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Körper verraten ihm Wahrheiten

Thorsten Havener tourt als Körperleser durch Deutschland.
Thorsten Havener tourt als Körperleser durch Deutschland.
Heiko Neumann Public Relations

Er ist zu Gast in zahlreichen Fernseh- und Talkshows und tourt mit seiner Show „Der Körpersprache-Code“ durch Deutschland. Thorsten Havener kann die Gedanken anderer Menschen lesen und begeistert damit sein Publikum. Susann Moll sprach mit ihm über sein neues Buch, seine Begabung und wie seine Familien und Freunde damit umgehen.

Es gibt viele Bezeichnungen für Sie: Mentalist, Zauberkünstler, Gedankenleser ... Wie würden Sie sich selbst bezeichnen?

Das ist eine äußerst schwierige Frage. Es gibt tatsächlich keine richtige Schublade. In erste Linie sehe ich mich als Unterhalter. Natürlich ist auch ein bisschen Mentalmagie mit drin, aber ich bin kein Mentalist im klassischen Sinne. Genauso wie die Show sehr witzig ist, ich aber kein Comedian bin. Ich hab meine eigene Showform kreiert und der passendste Begriff für das jetzige Programm, wo sich ja alles um Körpersprache dreht, ist der Begriff Körperleser.

Glauben Sie, dass das jeder kann oder ist das eine besondere Begabung, die Sie haben?

Ich denke, da kommt von allem was zusammen. Das ist, als wenn Sie einen Turner fragen würden: Kann denn jeder einen Handstand-Überschlag lernen? Dann würde der Ihnen sagen: Ja na klar, wenn man genug trainiert, dann kann man das lernen. Aber es funktioniert natürlich besser, wenn man talentiert ist. Ich glaube, dass Fleiß und Ausdauer viel, viel wichtiger sind als Talent.

Gibt es ein Körperteil, aus dem Sie am meisten herauslesen können?

Das kommt immer darauf an, was ich gerade mache. Es gibt Spiele, bei denen achte ich hauptsächlich auf die Füße. Das erzähle ich den Leuten aber nicht. Dann gibt es viele, da achte ich hauptsächlich auf die Augen. Aber eines der Geheimnisse besteht ganz sicher darin, dass man den Zuschauern vorher nicht sagt, worauf man achtet. Dann könnten sie es natürlich kontrollieren.

Gab es mal jemanden, den Sie nicht durchschauen konnten?

Anfangs kam das immer mal wieder vor. Live passiert mir das inzwischen sehr selten. Das letzte Mal, dass ich live jemanden nicht lesen konnte, war in Leipzig – das war Henry Maske. Da hatte ich tatsächlich keine Chance.

Warum?

Henry Maske war schwer zu durchschauen, da keine Veränderungen zu sehen waren. Und das Körperlesen ist immer das Lesen und Interpretieren von Veränderungen.

Ist es für Sie leichter Männer zu durchschauen oder lassen sich Frauen besser lesen?

Das kann man pauschal nicht sagen. Das kommt auf die Person an.

Wann haben Sie selbst denn gemerkt, dass sie sich für Körpersprache interessieren und sie lesen können?

Das ging los mit meinem allerersten Auftritt als Zauberkünstler – da war ich 13. Bei einem Adventsnachmittag in der Kirchengemeinde habe ich Kartentricks vorgeführt. Das ist ziemlich genau 29 Jahre her. Da habe ich gemerkt, dass ich gerne Leute unterhalte und auf der Bühne stehe. Das ist ja letzten Endes die Hauptkompetenz für das, was ich mache.

Ich hab damals schon Tricks gezeigt, bei denen es darum ging, anhand der Körpersprache Sachen herauszufinden. Da wurde zum Beispiel ein Ball versteckt und ich musste mit Hilfe der Körpersprache der Zuschauer herausfinden, wo dieser Ball versteckt ist. Und es hat geklappt. Das war wirklich ein Schlüsselmoment. Ich glaube tatsächlich, dass ich ab diesem Moment für jeden normalen Beruf verloren war.

Hatten Sie sich da schon mit Körperlesen beschäftigt oder konnten Sie das intuitiv?

Ich hatte wenige Monate zuvor angefangen, mich damit zu beschäftigen. Da kommt vielleicht das Talent ins Spiel – ich habe in dieser Zeit bis zum Dezember sehr viel gelernt. Mein ganzes Taschengeld habe ich mir dann als Zauberkünstler verdient, später auch im Studium. Bei diesen wirklich Hunderten, vielleicht sogar Tausenden von Auftritten hab ich gelernt, das Publikum zu lesen. Wen spreche ich als erstes an? Wen hole ich für welches Spiel nach vorne?

Also wurden Sie durch ihre Erfahrungen besser?

Ja.

Sie haben Sprachwissenschaft studiert und sind ausgebildeter Dolmetscher. Hilft Ihnen das bei Ihren Auftritten?

Das hilft mir sehr. Es gibt auch eine riesige Schnittmenge: Ein Dolmetscher macht im Prinzip eine Kommunikation möglich. Letzten Endes mache ich auf der Bühne nichts anderes. Ich bin halt Körpersprache-Dolmetscher. Die Sprachwissenschaften helfen natürlich ungemein, weil so ein Bühnenprogramm ja auch aus ordentlichen Texten besteht.

Die Leute fragen immer, warum sich die Gäste bei mir auf der Bühne so wohl fühlen. Ich glaube, sie fühlen sich aus mehreren Gründen sehr wohl: Sie merken sofort, bei mir geht’s um gute Laune, aber ich mache mich niemals über jemanden lustig. Und ich kann einfach sehr klare Anweisungen geben.

Kommunikation im Alltag ist ja auch nicht immer einfach. Haben Sie irgendwelche Tipps für unsere Leser, wie sie im neuen Jahr erfolgreicher durchstarten können? Oder wie sie eine Gehaltserhöhung beim Chef durchboxen?

Genau das behandelt mein neues Buch „Ohne Worte“. Es geht ganz viel darum, wie man mit seiner Körpersprache andere Menschen und das, was sie über einen denken, beeinflussen kann. Was die wenigsten Leute wissen: Unsere Körpersprache wirkt sich nicht nur darauf aus, was andere von uns denken, sondern auch darauf, wie wir selbst über uns denken und wie wir fühlen.

Das heißt, es hilft tatsächlich, vor einem Gehaltsgespräch eine selbstbewusste Körperhaltung für sich selbst einzunehmen: Kopf nach oben, breiter Stand, Arme auseinander. Eine Studie in Amerika hat gezeigt, dass Leute, die das vor einem Gehaltsgespräch gemacht haben, einfach viel besser verhandeln konnten.

Sie können aus Erfahrung sprechen. Gibt es auch Nachteile, wenn man die Körpersprache anderer lesen kann und dafür auch noch bekannt ist?

Die Frage wird mir recht häufig gestellt. Ich kann nur sagen: Nö, ich hab bisher noch keinen Nachteil davon gehabt.

Also ist Ihnen noch niemand begegnet, der Ihnen mit Vorbehalten oder gar Angst gegenübergetreten ist?

Das passiert natürlich immer wieder, aber die Leute merken sehr schnell, dass von mir wirklich keine Gefahr ausgeht. Privat bin ich ja auch ein bisschen anders als auf der Bühne und habe nicht ständig alles im Fokus. Das wäre ja grässlich! Mit so jemanden will man sich ja gar nicht umgeben.

Also deuten Sie Familie und Freunden nicht ständig. Machen Sie das aber nicht schon unbewusst?

Ja klar, unbewusst schon und das kriegt man auch nicht weg. Das bedeutet aber nicht, dass ich alles kommentiere, was ich bemerke. Sehr oft sehe ich was, kann das aber gut für mich behalten. Das wäre ja sonst nervig. Stellen Sie sich vor, sie wären mit jemandem zusammen, der ständig kommentiert, was Sie machen. Das will ja kein Mensch.

Sie sind ein Familienmensch und haben drei Kinder. Trauen die sich ihren Papa
anzuschwindeln oder glauben sie, dass der das gleich durchschaut?

Das ist tatsächlich so. Da ist es sehr nützlich.

Haben Sie denn Tipps für Eltern, wie man es erkennt, wenn die Kleinen flunkern?

Das kann man in einem Satz schwer beantworten. Das steht alles in meinem Buch. Das ist auch Interpretationssache, keine Wissenschaft.

Sie verraten in Ihrem Buch ja schon einiges. Haben Sie keine Angst Ihre Tricks preiszugeben?

Nein, überhaupt nicht. Ich entzaubere meine Show ja überhaupt nicht. Ich geb einfach Menschen Tipps, wie man im Alltag besser zurechtkommt. Und ich bin der Meinung, je mehr Menschen von diesen Dingen wissen, desto einfacher wird es, für alle miteinander umzugehen. Es ist viel zu wertvoll, als dass man es irgendwo versteckt. Das ist ja auch kein Geheimwissen. Ganz im Gegenteil: Ich glaube, die Show wird sogar spannender, je mehr man darüber weiß.

Glauben Sie, dass es durch diese Verbindung mit Unterhaltung attraktiver für die Leute wird, sich mit Körpersprache zu beschäftigen?

Ganz bestimmt.

War das auch Ihre Intention?

Also meine Intention war es eigentlich, Menschen dieses Wissen unterhaltsam und locker rüberzubringen.

Gibt es denn einen Trick, den Sie mit mir übers Telefon machen können?

Nee, leider nicht. Körpersprache am Telefon, das ist wie Pantomime im Radio. Das funktioniert nicht.