ANTISEMITISMUS-VORWÜRFE

Kollegah und Farid Bang: Jung, brutal, zu weit gegangen?

Vor der Echo-Verleihung am Donnerstag wird heftig über eine Textzeile der zwei nominierten Rapper Kollegah und Farid Bang diskutiert.
dpa
Die Rapper Kollegah (links) und Farid Bang werden wegen einer Textstelle auf ihrem Album "Jung, brutal, gutaussehend 3" kritisiert.
Die Rapper Kollegah (links) und Farid Bang werden wegen einer Textstelle auf ihrem Album „Jung, brutal, gutaussehend 3” kritisiert. Andreas Gebert/Ursula Düren
Berlin.

Bei der diesjährigen Echo-Verleihung könnte die Frage nach den Grenzen künstlerischer Freiheit im Mittelpunkt stehen. Trotz heftiger Kritik an einem ihrer Texte und Antisemitismusvorwürfen bleiben die Rapper Kollegah und Farid Bang für die Verleihung an diesem Donnerstag in zwei Kategorien nominiert.

Es handele sich um einen „absoluten Grenzfall”, erklärte der unabhängige Ethik-Beirat des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI), der die Preise auch in diesem Jahr in Berlin vergibt, nach seiner Entscheidung. Die künstlerische Freiheit sei in dem Text „nicht so wesentlich übertreten”, dass ein Ausschluss gerechtfertigt wäre.

Streit um "0815”-Zeile

Doch auch nach der Entscheidung des Beirats dürfte die Diskussion nicht beendet sein. Die Debatte werde „voraussichtlich auch ein Thema in der Sendung sein”, erklärte Echo-Geschäftsführerin Rebecka Heinz. In welcher Form, sei noch unklar. Nach einem Jahr Pause wird die 27. Verleihung des Musikpreises wieder live im Fernsehen übertragen (Vox, 20.15 Uhr). Zuletzt war 2013 die Band Frei.Wild nachträglich von der Nominierungsliste gestrichen worden. Ihr wurde eine Nähe zur rechten Szene vorgeworfen.

Im Zentrum der Vorwürfe gegen Kollegah und Farid Bang steht die Textzeile „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen” aus dem Song „0815” der beiden Musiker. Nach einem Bericht der „Bild”-Zeitung und Kritik von Auschwitz-Überlebenden hatte der Beirat seine Untersuchung begonnen. Farid Bang entschuldigte sich auf seiner Facebookseite für mögliche Verletzungen und betonte, Kollegah und er würden sich von „jeglicher Form des Antisemitismus oder Hass gegen Minderheiten” distanzieren.

Internationale Stars angekündigt

Einer generellen Veränderung der Auswahl der Nominierten, um ähnliche Vorfälle zu vermeiden, steht Rebecka Heinz allerdings skeptisch gegenüber. „Der Echo ist seit seiner Entstehung ein Publikumspreis, bei dem abgebildet wird, welche Künstler im vergangenen Jahr am erfolgreichsten waren.” Diese Anforderungen erfüllen die beiden Rapper mit ihrem gemeinsamen Album „Jung, brutal, gutaussehend 3” genauso wie alle anderen Nominierten.

Als internationale Stars haben sich die Pop-Ikone Kylie Minogue, die britische Sängerin Rita Ora und der ehemalige Boyband-Sänger Liam Payne für Auftritte angekündigt. Auch Mark Forster und Gentleman sowie Rea Garvey und Kool Savas sollen das Publikum begeistern.

Der Echo wird in 22 Kategorien mit jeweils 5 Nominierten vergeben. Für die Nominierung sind die Verkaufszahlen entscheidend. Bei der Preisvergabe fließt aber seit dem letzten Jahr das Votum einer rund 500-köpfigen Fachjury zu 50 Prozent in das Ergebnis ein.

zur Homepage