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Interview mit Schauspieler Christian Ulmen

Christian Ulmen.
Christian Ulmen.
Bernd Settnik

In der Komödie „Alles ist Liebe“ spielt Christian Ulmen eine Hälfte eines schwulen Paares mit Heiratsplänen. Wir haben mit dem 39-Jährigen über Weihnachten, die femininen Seiten der Männer und natürlich die Liebe gesprochen.

Herr Ulmen, welches war Ihr schönstes Weihnachtsgeschenk als Kind?

Eine Pinguinrutsche. Die war mal voll im Trend. Es gab eine Treppe, auf die man die Pinguine stellte. Die wurden dann hochbefördert. Wenn sie oben angekommen waren, schlitterten sie eine kreiselartige Bahn hinunter. Man saß stundenlang davor und schaute den Pinguinen beim Rutschen zu. Das war genau zwei Tage lang spannend. Aber ich wollte sie unbedingt haben und meine Eltern erweckten nicht unbedingt den Eindruck, als würde ich sie bekommen. Sie betonten immer wieder, wie unsinnig sie sei. Deshalb habe ich mich wahnsinnig gefreut, als ich sie auspacken durfte.

Was verbinden Sie mit dem Begriff „Weihnachtsmagie“?

Weihnachtsmagie kann ich insofern nachvollziehen, dass Weihnachten die einzige Zeit im Jahr ist, in der einen wirklich keiner nervt. Alle Leute aus der Arbeitswelt sind weg. Man kann sein Handy unter dem Bett verstecken und es ist egal. Man verpasst nichts. Dieses Gefühl maximaler Ruhe entspannt mich immer sehr. Die ganzen Kugeln und Lichter sieht man gern, sie lösen aber keine emotionale Euphorie in mir aus.

Mögen Sie Weihnachtsfilme und Weihnachtsmusik?

Nee, das ist das allerschlimmste. Außer „Alles ist Liebe“ natürlich, das ist ein besonders schöner Weihnachtsfilm, voller Magie und Kugeln. Es glitzert alles… (lacht) Ich kaufe mir keine James-Last-CD, um mich bewusst in weihnachtliche Stimmung zu versetzen. Aber wenn ich mal über den Ku´damm fahre, das Radio anmache und es kommt irgendetwas ´raus, was zu den Lichtern und Kugel in den Bäumen passt, empfinde ich das durchaus auch als kongeniales Zusammenwirken.

Wie gut sind Sie im Geschenke einpacken?

Unglaublich schlecht. Das ist wirklich etwas, das ich gar nicht kann. Ein von mir eingepacktes Geschenk sieht so schlimm aus, dass man denkt, es riecht auch übel. Das kriege ich niemals hin, deshalb lasse ich Geschenke immer einpacken. Wenn ich ein Geschenk selbst eingepackt habe, weiß man sofort, dass ich es erst auf den letzten Drücker an Heiligabend besorgt habe.

Wann haben Sie die Existenz des Weihnachtsmannes erstmals in Frage gestellt?

Nie. Das mache ich bis heute nicht.

Glauben Sie an die Liebe? 

Das ist keine Glaubensfrage, sie passiert ja. Liebe findet statt. Man empfindet sie anderen Menschen gegenüber. Menschen tun etwas füreinander, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Die Liebe ist unter uns. Man muss nicht daran glauben.

Um eine Frage des Filmes aufzugreifen: Hört man jemals auf, jemanden zu lieben?   

Na klar. Das kann passieren. Es ist sehr wünschenswert, dass man irgendwann mal aufhört zu lieben, wenn einem der geliebte Mensch permanent in die Fresse haut. Das würde einem gut tun und ich glaube auch, dass das möglich ist.

Ist Ihr Filmpartner ein guter Küsser?

Friedrich Mücke ist sehr zärtlich. Punkt.

Haben Sie durch den Film Ihre feminine Seite entdeckt?

Warum? Wir sind zwei Männer, die sich lieben. Dazu braucht es keine feminine Seite, die wir für die Rolle in uns entdecken mussten. Klar haben Männer feminine und maskuline Seiten, aber die sind für die Liebe zueinander wurscht.

Warum zögern viele Prominente, sich zu outen?    

Weil ich mich selbst nicht in dieser Situation befinde, ist es sehr schwer für mich, darüber ein Urteil abzugeben. Natürlich kann man leichtfertig dahinsagen: „Mein Gott, so outet Euch doch halt!“. Aber es wird schon einen Grund dafür geben, wenn das viele Schauspieler bewusst nicht tun. Und das muss man respektieren. Das Auffordern oder sogar das Zwingen zum Outing halte ich für übergriffig. Das darf und muss jeder für sich selbst entscheiden. Es trägt auch kein schwuler Schauspieler, der sich nicht outen will, die Verantwortung für alle Homosexuellen und ihre Stellung in der Gesellschaft. Jeder hat das Recht auf sein eigenes Privatleben.

Haben Sie eine Millisekunde darüber nachgedacht, ob die Rolle gut für Ihr Image ist?

Nein, Null. In diesem Film haben ja ganz viele Paare Probleme mit ihrer Beziehung und ein Paar ist schwul. Aber dieses Paar hat kein Problem damit, schwul zu sein. Vielleicht hätte man das vor 15 oder 20 Jahren noch so erzählt: Oh, da lieben sich zwei Schwule! Werden sie schief angekuckt? Was sagen denn die Eltern dazu? Dass dieses Paar schwul ist, wird in diesem Film als komplett selbstverständlich inszeniert. Das mochte ich sehr. Sie haben ein Problem, das für eine Beziehung ganz typisch ist: der eine will heiraten, der andere nicht. Das kennen auch heterosexuelle Paare.

Glauben Sie, dass der Mensch ein monogames Wesen ist oder ist dieses Konzept veraltet?

Ich selbst bin monogam, weil ich dieses Gebaggere und Geflirte nicht ertrage. Ich kann das auch nicht. Dieses ganze Schwitzen, das nicht wissen, was man sagen soll – ich finde all das furchtbar, was die Leute als „Schmetterlinge im Bauch“ und als spannende Zeit beschreiben. Ansonsten weiß ich auch nur, was zum Thema Treue in den Zeitschriften steht. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass wir das gar nicht können, weil wir von unserer Hirnstruktur und biochemisch gar nicht dafür gemacht sind. Außerdem leben wir heute viel länger. Damals wurden die Menschen dreißig, da hatten sie ja gar keine Zeit für mehrere Partner. Das kann alles sein. Ich kann nur für mich sprechen: Ich weiß gern genau, was ich habe.

Sind Ihre Weihnachtswünsche heute noch materieller Natur?

Also ich habe mir von meiner Frau zu Weihnachten ein Auto gewünscht. Von meinem Sohn erwarte ich ein Messerset und von meinen Eltern das iPhone 6. Ich bin weiterhin komplett materialistisch bei meinen Wünschen.

Im Film sagt eine TV-Produktionsassistentin, dass sie noch nicht Karriere gemacht hätte, weil sie nicht mit den richtigen Männern geschlafen hat. Gibt es so etwas in der Branche?         

Ja. Nicht so oft, wie man es sich vorstellt. Oder wünscht, weil es ja geile Geschichten produziert. Aber das gibt es durchaus. Vielleicht ist das ja auch gar nicht immer so vorsätzlich. Um es einmal im Rahmen des Filmtitels zu erzählen. Ich habe es noch nicht erlebt, dass jemand gesagt hat: „Pass´ mal auf, hübsche Maid, ich besetze Dich, wenn Du heute Abend mit mir schläfst.“. Es kommt aber durchaus vor, dass einer wirklich verliebt ist und dem Anderen aus dieser Verliebtheit heraus Zugang zu etwas verschafft. Wenn man den Aspekt der Liebe ausklammert, könnte man sagen, da hat sich jemand hochgeschlafen. Ansonsten gibt es mit Sicherheit alles im Verborgenen. Ich kann mir jedenfalls alles vorstellen.

Als „Tatort“-Kommissar ermitteln Sie in Thüringen. Jetzt haben Sie noch die Gelegenheit, Weimar zu loben.

Weimar ist – und das meine ich ganz ernst – eine der schönsten Städte der Welt. Ich habe ein großes Faible für Kleinstädte. Ich lebe ja jetzt auch wieder in Potsdam. Weimar ist eine wunderschöne Stadt und ich war echt gern dort. Und wenn ich nicht schon mit meiner Frau und mit Potsdam verheiratet wäre, würde ich sogar dorthin ziehen. Aber leider bin ich schon vergeben.

Welches war Ihr größtes Weihnachtstrauma?

Ich habe mal eine Pinguinrutsche geschenkt bekommen…

Christian Ulmen („Maria, ihm schmeckt´s nicht!“) hat in vielen Medienbereichen seine Spuren hinterlassen, er war als Radiomoderator und MTV Video-Jockey aktiv, bevor er 2003 im Jugendfilm „Verschwende Deine Jugend“ sein Debüt als Kinoschauspieler gab. Inzwischen blickt der 39-jährige auf diverse Hauptrollen zurück, außerdem ist er als Kolumnist, Synchronsprecher und „Tatort“-Kommissar in Erscheinung getreten. Im TV und im Internet etabliert Ulmen regelmäßig unkonventionelle Formate („Who wants to fuck my girlfriend?“).

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