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Junger Palästinenser bezaubert arabische Welt

Er ist der neue Hoffnungsträger: Ein junger Hochzeitssänger aus Gaza hat es bis zum Finale der Castingshow „Arab Idol“ geschafft.

Der 23-jährige Mohammed Assaf Anwar Amro hat es ins Finale der Castingshow „Arab Idol“ geschafft. Foto: Anwar Amro
ANWAR AMRO Assaf aus Gaza bei «Arab Idol»

 Vom ärmlichen Flüchtlingslager im Gazastreifen in die glitzernde Welt der Castingshow „Arab Idol“: Für den 23-jährigen Palästinenser Mohammed Assaf könnte der Sprung wohl kaum größer sein. Er ist einer der drei Finalisten bei „Arab Idol“, der nahöstlichen Version von „Deutschland sucht den Superstar“. In seiner Heimat fiebern viele Menschen vor dem großen Finale mit dem attraktiven jungen Mann mit der goldenen Stimme.

Die Finalisten singen am Freitagabend, am Samstagabend wird dann der Sieger bekanntgegeben. Assafs Sieg bei der panarabischen Show wäre ein echter Lichtblick im tristen Alltag in dem blockierten Küstenstreifen. Der Hoffnungsträger der Palästinenser, der aus einem Flüchtlingslager in Chan Junis stammt, tritt gegen eine gleichaltrige Syrerin und einen 25-jährigen Ägypter an.

Der Weg des früheren Hochzeitssängers bis zum Finale von „Arab Idol“ klingt wie ein modernes Märchen: Wegen Ausreiseschwierigkeiten an der streng bewachten Gaza-Grenze nach Ägypten kam Assaf viel zu spät zu der Aufnahmeprüfung in Kairo. Er musste über eine Hotelmauer klettern, weil das Eingangstor nach dem abgeschlossenen Registrationsprozess schon wieder verschlossen war. Ein Freund aus Gaza trat Assaf schließlich seinen Platz ab, weil er ihm bessere Erfolgschancen einräumte.

Im Halbfinale trat Assaf als einer von 27 Bewerbern aus allen Teilen der arabischen Welt an. Immer wieder begeisterte der junge Palästinenser die Jury mit seiner Stimme. Der libanesische Sänger Ragheb Alama bezeichnete ihn als „Rakete aus Gaza“. Auf die Frage nach seinem Ziel sagte Assaf während eines Fernsehinterviews aus dem Libanon: „Es ist mein Wunsch, ein arabisches Idol zu werden.“ Er sandte ein Küsschen an seine Fans im Gazastreifen und auf der ganzen Welt. „Ohne Euch wäre ich nie hier.“

Auch im palästinensischen Westjordanland hoffen die Menschen auf Assafs Sieg. Im Stadtzentrum von Ramallah hängen zahlreiche Poster mit seinem Bild. Doch nicht alle Palästinenser sind von Assafs Teilnahme bei „Arab Idol“ begeistert. Die aufreizende Kleidung mancher Teilnehmerin ist strengreligiösen Muslimen ein Dorn im Auge. Ein Sprecher der im Gazastreifen herrschenden radikalislamischen Hamas kritisierte auf seiner Facebook-Seite auch den Namen der Show. „Der Angebetete ist Gott“, erklärte Fausi Barhum. Nach islamischer Auffassung darf ein Mensch nicht als Idol angebetet werden.