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Grossstadtklein - Ein Gespräch mit Klaas Heufer-Umlauf

In der Til-Schweiger-Produktion „Grossstadtklein“ spielt Heufer-Umlauf einen mürrischen Berliner Mittzwanziger, der mit seiner ländlichen Verwandtschaft konfrontiert wird.

Klaas Heufer-Umlauf, der oft im Duo mit seinem Kollegen Joachim „Joko“ Winterscheidt in Erscheinung tritt, gehört zu den präsentesten Gesichtern im deutschen Fernsehen. Der vielseitige Entertainer wurde in Oldenburg geboren und ist gelernter Friseur, erste Schritte Richtung Unterhaltungsgeschäft unternahm er als Maskenbildner. Das Jahr 2013 wird ein besonderes in der Vita des frischgebackenen Familienvaters bleiben. Im September erscheint das erste Album der Band „Gloria“, die Heufer-Umlauf gemeinsam mit dem „Wir sind Helden“-Bassisten Mark Tavassol ins Leben gerufen hat. Zuvor gibt der 29–jährige sein Debüt als Hauptdarsteller in einem Kinofilm.

Herr Heufer-Umlauf, wie kam es zu Ihrer ersten großen Spielfilmrolle?

Das ist eine ganz interessante Geschichte. Ich kenne den Autor und Regisseur Tobias Wiemann schon sehr lange. Er hat mich vor einigen Jahren gefragt, ob ich nicht mal in einem seiner selbstfinanzierten Kurzfilme mitspielen möchte. Ich hatte Zeit und wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Wir sind mittlerweile sehr gute Freunde. Ich habe damals den Kontakt zu Til Schweigers Produktionsfirma hergestellt. Dort hat Tobias längere Zeit gearbeitet, immer mit der Prämisse, irgendwann „Grossstadtklein“ realisieren zu können. Jetzt wurde der Film in die Tat umgesetzt. Wenn ich mitspiele, schließt sich also ein Kreis.

Stürzen Sie sich in eine Aufgabe wie diese voller Selbstvertrauen oder kennen Sie auch Selbstzweifel?

Ja, natürlich gibt es da erst mal nur Selbstzweifel. Diese Aufgabe war mit nichts zu vergleichen, was ich bisher gemacht habe. Ich war auch ganz froh, dass der Filmemacher ein Freund von mir war und ich deshalb ein familiäreres Gefühl hatte. Tobias hat mich an die Hand genommen und mir alles gezeigt. Er hat im Umgang mit mir als Schauspieler eine große Sensibilität an den Tag gelegt, das hat mir sehr geholfen. Natürlich war ich trotzdem total aufgeregt. Und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Welches Bild haben Sie sich selbst von Rokko geschaffen?

Ich glaube, dass ich das ganz große Mimentum zuhause gelassen habe. Ich habe ja auch nicht am Burgtheater gespielt, sondern einfach einen jungen Typen in Berlin dargestellt. Rokko ist ziemlich nah an mir selbst dran, was mir zum Vorteil gereicht. Die Lebensphase, in der er steckt, kenne ich aus eigener Erfahrung. Deshalb konnte ich da ein paar Anleihen nehmen. Es war nicht so wahnsinnig schwierig.  

Am besten sind Sie in den Szenen, die Sie mürrisch oder knurrig zeigen. Kamen Ihnen diese persönlich besonders entgegen?

Ich glaube, es ist einfacher, mit schlechter Laune gute Laune zu spielen, als umgekehrt. Aber es macht natürlich Spaß, nach Drehbuchvorgabe so zu nerven. Man verärgert niemanden wirklich, aber man darf nach Herzenslust rummotzen.   

Hat sich Produzent Schweiger am Set blicken lassen?

Er war schon das eine oder andere Mal da. Ich war auch gespannt, wie das werden würde, aber Til ist ein Produzent, der die Zügel loslässt, um den Regisseur seine Arbeit machen zu lassen. Er ist ein absoluter Allrounder, wie es in Deutschland wohl keinen Zweiten gibt. Wahrscheinlich juckt es ihn immer in den Fingern, zu sagen: „Macht es mal so oder so.“. Aber wenn man einen eigenständigen Film von einem Regisseur mit einer eigenen Vision haben möchte, dann muss man sich auch mal auf die Zunge beißen. Til hat an bestimmten Stellen auch Hilfestellung geleistet, aber dann sofort wieder losgelassen. Das war eine tolle Erfahrung.

Tobias Moretti spielt Ihren Vater Manni, ein echtes Alpha-Männchen, das einen weichen Kern zu kaschieren versucht. Wie häufig begegnen Ihnen solche Typen in Ihrem Berufsleben?

Hin und wieder trifft man schon Typen, die erst stark wie ein Tiger und dann sanft wie ein Bettvorleger sind. Wahrscheinlich zähle ich selbst manchmal auch dazu, weil Klappern ja auch zum Handwerk gehört. Wenn man sich in einer von Alphamännchen dominierten Szene sein Plätzchen suchen muss, steigt mal der eine und mal der andere auf den Affenfelsen und trommelt sich auf die Brust. Das muss man einzuschätzen lernen. Es ist ärgerlich, wenn Leute viel Wind machen und am Ende kommt nichts dabei rum. Mit ihnen zu arbeiten, grenzt an Zeitverschwendung. Wenn jemand wahnsinnig viel Wind macht und dem auch standhalten kann, kann das ganz interessant sein. Manchmal ist es okay, wenn Leute eine Flügeltür gleich an zwei Seiten aufreißen.

Sind Sie selbst ein Stadt- oder ein Land-Typ?

Ich komme aus Oldenburg und hatte dort die Möglichkeit, städtisch zu wohnen. Trotzdem war natürlich ein Bauernhof gleich gegenüber. Das war eine gute Mixtur. Mittlerweile fühle ich mich in Städten wesentlich wohler. Aber mal schauen, wie das in zwanzig Jahren ist.

Welche Filme findet man in Ihrer DVD-Sammlung?

Von „Kein Pardon!“ von Hape Kerkeling bis Michael Haneke alles vertreten. Ich bin niemand, der sich einen Film anschaut, um gut drauf zu sein.  Persönlich bin ich kein großer Feelgood-Movie Fan. Ein Film darf mich gern auch mal verstören. Meine Sammlung ist vielleicht ein bisschen morbide, oft geht es um schwerere Themen. In ein weniger schönes Thema kann ich manchmal besser eintauchen. Wenn man einen Film wie Michael Hanekes „Funny Games“ gesehen hat, ist man erst mal wieder genullt.

Im Fernsehen sind Sie vom herumblödelnden Entertainer bis zum klugen und engagierten Talkshowgast in allen Facetten zu erleben. Wo haben Sie für sich persönlich Grenzen abgesteckt, was Sie machen und was nicht?

Das hängt immer am persönlichen Interesse. Ich muss das Gefühl haben, zu einer Sache eine feste Meinung zu haben und mit meiner Position – gern auch als herumblödelnder Fernsehmensch - die Aufmerksamkeit nutzen zu können, die mir aufgrund dessen zuteilwird. Diese Aufmerksamkeit kann ich dann von mir auf etwas anderes lenken, und sei es nur ein Thema, das in einer Talkshow besprochen wird. Die Grenze ist mein persönliches Verantwortungsgefühl. Ich glaube, es wird mir nicht passieren, dass ich Dinge nur zum Selbstzweck mache. Ich überprüfe immer intuitiv, ob ich irgendwohin passe oder nicht.
 
Haben Sie als Schauspieler Blut geleckt?

Ja. Grundsätzlich bin ich jetzt auch einzeln buchbar. Es muss eben alles zusammenkommen. Man muss Zeit haben und natürlich müssen Leute Lust darauf haben, mit mir zu arbeiten. Wenn es Aufgaben gibt, die ich mir selbst und die mir auch andere zutrauen, dann übernehme ich sie gern. Es ist jetzt nicht so, dass ich sukzessive darauf hinarbeite, um irgendetwas anderes beenden zu können. Aber ich hatte bei „Grossstadtklein“ einen riesigen Spaß und warum sollte ich den nicht noch einmal haben wollen?

Wem haben Sie zuletzt die Haare geschnitten?

Oh, das ist schon eine Weile her. Ich habe mal meinem Chefredakteur die Haare geschnitten. Allerdings habe ich meine Schere verloren, deshalb kann ich nicht mehr schneiden. Im Urlaub habe ich mir selbst die Haare geschnitten, mit einer Nagelschere. Das sieht man auch.

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Zeit als Maskenbildner in Weimar?

„Mephisto“ im Goethe-Park – das sind tolle Erinnerungen! Schön, dass Sie fragen. Ich war ein paar Monate dort, es war einer der tollsten Sommer, an die ich mich erinnern kann. Wunderbares Wetter, wenig Arbeit und wahnsinnig nette Leute, ich hatte echt großen Spaß dort und habe es sehr genossen. Weimar ist eine wunderschöne Stadt, die ich gern mal wieder besuchen würde.