Bauchfrei und Faltenrock

Kuschelige Mode für kalte Tage

Erinnerungen an die 2000er-Jahre sind jetzt im Trend. Und Naturtöne spielen im Herbst und Winter eine große Rolle. Doch auch Haut wird gezeigt.
Die Mode ist schlicht, zum Beispiel mit Cashmerebeige.
Die Mode ist schlicht, zum Beispiel mit Cashmerebeige. picture alliance/dpa/Toni PR
Berlin

Bereit für etwas mehr vom früheren Alltag? Die Frauenmode ist es zumindest. Denn eine der bemerkenswerten Entwicklungen in den neuen Herbst- und Winterkollektionen ist, dass die Mode für den Alltag und die Mode für den Abend sich wieder deutlich voneinander unterscheiden.

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„Ausgehen ist wieder etwas Besonderes geworden, und dementsprechend kleiden wir uns auch so“, erläutert Carl Tillessen, Chef-Analyst des Deutschen Modeinstituts in Köln. Das war schon länger nicht mehr so eindeutig der Fall. Auch schon vor der Pandemie war es in vielen Großstädten total üblich geworden, mit der legereren Alltagskleidung in Restaurants und Bars, selbst in viele Klubs, Konzerthäuser und Philharmonien zu gehen. Nun aber befinden wir uns in einer Phase, in der wir wieder schätzen, was es heißt, auszugehen – und viele wollen dafür schick sein.

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Die Tagesmode sei demnach entspannt und lässig, am Abend aber seien sogenannte Bodycon-Dresses angesagt, erklärt der Modeanalyst Tillessen. Also figurbetonte, schmale Kleider, die an die 1990er- und 2000er- Jahre erinnern. „Dabei zitiert die Mode klar die TV-Serie ‚Sex and the City’, bis hin zu den Marken, die durch diese Kultstatus erlangten wie etwa Manolo Blahnik oder Hervé Léger“, so der Experte.

Es darf auch gerne mal ein Faltenrock sein

„Reminiszenzen an die 2000er-Jahre findet man allerdings nicht nur am Abend“, berichtet Ilka Müller-Winkelmann, Stilberaterin aus Schildow bei Berlin. „Vor allem in der jungen Mode sieht man immer wieder Anklänge an diese Dekade, seien es bauchfreie Oberteile zu extrem tief geschnittenen Hüftjeans, wilde Muster oder Pullunder. Auch die Kombination von Collegejacken zu Plissee- oder Faltenröcken folgt diesem Trend.“

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Das klingt wild, bunt und schrill, nach den poppigen 2000er-Jahren eben. Aber jeder Trend hat einen Gegentrend. „In den vergangenen Jahren war die Mode sehr plakativ, bisweilen auch laut. Jetzt schwingt das Pendel in die entgegengesetzte Richtung“, sagt Trendanalyst Carl Tillessen. „Die Mode wird leiser, dezenter und in vielen Trends auch schlichter.“

Auch die „neue Naturverbundenheit“ wird laut Tillessen wichtiger. Dies habe mit dem Lockdown zu tun, in dem man vermehrt draußen unterwegs war, und beziehe sich nicht nur auf Farben und Materialien, sondern auch auf das gesamte Erscheinungsbild. „Auch bei diesem Trend stand eine TV-Serie Pate. ‚The Crown’ hat den englischen Country-Look in der edlen Version salonfähig gemacht“, so der Modeexperte.

Bei diesem Trend geht es auch um Materialien, die mit zunehmendem Gebrauch immer schöner werden. „Im Japanischen gibt es für diese Ästhetik den Namen Wabi-Sabi. Ein Wort, das sinngemäß die Schönheit des Unvollkommenen bedeutet“, sagt Tillessen. „In diese Kategorie fallen beispielsweise Jeans.“

Auch die Farben des Modeherbst 2021 spiegeln dies wider. Neben Grün sind das vor allem Wolltöne wie Cashmerebeige und viele Braun-Nuancen.Trotzdem: Zu angesagten Farben gehören auch Blau, Rot und Grün „in allen Varianten der jeweiligen Skala“, sagt Trendberaterin Milena Georg aus Ulrichstein (Hessen). „Also von kräftigen Nuancen bis hin zu zarten Pastellen.“ Für Georg macht diese Bandbreite das Kombinieren leicht, denn das angesagte Ton-in-Ton lasse sich so einfach umsetzen.

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