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Interview mit Michelle Pfeiffer und Robert De Niro

Michelle Pfeiffer und Robert De Niro bei der Premiere von "Malavita".
Michelle Pfeiffer und Robert De Niro bei der Premiere von "Malavita".
Yoan Valat

Michelle Pfeiffer und Robert De Niro spielen die Eltern in einer leicht reizbaren Mafiafamilie, die sich im Zuge des Zeugenschutzprogramms in der Normandie niederlässt. Wir trafen das prominente Duo in Berlin zum Gespräch.

Mrs. Pfeiffer, Mr. De Niro, warum haben Sie noch nie gemeinsam vor der Kamera gestanden?

Robert De Niro: Das haben wir uns auch gefragt. Ich wünschte, wir hätten schon viel früher die Gelegenheit gehabt, zusammen zu arbeiten. Vor etlichen Jahren habe ich schon einmal versucht, Michelle für ein Projekt zu gewinnen. Ich habe längst vergessen, worum es ging. Irgendwie ist es dann nicht zustande gekommen. Rückblickend finde ich das sehr schade, denn wir hatten mit „The Family“ eine großartige Zeit.

Michelle Pfeiffer: Es stand mehrmals kurz davor, aber aus verschiedenen Gründen hat es nie geklappt. Wir waren auch an zwei Filmen gemeinsam beteiligt, hatten aber keine gemeinsamen Szenen (Anm.: „Der Sternwanderer“ und „Happy New Year“). Deshalb war ich auch sehr aufgeregt, nun endlich die Gelegenheit zu haben.

Seit wann kennen Sie sich?

Pfeiffer: An unsere erste Begegnung kann sich Robert nicht mehr erinnern. Es war eines meiner ersten, wenn nicht mein allererstes Vorsprechen überhaupt. Wir haben uns für „Wie ein wilder Stier“ getroffen. Ich war sehr jung. Später sind wir uns auf dem Roten Teppich der Filme begegnet, in denen wir beide mitgespielt haben: „Hi, Du warst gut in dem Film!“.

Sie gehören gewissermaßen zur Familie zahlreicher Zuschauer, die mit Ihren Filmen aufgewachsen sind. Schauen Sie jemals zurück?

Pfeiffer: Ich blicke fast nie auf meine Arbeiten zurück. Und ich grübele auch nicht viel über die Zukunft nach. Ich treffe meine Entscheidungen auf Basis des Lebens, das ich hier und heute führe. Ich liebe es, Schauspielerin zu sein. Jetzt haben meine Kinder das Nest verlassen und ich werde mich wohl stärker in die Arbeit stürzen. Ich kann wieder Projekte in Erwägung ziehen, die mich für längere Zeit weit fern der Heimat binden. Ich erlebe eine aufregende Zeit.

Kamen Ihnen die Tränen, als die Kinder auszogen?

Pfeiffer: Oh Gott, ich habe geheult! Man hat das Gefühl, jemand hätte ein Teil aus dir herausgerissen. Aber man kommt darüber hinweg. Man muss sich daran gewöhnen und sich anpassen. Wenn ich heute nackt aus der Dusche steige und eine neue Flasche Lotion aus der Vorratskammer holen möchte, habe ich den Impuls, meinen Bademantel überzustreifen. Und dann fällt mir ein: „Oh, ich kann ja auch nackt gehen!“.

Im Film „The Family“ macht das gemeinsame Essen und Kochen einen großen Teil des Familienlebens aus. Kochen Sie oft selbst?

De Niro: Ich nicht, nein. In meinem Fall habe ich einen Koch, der das gern für mich übernimmt.

Pfeiffer: Das Essen spielt doch in jedem Leben eine große Rolle, es ist eine Sache der Gemeinschaft. Was und wo wir essen, definiert sehr stark, wie wir sozialisiert wurden. Ich selbst koche nicht viel, weil mir neben der Arbeit selten Zeit dafür bleibt. Ich habe Unterstützung dabei. Aber an Wochenenden stehe ich auch am Herd. Ich mag mexikanisches Essen und ich mache eine verboten gute Guacamole. Auch meine Pasta ich nicht zu verachten. Ich mag einfaches Essen.

Wie intensiv machen Sie sich Gedanken über den Hintergrund der Figuren, die Sie spielen?

De Niro: Man macht sich ganz automatisch ein Bild davon, wie der Hintergrund einer Figur aussehen könnte. Natürlich ist das, was im Drehbuch steht, das eigentlich wichtige. Je besser ein Buch geschrieben ist, umso einfacher lässt sich auch auf das Vorleben der Figur schließen. Es ist gar nicht so einfach, ein gutes Skript zu lesen. Das Buch zu „The Family“ basiert auf dem Roman „Malavita“. Luc Besson hat es für die Leinwand adaptiert und dabei eine sehr gute Arbeit geleistet. Wir kennen uns schon lange und wollten schon immer zusammen arbeiten. Ursprünglich wollte Luc den Film nur produzieren, also machten wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Regisseur. Es hat viel zu lange gedauert, jemanden zu finden, der verfügbar war und unseren Geschmack teilte. Und Luc hatte schon zu viel Zeit in das Projekt investiert. Also hat er am Ende doch die Inszenierung übernommen. Letztendlich eine glückliche Fügung, denn Michelle sagte zu, weil Luc die Regie geführt hat.

Waren Sie beim Dreh entspannter, wenn Sie jemanden umlegen oder küssen mussten?

Pfeiffer: Beim Umlegen. (lacht) Wenn ich eine intime Szene drehen soll, bin ich manchmal ein bisschen schüchtern. Ich habe mich mit Robert allerdings sehr wohlgefühlt. Wir mussten nicht proben. Wir beide führen seit langer Zeit eine Ehe und haben Familien. Wir mussten nicht lange darüber reden. Wir konnten all unsere Erfahrung einbringen, das hat die Sache sehr einfach gemacht.

Was ist das Geheimnis einer langen, glücklichen Partnerschaft?

De Niro: Nimm es so, wie es ist.

Pfeiffer: Ich denke, Vertrauen und Respekt sind wirklich wichtig.

Mr. De Niro, Sie sind 70 Jahre alt. Achten Sie als Vater eines Kleinkindes heute besonders auf Ihre Gesundheit?

De Niro: Mein Vater (Anm.: der renommierte Maler Robert De Niro Sen.) litt an Prostata-Krebs. Ich selbst erkrankte später ebenfalls daran. Ich habe mich aber frühzeitig darum gekümmert. Mein Vater könnte heute noch am Leben sein, wenn er eher behandelt worden wäre, dieser Gedanke schmerzt. Was meine Gesundheit anbelangt, setze ich auf Vorsorge. Ich möchte lieber wissen, was Sache ist, um damit klarzukommen, anstatt Angst zu haben und es zu verdrängen.

Was macht gute Eltern aus?

Pfeiffer: Man muss diesen schmalen Grat zwischen dem Setzen von Grenzen und dem Zulassen von Freiheiten ausloten. Jeder muss die Gelegenheit dazu bekommen, seine eigenen Fehler zu machen, nur so entwickelt man Widerstandsfähigkeit. Ich hoffe, dass es mir gelingt, meinen Kindern wichtige Werte mit auf den Weg zu geben, zum Beispiel, was den Umgang mit Mitmenschen angeht. Die Elternschaft ist keine exakte Wissenschaft. Aber bislang entwickeln sich meine Kinder großartig und ich bin sehr stolz auf sie.

Sind sie am Showbusiness interessiert?

Pfeiffer: Momentan zeigen sie kein Interesse. Sie suchen noch ihren Weg, darum geht es ja auf dem College. Sie werden allen möglichen neuen Eindrücken ausgesetzt. Meine Tochter ist die ältere und ich habe schon einige Veränderungen an ihr wahrgenommen. Mein Sohn hat gerade erst angefangen. Er mag ein bestimmtes Ziel verfolgen, aber wenn ich raten müsste, würde ich sagen, in zwei Jahren sieht es völlig anders aus. Mal sehen. Ich sage ihnen immer, sie sollen ihrer Leidenschaft folgen. Aber das ist nicht so leicht. Ich wusste schon sehr früh, was ich will, aber das ist nicht bei jedem Menschen der Fall.

Mr. De Niro, Sie haben einmal gesagt, man muss sich das Recht verdienen, eine Figur darzustellen. Wie haben Sie dieses Recht erworben?

De Niro: Wenn man recherchiert und seine Hausaufgaben macht, stellt sich irgendwann das Gefühl ein, dieses Recht erworben zu haben. Es mag noch nicht alles perfekt sein, aber man darf sich ans Werk machen. Die Menschen mögen dich kritisieren und dieses und jenes äußern, aber du weißt, dass du alles geben kannst, was dir möglich ist. Wenn man einen Film dreht, darf man sich auch Fehler erlauben. Man kann eine Szene wiederholen und verschiedene Dinge ausprobieren. Im Schneideraum fügt man dann die besten Momente zusammen. Diesen Luxus genießt man nicht, wenn man auf einer Bühne steht. Dort spielt man seine Rolle und das war es. In der einen Nacht ist deine Vorstellung so lala, in der nächsten ganz akzeptabel und in der dritten vielleicht exzellent.

Wo würden Sie sich selbst ansiedeln, wenn Sie Ihr eigenes Zeugenschutzprogramm entwerfen dürften?

De Niro: Südfrankreich ist sicher ein guter Platz, um sich niederzulassen. Eine nette, tropische Insel in der Südsee wäre auch nicht schlecht. Aber ich brauche New York und würde an den Wochenenden wahrscheinlich dorthin zurückkehren.

Während im Kino ein Mangel an guten Drehbüchern herrscht, produziert das US-Fernsehen qualitativ hochwertige Filme und Serien. Würden Sie für ein solches Projekt zur Verfügung stehen?

Pfeiffer: Ja. Das Fernsehen ist wieder interessant geworden. Wenn man für das Kabelfernsehen dreht, macht man nur sieben bis zehn Episoden im Jahr. Man ist drei Monate lang eingespannt und hat den Rest für andere Projekte zur Verfügung. Früher bedeutete die Arbeit an einer Serie, sechs oder sieben Monate im Jahr gebunden zu sein. Damit hatten sich andere Pläne erledigt. Es ist schön, heute diese Option zu haben.

Hollywoodlegende Robert De Niro (70, „Silver Linings“) dreht seit fünf Jahrzehnten Filme, seine Kollegin Michelle Pfeiffer (55, „Dark Shadows“) ist seit mehr als dreißig Jahren im Geschäft erfolgreich. Trotzdem standen die beiden Superstars noch nie gemeinsam vor der Kamera. Erst Luc Bessons Mobster-Komödie „Malavita – The Family“ sorgt nun für das Gipfeltreffen.

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