Raubkunst

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Herkunft vieler Stücke in MV-Museen nicht geklärt

Kathrin Möller vom Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum Rostock mit dem einst verschollenen Kapitänsbild "Auguste Mathilde von Stralsund".
Kathrin Möller vom Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum Rostock mit dem einst verschollenen Kapitänsbild „Auguste Mathilde von Stralsund”.
Frank Hormann

Bei Hunderten Ausstellungsstücken in MV-Museen ist die Herkunft unklar. Sie könnten in der NS-Zeit geraubt worden sein. Weitere Forschungen sind aufwendig und teuer.

Mehrere hundert Exponate unklarer Herkunft befinden sich nach Erkenntnissen von Kunsthistorikern in den Museen Mecklenburg-Vorpommerns. Diese könnten zwischen 1933 und 1945 den rechtmäßigen Eigentümern entwendet und später in Museen des Landes gelangt sein, sagte die Vorsitzende des Museumsverbands MV, Kathrin Möller, am Donnerstag in Rostock.

Zwölf Museen unter der Lupe

Die Kunsthistorikerin Anne Paschen und der Historiker Reno Stutz hatten im Auftrag des Verbands in den beiden vergangenen Jahren in zwölf Museen mehrere Tausend Objekte untersucht. Bei dem sogenannten Erstcheck in stadtgeschichtlichen, volkskundlichen und technischen Einrichtungen stießen sie unter anderem in Wismar auf 16 verdächtige Objekte, die den Freimaurern zugeschrieben werden konnten.

Auch auf dem Traditionsschiff in Rostock konnten verdächtige Exponate festgestellt werden. Im Stralsund Museum habe bei etwa 100 Exemplaren die Herkunft ebenfalls nicht geklärt werden können. Problem hierbei sei der ehemalige Leiter des Museums, Fritz Adler, der während der NS-Zeit engen Kontakt zu Kunsthändlern gehabt haben soll, die mit Raubgut handelten, erklärte Stutz.

Provenienzforschung

Ziel der Untersuchungen, für die kleineren Museen oft die personellen, zeitlichen und finanziellen Kapazitäten fehlten, sei auch die prinzipielle Sensibilisierung für die Herkunft der Dinge, erklärte Möller. Es sei wichtig, die Herkunft zu hinterfragen und so die Geschichte der Exponate aufzudecken.

Auf die betroffenen Museen komme nun die Aufgabe zu, die Vergangenheit der verdächtigen Exponate zu klären. Unterstützt wurde das Projekt vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg sowie vom Schweriner Kultusministerium.

Beim Magdeburger Zentrum könnten Anträge auf Förderung weiterführender Forschungen eingereicht werden. Aktuell plane der Museumsverband in Mecklenburg-Vorpommern eine weitere Provenienzforschung über Schlossbergungen und die damit in Verbindung stehenden herrenlosen Kulturgüter.