REZENSION

Kluftinger macht den Haushalt und klärt einen alten Fall auf

Der Funkenmord lässt Kommissar Kluftinger nicht in Ruhe.Wie er den löst, das erzählen Volker Klüpfel und Michael Kobr im gleichnamigen Roman.
Buchcover zu „Funkenmord. Kluftingers neuer Fall.”
Buchcover zu „Funkenmord. Kluftingers neuer Fall.” Ulrike Schubel
Neubrandenburg.

Tja, dass Kluftinger, der legendäre Kommissar aus dem Allgäu, an der Bedienung einer Waschmaschine scheitert, ist dem geübten Leser klar. Wäsche sortiert er nämlich nach dem Prinzip „geht grad noch mal”, „nimmer ganz astrein”, „bissle arg dreckig” und „höchste Zeit”. Nichts anderes würde man erwarten, schon gar nicht, dass er wissen könnte, wie’s richtig geht. Schließlich kennt man den Mann ja schon aus etlichen Romanen, weiß, dass seine Frau Erika ihm nicht nur die Hemden bügelt, die Latschen bringt, wenn er nach Hause kommt, selbstverständlich nicht arbeiten geht, dafür den gesamten Haushalt schmeißt und ihm zum Feierabend gerne mal seine geliebten Kässpatzen serviert. Wird halt verwöhnt, der Gute.

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Der Sohn tanzt aus der Reihe

Die klassische Rollenverteilung, so, wie natürlich auch seine Eltern, der alte Kluftinger, der Ex-Dorfpolizist und neuerdings Fremdenführer, und seine Frau es vorleben, aber die wiederum von Sohn Marcus und dessen japanischer Frau Yumiko (gerade Mutter geworden, will aber wieder in den Beruf einsteigen und kann sogar Reifen wechseln) überhaupt nicht mehr praktiziert wird. Da hat der Kluftinger ständig was zum Wundern.Vor allem einhergehend mit „Priml!”, wie der Herr Kommissar in manch aussichtsloser, seltsamer, aber auch überraschender Lage gerne kommentiert.

Kluftinger hat es also nicht so sehr mit der Emanzipation der Frauen, bemüht sich aber, weil er dennoch ein moderner Mann sein will, der immer wieder über die Fallstricke alltäglicher Kommunikation fällt. Nun wird in diesem mittlerweile elften Kluftinger-Roman „Funkenmord” des erfolgreichen Autorenduos Volker Klüpfel und Michael Kobr nicht nur sein hauswirtschafterisches Können (es ist kaum vorhanden, aber die Frau ist krank) auf die Probe gestellt, sondern er muss sich auch um einen 35 Jahre alten Fall kümmern. Der hat es in sich, er selbst hat damals den Täter bei einem Verhör überführt. Doch muss er sich eingestehen, dass der der falsche war. Nicht zuletzt, weil er im Vorgängerroman dem selbigen kurz vor dessen Tod versprochen hatte, für Aufklärung zu sorgen.

Der Kommissar folgt einer kalten Spur

Darum geht’s: Die junge Lehrerin Karin Kruse ist am sogenannten Funkensonntag 1985 an einem Holzkreuz verbrannt worden. Kluftinger, damals blutjunger Polizist, war als einer der ersten am Tatort. Cold Case nennt man das, also erkaltete Spur, die viele Jahre später wieder aufgenommen wird. Ihm zur Seite steht die neue Kollegin, Lucy Beer, die einzige, die viel davon hält, die alte Geschichte aufzurollen. Was dann passiert, rückt nicht nur Kluftingers Leben ein bisschen zurecht, sondern sorgt auch dafür, dass das Leben im Allgäuer Idyll mächtig durcheinander gewirbelt wird.

Wer den eigenwilligen, oft genug polternden Kommissar in den vorangegangenen Romanen verfolgt hat, der wird seinen Spaß auch an diesem Band haben. Neu-Kluftinger-Einsteiger haben aber ebenso ihre Freude. Der Humor kommt natürlich keineswegs zu kurz, der Kriminalfall ist spannend, das Lokalkolorit darf nicht fehlen (wir sind im Oberallgäu, im Kaff Altusried) und macht die ganze Sache erst richtig rund. Und, das darf an dieser Stelle verraten werden, erfährt der neugierige Leser bzw. die neugierige Leserin endlich auch – allerdings buchstäblich zum Schluss – wie das Enkelchen heißt. Überhaupt – das Autorenpaar liebt das Spurenlegen, nicht nur, was den alten Fall betrifft. So wird über mehrere Bände gerätselt, welchen Vornamen Kluftinger überhaupt trägt. Hinweise gibt es reichlich, aber erfahren kann man das erst im zehnten Band.

Autoren kennen sich seit der Schulzeit

Die Autoren Volker Klüpfel und Michael Kobr sind längst keine Unbekannten mehr, ihr liebenswürdiger Held Kluftinger hat sie bekannt gemacht. Laut Klappentext kennen sich die beiden seit ihrer Schulzeit. Der eine (Volker Klüpfel) war nach dem Politikstudium in Bamberg Journalist, der andere (Michael Kobr) nach dem Germanistikstudium in Erlangen Realschullehrer.

 

Volker Klüpfel/Michael Kobr: Funkenmord. Kluftingers neuer Fall, Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin, 2020, 488 Seiten, 22,90 Euro.

 

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