Interview mit Autorin Kerstin Gier

"Ich möchte, dass die Leser glücklich sind"

Während Kerstin Giers aktuelles Fantasy-Werk „Silber. Das zweite Buch der Träume“ die Bestsellerlisten anführt, startet mit „Saphirblau“ der zweite Teil der Verfilmung ihrer „Edelstein-Trilogie“ im Kino. Wir sprachen mit der Schriftstellerin.
Autorin Kerstin Gier.
Autorin Kerstin Gier. Jörg Carstensen
Neubrandenburg

Frau Gier, die Edelstein-Trilogie markiert einen Umbruch in Ihrem Werk. Was hat Sie an Fantasy und Zeitreisen gereizt?

Als Autor probiert man gern Neues aus. Ich hatte schon lange den Traum gehegt, Fantasy zu schreiben, schon allein, weil ich selbst gern Bücher mit fantastischen Elementen lese. Ich mag die Kombination von Humor und Fantasy. Und unbedingt wollte ich eine romantische Liebesgeschichte schreiben. Die Zeitreise kam dazu, weil ich ein Faible für Abenteuer habe, für historische Kostüme, und, hier muss ich ehrlich sein, für Degenkämpfe. Der historische Roman ist allerdings absolut nicht mein Genre. Was lag also näher, als es mit Zeitreisen zu versuchen?

Warum haben Sie die Geschichte in London angesiedelt?

Daran hätte ich selbst gar nicht gedacht. Aber Christiane Düring, seinerzeit Programmchefin des Arena-Verlags, hat damals schon den Verkauf der Lizenzen im Auge gehabt und einen internationalen Schauplatz angeregt. Deutsche Geschichten, mögen sie nun in Hintertupfingen oder in Hamburg spielen, sind für den internationalen Markt nicht ganz so interessant. Ich war zunächst etwas skeptisch, aber dann erwies sich London als Schauplatz mit wunderbaren Möglichkeiten, der perfekt zu den Zeitreisegeschichten passte. Und schließlich durfte ich auf Recherchereise nach London gehen, dafür bin ich noch heute dankbar. Ich wollte meine Romane in Zukunft nur noch in London spielen lassen!

Waren Sie ein wenig besorgt, die Filmrechte aus der Hand zu geben?

Mir war es sehr wichtig, dass die Filmemacher mit Liebe bei der Sache sind. Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl, das sich ja dann auch bestätigt hat. Ich finde es nicht schlimm, wenn die Verfilmung eines Buches in mancher Hinsicht von der Vorlage abweicht. Das Buch selbst ist ja immer noch da, der Film ersetzt es nicht. Es ist ein Mehrwert, wenn ein Film Neues bietet und Buch und Film sich ergänzen. Schon einmal wurde eines meiner Bücher verfilmt, das hat man anschließend gar nicht mehr erkannt. Deshalb hatte ich meine Erwartungen an die Authentizität etwas heruntergeschraubt. Umso schöner war es, dass ich Geist und Charme der Geschichten in den Drehbüchern wiedergefunden habe.

Wie reagieren die Fans auf die Änderungen?

Ich bekomme viel Post von Fans, die sich darüber beschweren, dass die Haarfarbe bei Leslie nicht stimmt und die Schuluniform eigentlich Kartoffelpüree-Gelb ist. Kinder achten sehr auf solche Details. Ich hoffe, dass sie trotzdem erkennen, wie zauberhaft die Filme sind und wie viel Charme sie haben.

Haben Sie beim Schreiben Vorbilder für Ihre Figuren im Hinterkopf, etwa bekannte Schauspieler?

Nein, das habe ich wirklich nicht. Deshalb bin ich auch immer wieder überrascht, wie sehr sich manche Leser an diesen Äußerlichkeiten festhalten. Ich weiß genau, wie meine Charaktere ticken. Ich weiß, was sie für eine Jugend hatten oder was sie am liebsten essen. Aber wie sie aussehen, ob sie grüne oder blaue Augen habe, ist mir ziemlich egal. Ich sehe sie nicht als Bild, ich fühle sie mehr.

Suchen Sie den Austausch mit dem Publikum?

Ich liebe Lesungen. Schreiben ist ein einsames Geschäft, deswegen genieße ich diesen Kontakt sehr. Bei den Erwachsenen geht es dann immer eher lustig zu. Kinder und Jugendliche sind als Publikum ganz anders, sie nehmen die Bücher oft viel ernster. Es ist gar nicht so einfach, sie zum Lachen zu bringen. Leider können die Lesungen in den letzten Jahren meist nicht in kleinen, gemütlichen Räumen stattfinden. Und eine Bühne in einem großen Saal lässt nicht mehr so viel Kontakt zu wie mit dem Publikum in der Buchhandlung. Das vermisse ich ein bisschen, aber beim Signieren erzählen mir die Leute oft, was sie in einem Buch berührt hat, was sie glücklich gemacht hat. Das ist es, was ich möchte: dass die Leute glücklich sind, wenn sie meine Bücher lesen.

Sind Sie eine disziplinierte Autorin?

Ich bin in letzter Zeit sehr langsam geworden. Durchschnittlich schaffe ich drei Seiten am Tag, an denen ich ziemlich lange sitze. Manchmal gerate ich in einen Flow und es läuft, aber viel öfter bin ich unzufrieden mit dem, was ich schreibe. Vielleicht hat das etwas mit der Tatsache zu tun, dass heute mehr Leute auf das Buch warten und es kritischer beäugt wird. Diszipliniert? Das trifft es vermutlich nicht, dafür stehe ich zwischendurch zu oft auf. Fleißig? Vielleicht passt am besten „intensiv“.

Kerstin Gier, Jahrgang 1966, hat u.a. Germanistik und Kommunikationspsychologie studiert und als Diplompädagogin abgeschlossen. Seit 1995 schrieb die Bergisch Gladbacherin Romane für ein vorwiegend weibliches Zielpublikum („Die Mütter-Mafia“, „Männer und andere Katastrophen“). Mit der „Edelstein“-Trilogie gab Kerstin Gier 2009 einen erfolgreichen Einstand in der Welt der Fantasy.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Neubrandenburg

zur Homepage