der Welt produzieren kann”, beschreibt das US-Festival seine Mission. „Weil es aber keinen Ort nirgends gibt, wo die Menschen frei sind, ist es gerade die Vereinigung der FusionistInnen aller Länder und der Ferienkommunismus, der uns spüren lässt, dass wir mehr wollen, als das, was uns in diesem Leben geboten wird”, antworten die Fusionisten.

Politisch sind die Festivals also koalitionsfähig. Und auch die eigentliche Programmgestaltung ähnelt sich. So setzen beide Festivals auf eine Mischung von Konzerten und Kunstaktionen. Neben musikalischen Beitragen zählen auch Theater, Kleinkunst und allerlei Installationen zum Programm.

Zudem leben beide Events vom Engagement der Teilnehmer. „Burning Man ist eine vibrierend, partizipatorische Metropole, die von ihren Einwohnern erst generiert wird”, steht auf der Festival-Startseite. Ebenso euphorisch vermeldet die Fusion: „Im kollektiven Ausnahmezustand entfaltet sich an einem Ort ohne Zeit ein Karneval der Sinne, indem sich für uns alle die Sehnsucht nach einer besseren Welt spiegelt.”

Die Fusion wird jedes Jahr am letzten Juni beziehungsweise ersten Juli-Wochenende veranstaltet. Sie dauert fünf Tage (Anreise eingerechnet). Dagegen startet das Burning-Man erst im Spätsommer. Von Ende August bis Anfang September treffen sich die Wüstlinge für neun Tage in Nevada.

Mythos: Bilderverbot vs. Zehn-Punkte-Programm

Auf der Fusion soll weder fotografiert noch gefilmt werden. Zwar kursieren zahlreiche Bilder im Netz, dennoch gibt es kaum Reportagen zum Festival. „Soweit wir das steuern können, wird es keinerlei Propaganda – außer unserer Webseite und eurem Mund-zu-Mund-Papperlapapp – geben”, verkünden die Veranstalter. Folglich verzichtet die Fusion auch auf jeglichen Auftritt in sozialen Netzwerken. „Wenn Ihr uns mögt, liked Ihr da nichts.”

Selbst ein Blick auf die offizielle Festivalseite bleibt nahezu bilderlos. „Behaltet die Erinnerungen in eurem Herzen, nicht auf einer Speicherkarte”, heißt es dort. Wer wirklich erfahren will, was an den fünf Tagen des „Ferienkommunismus” passiert, muss selbst dabei sein. Das Problem: Zum Festival wollen deutlich mehr Menschen, als Karten zur Verfügung stehen. Seit einigen Jahren haben die Organisatoren deshalb eine Lotterie eingerichtet. Nur wer Losglück hat, darf am Ende auch nicht mittanzen.

Platzprobleme gibt es beim Burning Man nicht. Die Wüste erstreckt sich auf 30.000 Quadratkilometer, wobei ein großer Teil zum Festivalgelände gehört. Hier darf sich jeder ausbreiten, der ein Ticket erwerben konnte. Im Sinne der Exklusivität hat sich das Festival aber ein eigenes Grundsatzprogramm verabschiedet.

Punkt Eins: „Jeder darf auf dem Burning Man teilnehmen. Wir begrüßen und respektieren das Fremde.” Punkt vier: „Burning Man ermutigt jedes Individuum sich selbst zu entdecken. Dabei soll er oder sie sich auf seine inneren Ressourcen verlassen.” Punkt acht: „Unsere Gemeinschaft achtet auf die Umwelt. Wir wollen keine Spuren unserer Anwesenheit in der Wüste hinterlassen.”

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