Beim Balkan-Punk der Österreicher von „Roy de Roy“ wurde der Burgrasen in Klepenow betanzt und das erste Transit-Festival kam so richtig in Fahrt.
Beim Balkan-Punk der Österreicher von „Roy de Roy“ wurde der Burgrasen in Klepenow betanzt und das erste Transit-Festival kam so richtig in Fahrt. Ralph Schipke
Transit-Festival

Lagerfeuerromantik bei Swing, Groove und „Krach“

Ein Festival muss wachsen. Das „Transit“ hat auf jeden Fall Potential. Die Auswahl der sechs Bands, die zum Auftakt der neuen Musik-veranstaltung spielten, gelang den Organisatoren. An anderen Stellen könnte bis zum nächsten Jahr noch nachgebessert werden.
Burg Klempenow

Ganz maritim mit Piratenliedern startete die Mädchenband „The Hinking & Sinking Ladies“ in das erste Transit-Festival. Das Quartett hatte die schwere Aufgabe, gegen die pralle Sonne anzuspielen, die am Nachmittag noch voll auf Burghof und Bühne herunter knallte. Überhaupt scheinen Musikfestivals bei schlechtem Wetter besser zu laufen, egal ob sie nun in Woodstock oder in Neustrelitz („Immergut“) stattfinden.

Zu den Nachmittagsauftritten in Klempenow war das Publikum noch sehr überschaubar. Obwohl die Gegebenheiten am Tollenseufer gerade bei Sommerwetter alles bieten, was das Herz begehrt: Kühle Getränke aus Stall-Schenke und Burg-Café, Paddelstation zum körperlichen Ausgleich und erfrischendes Badewasser im Fluss. Nicht überraschend, dass die Mädels auf der Bühne zur Halbzeit ihres Auftritts die Frage ins Publikum stellten, ob jetzt eine Badepause angebracht sei? Die auf der Wiese gemütlich lagernden Zuhörer wollten aber mehr Musik. Und bekamen sie dann auch.

Zweite Abteilung: Paul Kamp aus Greifswald

Songwriter Paul Kamp aus der nahen Hansestadt trug gefällige Balladen vor, die zum Teil den maritimen Auftakt der „Ladies“ aufgriffen, zum anderen Teil von Seelenleid und Liebesglück erzählten. Leichte Kost bei Sonnenschein, die vom Publikum gern angenommen wurde. Leider sorgte der Sänger durch einen überlangen Soundcheck für Unmut und Zeitverzug, der dann die Veranstalter zusätzlich zum knallenden Planeten etwas ins Schwitzen brachte.

Die dritte Combo „Strombirds“ warf dann die Blues-Rock-Lokomotive an. Der Rasen wurde langsam voller. Endlich schwangen auch die ersten die Tanzbeine.

Nicht alles lief nach Plan

Beim Programmieren ihres kleinen, feinen Festivals müssen die vier Veranstalter noch vieles lernen. Da die Einnahme-Ausgabe-Rechnung wahrscheinlich nur knapp aufging, wäre es beinahe „halt eine etwas teurere Party geworden“, wie Mit-Organisatorin Undine Spillner die am Nachmittag noch reichlich freien Plätze im Transitbereich des Burghofes gelassen kommentierte. Wer auf dem Wasserweg anreiste, musste nicht einmal Eintritt zahlen. Auch da müssen die Festivalmacher noch fürs folgende Jahr lernen.

Doch je später der Abend… Die „Stormbirds“ verkündeten im Klassiker „Bakerman“ dann „The night train is coming“ und „Slow down (Slow down), relax (Relax)” und gaben so die Losung der ganzen Veranstaltung von der Bühne aus bekannt. „Rider‘s Connection“ legten dann immer weiter zu. Zum Beispiel jubilierten die Berliner mit dem zum Reggae verschliffenen Louis-Amstrong-Klassiker „What a Wonderful World“.

„Roy de Roy“ rockt die Tanzwiese

Noch immer war es viel zu früh für ein „Lalelu, nur der Mann im Mond schaut zu“. Familien mit Kindern tummelten sich bis nach dem Einbruch der Dunkelheit auf der Burg-Wiese. Und das Auf- und Dableiben lohnten sich.

Mit den aus Österreich am weitesten angereisten „Roy de Roy“ wurde die Tanz-Wiese erst so richtig voll und der familiäre Musik-Nachmittag fand seinen Höhepunkt mit „Krach“ aus Greifswald. Wobei der Bandname keineswegs Programm war. Die Hansestädter setzten mit swingigen Bläsersätzen und kräftigen Grooves zum Ausflippen den grandiosen Schlusspunkt des Abends, der am Lagerfeuer mit aufgelegter Musik wahrlich ausklang. Das Publikumsziel von 170 verkauften Karten dürfte knapp überboten worden sein. Hoffentlich gibt es eine zweite Auflage.

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