Rezension

Laufschuhe an, Tracker ran – und das Grauen beginnt

„Die Karte” heißt der neue Thriller von Andreas Winkelmann. Worum es geht? Um Mord natürlich. Und zwar diesmal in einem Milieu, das eigentlich für Lebenslust und Gesundheit steht.
Buchcover Andreas Winkelmann „Die Karte”
Buchcover Andreas Winkelmann „Die Karte” Ulrike Schubel
Neubrandenburg

Wer gerne joggt, sollte diesen Krimi besser nicht lesen. Oder vielleicht gerade doch. Denn was Andreas Winkelmann in seinem neuen Thriller „Die Karte” beschreibt, lehrt passionierten Läufern nicht nur das Fürchten, sondern lässt sie weniger zur Begleittechnik greifen. Hier geht es nämlich auch um Transparenz, um Datenschutz und darum, inwieweit Privatsphäre gar nicht mehr so privat ist, seit die digitale Welt existiert. Der Daten produzierende Mensch hinterlässt Spuren, wird ausspioniert durch Geräte, die den Alltag eigentlich bequemer machen sollen.

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Perspektivwechsel macht es spannend

Fitness-Tracker beispielsweise kennt wohl fast jeder Jogger. Ein Gerät mit einer App, die genau aufzeichnet, wie viele Kilometer wo mit welchem Schwierigkeitsgrad geschrubbt worden sind und mit deren Hilfe man sich auch innerhalb einer Community vergleichen kann. Alles sicher, oder was? Genau darum dreht sich die Geschichte, mit der sich Inspektor Jens Kerner und seine Partnerin Rebecca Oswald herumschlagen müssen. Eine Joggerin, die junge Anwältin Eva, ist mitten in Hamburg brutal ermordet worden. Ihre Lebensgefährtin Laura Windmüller hat kurz zuvor den Satz „Ihr läuft die Zeit davon” über die Begleit-App geschickt bekommen – eindeutig nicht von Eva geschrieben. Wer war es dann? Um das zu erfahren, müssen die Leser nicht nur der anstrengenden Ermittlung von Jens Kerner folgen, sondern auch tief in die Vergangenheit einiger Figuren eintauchen.

Während man mit dem Inspektor mitfiebert, verfolgt man gleichzeitig die Aktivitäten des Täters, sieht seinen potenziellen Opfern über die Schulter und hofft, dass der mörderische Kelch an ihnen vorbeigehen möge. All das leistet der Autor durch ständigen Perspektivwechsel. Natürlich weiß der Leser immer ein bisschen mehr als Ermittler Jens Kerner, dessen Liebesleben ebenfalls eine Rolle spielt, aber wer wirklich für all die Grausamkeiten verantwortlich ist, erfährt man erst kurz vor Schluss. Überraschende Wendungen hat Andreas Winkelmann natürlich programmiert, bis schließlich klar ist, wer hinter dieser Verbrechensserie steckt. Und Anwältin Eva ist beileibe nicht die einzige, die ihr Leben verliert.

Nicht der erste Fall

Der Roman ist bereits der vierte in der Kerner/Oswald-Reihe, aber es macht nichts, wenn man die vorherigen nicht gelesen hat. Der Fall an sich ist abgeschlossen, Vorwissen zu den Ermittlern wird behutsam eingestreut. Autor Andreas Winkelmann ist in Norddeutschland zu Hause, lebt laut Verlag bei Bremen und hat ein Faible für Aktivitäten in der Natur wie Wandern oder Fischen.

Andreas Winkelmann: Die Karte, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Hamburg, 2021, 12 Euro, 382 Seiten.

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