STADT.LAND.KLASSIK

Nordkurier-Chef Schumacher greift zum Taktstock

Nordkurier-Chef Lutz Schumacher tauscht bei „Stadt. Land. Klassik!“ in Waren den Bürosessel mit dem Dirigentenpult. Im Interview mit Sirko Salka spricht er über seine Leidenschaft.
Sirko Salka Sirko Salka
Lutz Schumacher war bereits im Herbst 2018 in Waren als Dirigent zu erleben.
Lutz Schumacher war bereits im Herbst 2018 in Waren als Dirigent zu erleben. Ingmar Nehls
Am 7. April beginnt die vierte Tour der Neuen Philharmonie MV in Eggesin.
Am 7. April beginnt die vierte Tour der Neuen Philharmonie MV in Eggesin. Neue Philharmonie
Auch in Pasewalk werden die jungen Musiker wieder gastieren.
Auch in Pasewalk werden die jungen Musiker wieder gastieren. Frank Wilhelm
Neubrandenburg.

Im April geht die Neue Philharmonie MV wieder in der Region auf Tournee. Sie moderieren die Konzerte von „Stadt. Land. Klassik!“ Bei Ihnen wirkt das immer unterhaltsam und spontan, als müssten Sie sich nicht groß vorbereiten.

Sie können mich nachts wecken und sagen: Erzählen Sie mal was über Bizet, Rachmaninow, Schostakowitsch. Das würde funktionieren. (lacht) Aber natürlich ist es besser, sich vorzubereiten. Ich lebe mein ganzes Leben schon mit klassischer Musik. Das ist weit mehr als ein Hobby. Es ist meine Leidenschaft.

Die Warener werden Sie zudem erneut als Dirigenten erleben. Was war das beim ersten Mal im vergangenen Herbst für ein Gefühl, als Sie ein Stück dirigieren durften?

Ich hatte zu dem Zeitpunkt bereits mehrmals öffentlich dirigiert. Aber es ist schon ein seltsames Gefühl, das zum ersten Mal an der Wirkungsstätte des Hauptberufs zu präsentieren. Natürlich fragt man sich, wie kommt das bei den Leuten an? Auf der anderen Seite bin ich ja keine Geschäftsführungs-Maschine, sondern auch ein Mensch mit einem Spektrum. Andere laufen Marathon oder fahren Rennrad. Mein Hobby ist halt Orchesterleitung. Und wenn man dirigieren möchte, macht man das nicht im stillen Kämmerlein. Insofern war meine Premiere bei „Stadt. Land. Klassik!“ sehr schön, aber mit etwas mulmigem Gefühl.

Damals war es Beethovens Klavierkonzert Nr. 2, diesmal geben Sie zu Beethovens 3. Klavierkonzert in c-Moll den Takt an. Warum fiel die Wahl wieder auf Beethoven?

Beethoven ist wahrscheinlich der größte Komponist, der je gelebt hat. Wir verdanken ihm viel. Seine Werke stehen von der Epoche her zum Ausgang der Klassik, aber ohne ihn wäre die nachfolgende Romantik undenkbar. Für ambitionierte Laien wie mich ist Beethoven dankbarer und leichter als andere Komponisten, weil er in seiner Musiksprache so klar strukturiert ist.

Ist er Ihr Lieblingskomponist?

Nein. Aber ich höre ihn inzwischen sehr gerne. Wobei ich ihn erst für mich erobern musste, um zu begreifen, was für tolle Musik er gemacht hat. Meine Lieblingskomponisten sind Schostakowitsch, Brahms, Bruckner und Wagner. Das sind aber nicht unbedingt die Musiker, die man gleich am Anfang dirigieren kann.

Wie unterscheiden sich die genannten Klavierkonzerte von Beethoven?

Vom zweiten zum dritten Klavierkonzert ist es ein Riesensprung. Das zweite ist fein und süß im Mozart-Stil. Kleine Orchesterbesetzung, fokussiert auf das Klavier. Für den Solisten ist das sicherlich eine Hausmarke, für den Dirigenten eine gute Einstiegsübung. Beethovens drittes Klavierkonzert ist umfangreicher. Es fällt schon in die Hauptschaffensphase des Komponisten, in der seine großen Werke entstanden sind. Hier ist das Orchester ungleich größer besetzt, sinfonischer, ausgearbeiteter und reifer. Ein wirklich grandioses Werk, das zu dirigieren und anzuhören Spaß macht.

Mit Daniel Seng haben Sie einen Gast-Pianisten zur Seite. Beruhigt so ein Solist – oder ist er ein Unsicherheitsfaktor?

Für mich ist das neu, da ich bislang immer mit meinem Lehrer Andreas Schulz zusammengearbeitet habe. Doch ich freue mich sehr auf diese neue Erfahrung.

Was macht mehr Spaß und was mehr Arbeit: ein Orchester zu dirigieren oder ein mittelständisches Unternehmen zu führen?

Beides ist harte, aber spannende Arbeit. Lassen Sie mich zunächst aufs Dirigieren eingehen. Diese Aufführungen sind ein enormes Pensum. Es ist eine seltsame Mischung: Auf der einen Seite schwelgt man selbst in der Musik. Das braucht es auch, um diese Emotionen zu übertragen. Auf der anderen Seite ist Dirigieren fast etwas Mathematisches. Sie benötigen viel Aufmerksamkeit und Wissen über die Musik. Das wird vom Laien oft unterschätzt, weil es nach Gefuchtel mit dem Stab aussieht. Das ist es weiß Gott nicht. Man kann viel falsch, viel kaputt machen. Sobald ich als Dirigent zu sehr die Musik genieße, kann ich aus dem Rhythmus geraten. Dann verwirre ich die Musiker. Im schlimmsten Fall bringe ich alles durcheinander.

Dann genießen Sie selber die Klänge gar nicht?

Nun, es ist eine schizophrene Situation, wenn man vor dem Orchester steht. Man ist gleichzeitig drin in der Musik und genießt das durchaus, muss aber immer nach vorne gerichtet denken und etwas vorweg schlagen. Viel wichtiger als der Dirigentenstab ist übrigens, was man mit den Blicken bewirkt.

Dirigenten sind nach dem Konzert oft schweißgebadet. Liegt das an der körperlichen Anstrengung oder an der mentalen Arbeit?

Es ist eher die mentale Anstrengung, die hinter dem Dirigieren steht. Natürlich ist das mit einer gewissen Körperlichkeit verbunden. In dieser Willensanstrengung sehe ich eine weitere Verbindung zur Unternehmensführung. Jeder Musiker hat seine Noten, die Angaben zum Tempo, zur Lautstärke. Aber jeder interpretiert diese Angaben ein wenig anders. Und wenn bei rund 50 Musikern jeder ein kleines bisschen anders spielt, kann ein fürchterliches Durcheinander entstehen. Der Dirigent muss das alles zusammenbringen und seine Strategie für das Stück vorgeben.

Als Konzertbesucher bekommt man solche Details in der Regel nicht mit. Was macht für Sie den Reiz von „Stadt. Land. Klassik!“ aus, welches Feedback erhalten Sie?

Die Besucher unserer Konzerte sind sehr angetan. Ich beobachte Glücksseligkeit, Begeisterung und Interesse. Man sieht, dass die Menschen emotional berührt sind von der Musik. Und sie sind dankbar, dass wir vor Ort sind. Viele sind nicht mehr so mobil, um zum Konzert in eine größere Stadt zu fahren. Die Leute kommen vielleicht nicht jeden Tag mit Klassik in Berührung. Das ist ja genau unsere Idee dahinter: Klassik kann jeder hören! Ich glaube, damit füllen wir wirklich eine Lücke.

Die Neue Philharmonie MV spielt Antonin Dvořáks „Sinfonie Nr. 8 G-Dur“ und Sergeij Prokofjews
„Peter und der Wolf“ in
Eggesin, 7. April, 16 Uhr, Martin-Luther-Kirche
Pasewalk, 10. April, 19 Uhr, Historisches U
Anklam, 11. April, 19 Uhr, Käthe-Kollwitz-Schule (Baustraße 56)
Malchow, 12. April, 19 Uhr, Werleburg
Waren (Müritz), 9. April, 19 Uhr, im Bürgersaal Waren Ludwig v. Beethovens „Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll“ mit dem Solisten Daniel Seng statt Prokofjew
 

Abstimmung über die Zugabe! Wie schon beim vorigen Mal können Konzertbesucher und solche, die es werden wollen, eine Wunsch-Zugabe bestimmen. Hier geht's zur Abstimmung.

Tickets gibt es in der Buchhandlung Graupner in Eggesin, in den Stadtinformationen Pasewalk, Anklam, Waren (Müritz), Malchow, in den Servicepunkten
des Nordkurier in Neubrandenburg, Friedrich-Engels-Ring 29 und Turmstraße 13 und unter der kostenfreien Telefonnummer: 0800-4575033

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Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Neubrandenburg

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