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Große Trauer nach Tod von DDR-Legende Rolf Hoppe 

Rolf Hoppe war einer der bekanntesten DDR-Schauspieler. Viele Menschen nehmen Abschied von dem „bodenständigen Weltstar aus Dresden”, der deutsch-deutsche Filmgeschichte geschrieben hat.
dpa
Schauspieler Rolf Hoppe war vor allem wegen seiner Rolle als König in "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" bekannt.
Schauspieler Rolf Hoppe war vor allem wegen seiner Rolle als König in „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel” bekannt. dpa
Rolf Hoppe bei den Dreharbeiten zum ARD-Fernsehfilm "Martha geht tanzen".
Rolf Hoppe bei den Dreharbeiten zum ARD-Fernsehfilm „Martha geht tanzen”. Jörg Carstensen
Der Schauspieler Jan Josef Liefers hat Hoppe bei den 65. Internationalen Filmfestspiele den Filmpreis überreicht.
Der Schauspieler Jan Josef Liefers hat Hoppe bei den 65. Internationalen Filmfestspiele den Filmpreis überreicht. Kay Nietfeld
Rolf Hoppe als Georg Mosbacher bei Dreharbeiten zu dem Sat.1-Thriller "Sterben ist gesünder" in München.
Rolf Hoppe als Georg Mosbacher bei Dreharbeiten zu dem Sat.1-Thriller „Sterben ist gesünder” in München. Istvan Bajzat
Rolf Hoppe mit dem Kunstpreis der sächsischen Landeshauptstadt Dresden.
Rolf Hoppe mit dem Kunstpreis der sächsischen Landeshauptstadt Dresden. Oliver Killig
Dresden.

Die Theater- und Filmwelt trauert um den Schauspieler Rolf Hoppe. Mit ihm verliere die deutschsprachige Schauspielkunst „einen markanten Charakterdarsteller und eines seiner großen Talente”, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) am Freitag in Berlin.

„Der Theater-, TV- und Kinodarsteller hat wie wenige deutsch-deutsche Film- und Fernsehgeschichte geschrieben.” Hoppe starb nach Angaben seiner Familie am Mittwoch im Alter von 87 Jahren in seinem Haus am Dresdner Stadtrand.

Er habe seinem großen Talent und seiner Spielfreude freien Lauf gelassen und seinen Rollenfiguren das Spezifische ihrer Charaktere eingehaucht, sagte Grütters. „Das war große Kunst und kluge Unterhaltung.”

„Ein bodenständiger Weltstar aus Dresden”

Auch für Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat „ein Großer diese Welt verlassen”. „Wir sind traurig”, sagte er in Dresden. Für viele Sachsen sei „ein Freund der Familie” gestorben. Hoppe habe Kultur gelebt und sie belebt, auf der Bühne und vor der Kamera.

Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) würdigte den Künstler als einen der „ganz großen Schauspieler der letzten 60 Jahre”. Mit ihm sei „ein bodenständiger Weltstar aus Dresden” gegangen. Sie lobte die Wandelbarkeit des Mimen, der „in jeder Rolle wieder” neu und „enorm vielschichtig” gewesen sei, und dessen „enorme Präsenz” auf Bühne, Leinwand, Akteur und Zuschauer, aber auch Mensch. Zahlreiche Fans bekundeten ihre Anteilnahme in Sozialen Netzwerken etwa mit „Er war der Beste!”

Auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) würdigte Hoppe als großen Menschen und brillanten Schauspieler. „Der letzte Vorhang ist gefallen, aber ein prägnantes Werk bleibt!”, twitterte er nach Bekanntwerden der Nachricht am Donnerstagabend. Hoppe, gebürtiger Thüringer, war im Kreise seiner Familie friedlich entschlafen, wie Schwiegersohn Dirk Neumann sagte.

Indianerfilmen der DEFA

Als General im Oscar-gekrönten Film „Mephisto” war Hoppe 1981 bekannt geworden. Seit 1963 füllte er über 400 Film- und Bühnenrollen aus, war in allen klassischen Theaterparts ebenso präsent wie in den Indianerfilmen der DEFA als „Bösewicht vom Dienst” und Märchen wie „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel”. Die Produktion ist längst Kult und alljährlich Teil des TV-Adventsprogramms. „Danke für wunderbare Weihnachten seit Menschengedenken”, twitterte ein Fan. Mittlerweile gibt es von der Nordkurier-Mediengruppe sogar personalisierbare Kinderbücher von dem berühmt gewordenen Märchen.

Gefragt blieb der Charakterdarsteller auch im neuen Deutschland. Er stand für wichtige Produktionen wie „Schtonk!”, „Mario und der Zauberer” oder „Comedian Harmonists” vor der Kamera. Zudem wirkte er in Komödien wie „Alles auf Zucker” sowie „Tatort”-Krimis. Am Herzen aber lag ihm vor allem seine eigene, 1995 in einem Bauernhof am Rande Dresdens gegründete Bühne – deren Prinzipal er bis zuletzt war.

Mehrere Preise gewonnen

Erst im vergangenen Jahr hatte Hoppe mehrere Preise gewonnen – den Märchenfilmfestival-Preis für sein Lebenswerk in Annaberg-Buchholz und den Orden des Dresdner Semperopernballs.

„Am meisten hänge ich an den kleinen Rollen”, sagte Hoppe vor rund drei Jahren in einem Interview kurz vor seinem 85. Geburtstag. „Das Wichtigste ist ein gutes Zuhause.” Hoppe rauchte Pfeife – die habe ihm der Doktor in den 1940er Jahren verordnet, statt Zigaretten.

Auch in den letzten Jahren gönnte sich Hoppe keinen Ruhestand: „Ich arbeite gern, es ist ja auch ein schöner Beruf”, sagte er. Nur mit seiner Kraft musste er sparsamer umgehen. Eines seiner Projekte: sein eigenes Theater. Bereits 1995 habe der Schauspieler am Rande von Dresden einen Bauernhof gekauft und mit Freunden das Hoftheater Dresden gegründet, heißt es auf der Website des Theaters. Schon seit einigen Jahren war er aber auch dort nur noch Zuschauer.

Arbeit als Kutscher und Bäcker

Seine „Spielwut” lebte Hoppe erstmals in einer Laientheatergruppe in seinem Heimatort Ellrich am Südrand des Harzes aus. Damals verdiente sich der Thüringer sein Geld noch als Kutscher und Bäcker. Sein General Göring als Gegenspieler von Klaus Maria Brandauer in István Szabós preisgekrönter Verfilmung von Klaus Manns Roman „Mephisto” machte ihn 1980 dann – wie bereits bekannt – international bekannt. Auch als Vater der Pianistin Clara Schumann in der „Frühlingssinfonie” von Peter Schamoni zeigte Hoppe Weltklasse. Bei den Salzburger Festspielen war er mehrmals der Mammon im „Jedermann”.

Dreh im Ausland

Seit 1963 füllte Hoppe mehr als 400 Film- und Bühnenrollen aus und gab im Theater fast allen klassischen und komischen Figuren der Weltliteratur Gestalt. Der Versuchung, der DDR beim Dreh im Ausland den Rücken zu kehren, erlag er nie. Und er blieb auch im neuen Film-Deutschland begehrt, spielte in „Bronsteins Kinder”, „Schtonk!” und „Mario und der Zauberer”.

In gut 50 Jahren Karriere gab es nur zwei weiße Flecken: „Einen Kindermörder würde ich nie spielen”, sagte der Darsteller einst, der lange als „Bösewicht vom Dienst” galt. Die andere Ausnahme ist eher ungewollt: eine Liebhaberrolle wurde ihm nie angeboten. „Ein dicker Mann kann doch auch liebhaben.” Seine Bilanz trübte das aber nicht. „Ich habe ein gutes Leben.” Angst vor dem Tod hatte er nicht, wünschte sich nur einen erträglichen Übergang. „Wenn es so weit ist, dann ist es so weit.”

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