GNTM-Kolumne

Heidis Models machen Schulausflug auf den Bauernhof

Weil das Creativity-Team von „Germany's Next Topmodel” zu lange Kaffeepause gemacht hat, unternahmen Heidis Mädchen in der dritten Folge einen Ausflug auf den Bauernhof.
Christine Gerhard Christine Gerhard
Gut gelaunt beim Product-Placement: Heidi gibt sich bei der Hüttengaudi bodenständig.
Gut gelaunt beim Product-Placement: Heidi gibt sich bei der Hüttengaudi bodenständig. Screenshot
Fotoshooting auf der österreichischen Alm, in französischen Dessous und Schwarzwälder Bollenhut
Fotoshooting auf der österreichischen Alm, in französischen Dessous und Schwarzwälder Bollenhut Screenshot
Den Kühen gehen die Models beim Laufstegtraining am Hintern vorbei.
Den Kühen gehen die Models beim Laufstegtraining am Hintern vorbei. Screenshot
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Neubrandenburg.

Wir bleiben noch ein bisschen in Österreich, denn Heidi Klum will ja ihren unerschöpflichen Vorrat an Steppjacken ausführen, der bei ihr zu Hause in Los Angeles nicht oft an die frische Luft kommt. Und so musste das Creativity-Team also eine weitere Folge in den Alpen entwerfen. (Sofern „Creativity-Team” die richtige Bezeichnung für die Zuständigen für Requisiten und sonstiges Drumherum ist. Aber inzwischen ist man als treue Zuschauerin in der GNTM-Sprache ja bewandert genug, um zu wissen, dass sie sich zumindest nicht „Kreativitätsgruppe” nennen.)

Dieses Kreativitätsteam jedenfalls hat es bei der Planung der dritten Folge offensichtlich ruhig angehen lassen: Wahrscheinlich hatte sich auf der Mindmap zum Thema „Alpenland” nur ein Strich befunden, als ein Kollege Geburtstagskuchen mit ins Büro brachte und das Brainstorming frühzeitig beendete. Und dieser Strich führte natürlich zu „Lederhosen/Dirndl”.

Leichte sexuelle Übergriffe

Reicht ja auch. Noch ein paar Kühe dazu, eine Almhütte und ein paar Pellkartoffeln, dann aus der Gesichtsausdrucks-Lostrommel noch schnell „sexy” ziehen – fertig ist das Shooting in Österreich. Und weil man gerade dabei war und er in dem Alpengesamtpaket wahrscheinlich gratis mitgeliefert wurde, stellte man noch einen gesund aussehenden Geißenpeter aus Australien dazu: Das männliche Model Jordan Barrett. Sein Job ist es, leicht bekleidete Bäuerinnen von ihrer Hausarbeit abzuhalten und sich dabei ab und zu leichten sexuellen Übergriffen auszusetzen.

Auch der Rest des Teams hielt sich brav an die originelle Themenvorgabe. Obwohl, gehört dieser Bollenhut nicht eigentlich in den Schwarzwald? Und ist der Dialekt, den Heidi da zu imitieren versucht, nicht Bayrisch? Und dann wäre da noch das irgendwie irritierende Leopardenmuster auf Lunas Oberteil. Wie schon viele dunkelhäutige Kandidatinnen mit Afrofrisur vor ihr ereilt auch sie das Schicksal mit dem Leoprint, gegen das sie sich jedoch zu wehren weiß.

Nachdem Heidi noch schnell eine Kuh gemolken hat, parodiert sie beim anschließenden Catwalktraining genüsslich ihre Schützlinge. Doch die neunte Klasse der Klum'schen Modelschule zieht es vor, den Schulausflug auf den Bauernhof mit Sonnenbaden zu verbringen, anstatt Heidis konstruktiver Kritik zu lauschen und sich Notizen zu machen. Da bekommt nicht jede mit, dass sie wie eine Hofkatze durch den Kuhstall schnüren soll. „Das isch Kunscht”, erklärt Marias Freund am Telefon. Da muss die Modelkandidatin auch einmal lachen, und das nicht wegen des Dialekts.

Soziale Gerechtigkeit wiederhergestellt?

Beim künstlerisch so anspruchsvollen Wettkampf im Kuhstall gewinnt übrigens „Team Hütte” gegen „Team Luxushotel”. So schnell ist in Heidis Wunderwelt, wo es auch bei strahlendem Sonnenschein schneien kann, soziale Gerechtigkeit wiederhergestellt. Der Preis ist eine zünftige Brotzeit auf der Hütten, bei der sich Heidi ganz bodenständig gibt und im gleichen Atemzug erklärt, dass Modeln viel mit Schauspielerei zu tun habe. In andere Rollen zu schlüpfen, das finden auch viele Mädchen reizvoll, vor allem die schüchterne Catharina und die Inderin Sayana mit dem strengen Freund.

Jasmin dagegen hat es mit dem Schauspielern nicht so, als bei der Entscheidung - bei der unter anderem Celine aus Malchow gehen musste - Mitgefühl gefragt ist und sie zum Ende der Folge noch die überfällige Brise Zickenkrieg in die Heimatfilmidylle streut. Zu ihrer Verteidigung: Mitleid ist im Modelbusiness vermutlich kein sehr gefragter Gesichtsausdruck.

Auch Theresia bleibt sich lieber treu. Ihre inneren Monologe, zum Besten gegeben in einem Interview, könnten auch aus der Feder des Creativity-Teams stammen: „Oh wow, hmm. Und ich dachte mir so: hmmm.” So simpel und doch so ausdrucksstark.

Pinke Gelnägel, unbequeme Jeans, Thilo Sarrazin – es gibt Dinge, die lassen sich mit einem (wenn auch abgeschlossenen) Studium der Geisteswissenschaften nur schwer vereinbaren. Alle Jahre wieder der neuen Staffel von Germany's Next Topmodel entgegenzufiebern, gehört mit Sicherheit dazu. Da braucht es schon gute Vorwände: Ironische Distanz vielleicht, oder eine Kolumne. Ab jetzt schreibt unsere Autorin Christine Gerhard regelmäßig über die Show. Hier geht es zu allen Beiträgen.