Buchcover Klüpfel/Kobr: Affenhitze
Buchcover Klüpfel/Kobr: Affenhitze Ulrike Schubel
Provinz-Krimi

Kult-Kommissar Kluftinger undercover unterwegs

Kommissar Kluftinger muss neben aller Hochachtung für die Forschung einen Mordfall aufklären. Nachzulesen in „Affenhitze” des Autorenduos Klüpfel/Kobr.
Neubrandenburg

Es grenzt an ein Wunder, dass Kult-Kommissar Kluftinger überhaupt jemals einen Fall aufgeklärt hat. Und nun auch noch als Interims-Polizeipräsident von Kempten tätig sein darf. Aber seit etlichen Krimis des Autorenduos Klüpfel/Kobr löst der Mann aus dem Allgäu, im besten Alter, Familienvater und mittlerweile Großvater, die verzwicktesten Rätsel. Dabei scheitert er an den banalsten Aufgaben des Alltags, sei es das Bestücken der Waschmaschine oder das Schmücken des Weihnachtsbaums (nachzulesen in „Funkenmord” und im Weihnachts-Spezial „Morgen, Klufti, wird’s was geben”). Ohne seine Frau Erika, selbstverständlich clevere Hausfrau, wäre er daheim vollkommen aufgeschmissen. Auch im Büro hat er es vor allem seinen Mitarbeitern zu verdanken, dass er nicht ganz und gar untergeht – was die moderne Technik betrifft.

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In der Sommerhitze auf Mörderjagd

Nun das 12. Kapitel über den Ermittler aus dem Allgäu, der diesmal den Mord an einem Paläontologen in der Tongrube Pforzen aufklären soll, nebenbei auf Facebook jede Menge Follower gewinnt und sich auf Doktor Langhammers Drohnen-Experiment einlässt. Der Titel „Affenhitze”, der den neuesten Kluftinger-Coup beschreibt, ist natürlich vieldeutig. Zum einen muss die Mannschaft um den Allgäuer Ermittler tatsächlich in prächtigster Sommerhitze dem Mörder hinterherjagen, zum anderen geht es um einen Urzeit-Affen, der den schönen Namen Udo trägt, des aufrechten Ganges fähig war und dessen Knochen versteinert bei einer Ausgrabung in der Tongrube gefunden wurden. Sein Entdecker, mit dem das Primaten-Skelett den Vornamen teilt, Professor Brunner, hätte sich so gern in aller Berühmtheit gesonnt. Kann er aber nicht, denn seine Leiche wird in der Grube gefunden, gerade, als sich Politprominenz auf der Ausgrabungsstätte sehen ließ.

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Genug Verdächtige

Nun legt Kluftinger los – Verdächtige gibt es genug: Brunners Kollegen, den Tongruben-Betreiber, eine seltsame Sekte, die sich in der Nähe angesiedelt hat und bei der er schließlich undercover tätig sein wird. Nebenher beschattet der Kommissar auch noch die Tagesmutter seiner Enkeltochter, Sohn und Schwiegertochter sind ihm einfach zu neumodisch, die Erziehungsmethoden zu suspekt. Seine Gemütslage reicht mal wieder von „Priml” bis „Herrschaftszeitenzefixnochmal”. Da spürt man doch gleich, dass auch seine Autorenväter so richtig Spaß am Mundarteln haben. Und – nebenbei bemerkt – überdies total verliebt in die Idee sind, dass das Allgäu als Katalysator die Evolution des Menschen beschleunigt haben könnte. Deshalb schreiben sie im Nachwort wohl auch: „Zwar wussten wir Allgäuer es lange nicht, aber irgendwie, tief in uns drin, hatten wir schon immer so eine Ahnung, dass wir in der Menschheitsgeschichte eine besondere Rolle einnehmen. Nun haben wir es schwarz auf weiß: Wir haben den aufrechten Gang erfunden! Ohne uns würde die Menschheit auf allen Vieren durchs Leben kriechen, was den Alltag doch erheblich erschweren würde. Bitte schön, gern geschehen!” Natürlich gönnen wir den beiden diesen schriftstellerischen Kniff, klar. Sie haben sich ja auch recht tief rein gekniet in die Menschheitsgeschichte und die dazugehörige Wissenschaft. Dass sie dabei das Gelernte auch ausführlich an ihre Krimi-Leser weitergegeben und damit ein paar Langweiler-Zeilen produziert haben, sei ihnen verziehen. Dafür ist die Komposition ihres Provinz-Krimis schön chronologisch, ohne Schnörkel. Es lässt sich gut schmökern. Allerdings hätte man sich – bei aller Komik – doch gewünscht, dass auch Kluftinger eine Evolution, quasi eine Entwicklung hin zum modernen Mann genommen hätte. Potenzial hat er ja – mit Sicherheit.

Autorenduo schreibt schon lange gemeinsam

Das Autorenduo Volker Klüpfel und Michael Kobr fabulieren nicht nur über Kluftinger, sondern haben auch laut Verlag einen Urlaubsroman mit dem Titel „In der ersten Reihe sieht man Meer” und den Thriller „Draußen” verfasst. Sie kennen sich seit Jahren, Kobr hat als Realschullehrer gearbeitet, Klüpfel war Journalist, bevor sie sich ganz und gar dem Schreiben von Romanen widmeten.

 

 

 

 

Klüpfel/Kobr: Affenhitze. Kluftingers neuer Fall, Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin, 553 Seiten, 24,99 Euro.

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