:

Klassik kann auch richtig Spaß machen

Bei klassischen Konzerten wird eher selten gelacht. Bei Jennifer Rüth und Anne Folger ist das anders. Die „Queenz of Piano“ mit ihrer Klassik-Show zuallererst unterhalten. Vor ihrem Auftritt in Neubrandenburg sprach Frank Wilhelm mit den Pianistinnen.

F. Groteloh Jennifer Rüth (rechts) und Anne Folger sprengen mit ihrer Show am Piano die Grenzen zwischen Klassik und Pop.

Auf einem Bild sind Sie beim Tischtennis am Flügel zu sehen. Spielen Sie wirklich Pingpong am Piano?

Anne Folger: Am Anfang hatten wir das mal ausprobiert. Aber die Oberfläche ist einfach zu glatt für Tischtennis. Wir bieten aber genügend andere Spiele im Programm.

Welche?

Folger: Es wird eine verkleidete Witwe geben. Auch eine Pistole kommt zum Einsatz.

Jennifer Rüth: Es wird sicher auch lustig, wenn wir uns um den besten Platz am Flügel streiten. Aber mehr wollen wir vorher nicht verraten.

Trotzdem stellen Sie ja relativ viel an mit Ihren Flügeln: Sie spielen auf den Saiten mit einem Milchschäumer, klopfen den Takt auf dem Holz oder interpretieren einen Akkord mit der Po-Backe. Gab es deshalb schon mal Ärger mit dem Klavier-Verleiher?

Rüth: Noch nie. Wir muten den Flügeln, die wir in der Regel am Veranstaltungsort anmieten, aber auch nicht mehr zu als unseren eigenen Instrumenten. Gute Flügel sind sehr robust. Eine Saite beispielsweise hält locker mehr als 30 Jahre durch. Grundsätzlich achten wir natürlich jedes Instrument.

Sie kommen beide aus der Klassik, haben die Musikschule besucht und an diversen Hochschulen studiert. Was sagen denn Ihre ehemaligen Musiklehrer zu Ihrem modernen Programm, das Show und Klassik verbindet?

Folger: Erst vor kurzem war meine erste Klavierlehrerin aus Weimar, bei der ich 18 Jahre Unterricht hatte, im Konzert. Ich wusste vorher, dass sie kommt und war ein bisschen nervös. Sie hat sich aber köstlich amüsiert und war beseelt, weil wir so viele schöne Ideen im Programm haben. Ihre Meinung war mir sehr wichtig.

Rüth: Wir haben immer wieder auch klassische Musiker im Publikum sitzen, die sich in der Regel lobend äußern. Sie freuen sich, dass wir die Klassik modern präsentieren und damit auch wieder junge Leute für klassische Musik interessieren. 

In Ihrem Text zum Programm “Tastenspiele“ heißt es, dass Sie „gekonnt den Spagat zwischen Unterhaltung und anspruchsvoller Musik“ meistern. Haben Sie Angst, dass es Sie bei diesem schwierigen Spagat zerreißen könnte?

Folger: Vor Lachen vielleicht.

Rüth: Natürlich kann es passieren, dass man so großen Komponisten wie Beethoven oder Liszt schadet, wenn man mit ihnen Schabernack treibt. Aber ich glaube, dass das bei uns nicht passiert. Dafür lieben wir die Klassik einfach zu sehr.

Sie gastieren am Sonnabend das dritte Mal in der Neubrandenburger Konzertkirche. Heimatverbunden bezeichnen wir das Haus gerne als schönsten Konzertsaal Norddeutschlands. Was meinen Sie?

Folger: Sie haben Recht. Die Konzertkirche ist einfach grandios. Es ist sehr geschmackvoll, wie die alte Architektur trotz des modernen Konzertsaals gewahrt wurde.

Rüth: Neubrandenburg ist für uns jedes Mal ein Highlight. Wir geben vor anderen Musikern gerne damit an, dass wir wieder hier spielen dürfen.

Bleibt auf einer Tournee überhaupt Zeit, sich den Gastspielort etwas näher anzuschauen?

Rüth: In der Regel nicht: Normalerweise reisen wir nachmittags an, proben, spielen das Konzert und reisen am nächsten Morgen wieder ab. Beim letzten Konzert in Neubrandenburg war meine Mutter aber extra mit dem Zug aus Würzburg zu unserem Auftritt gekommen. Wir waren unter anderem am Tollensesee spazieren.

Folger: Meine Eltern sind auch schon mit nach Neubrandenburg gereist. Wir haben uns die wunderbare Stadtmauer mit den Toren angesehen.