REZENSION

Logbuch garantiert Abenteuer-Träume

Für den Band „Logbuch – Schiffe, die Legenden wurden” hat Lucia Jay von Seldeneck 27 Schicksalsgeschichten ausheckt. Kongenial befeuern die maritimen Illustrationen von Florian Weiß die Phantasie.
Lucia Jay von Seldeneck/Florian Weiß: Logbuch – Schiffe, die Legenden wurden. Kunstanstifter Verlag, Mannheim, 202
Lucia Jay von Seldeneck/Florian Weiß: Logbuch – Schiffe, die Legenden wurden. Kunstanstifter Verlag, Mannheim, 2020. Kunstanstifter Verlag
Neubrandenburg.

Freut euch, ihr landrättischen Leser! Der Boden unter euren Betten könnte ins Wanken geraten. Die Empfehlung: Die Storys des exzellent gestalteten Bandes „Logbuch – Schiffe, die Legenden wurden“ in kleiner Dosis zu sich nehmen. Jeweils zwei, maximal drei, kurz vor dem Einschlafen. Und es werden sich aufregende Träume einstellen. Von einer Flucht mit der/dem Liebsten im „Lucia“-Fischerboot auf dem Comer See, von einer Fahrt mit Jule Vernes fiktivem Super-U-Boot „Nautilus“ oder auf Kolumbus‘ Flaggschiff, der „Santa Maria“. Ab ins Abenteuer!

Die Berliner Autorin Lucia Jay von Seldeneck hat 27 Geschichten ausgeheckt, die auf reizvollen Um- und Abwegen Menschenschicksale mit berühmten Schiffen aus aller Herren Länder verbinden. Feine und fesselnde Erzählungen. Es geht durch die Jahrhunderte, das Zwanzigste erweist sich als besonders ergiebig.

Kongenial befeuern atmosphärische Illustrationen von Florian Weiß die Phantasie. Ganzseitige Seh-Stücke. Seine detailvernarrten Bilder von stolzen und gescheiterten Seglern, prächtigen Steamern, Geister-, Tauch-, Schmuggler-, Modell-, Piraten- und Flugschiffen, von Luxuslinern und Wracks, Heyerdahls „Kon-Tiki“-Floß und sogar Gagarins Weltall-Wostok bestehen aus Tausenden blaugrauer Punkte. Was an Tattoo-Kunst denken lässt und dem großformatigen Band einen bibliophilen Touch verleiht.

Keine Jack-Sparrow-Albernheiten

Ob historisch verbürgt oder ausgedacht – im Fokus der episodischen Texte: Eher randständige Leute denn „Promis zur See“. So die kauzige Kerzenmacherein Leya, die den Untergang des Schwedenschiffs „Vasa“ auf der Jungfernfahrt 1627 prophezeit hat. Oder das sowjetische Fräulein Natalja, das sich 1961 in einen Waldarbeiter verguckt, weil der dem ersten Erdumrunder Juri Gagarin unsagbar ähnelt. Zu Wort kommt ein um seine Zukunft bangender US-Anwalt, er ist 1839 Verteidiger der des Mordes angeklagten Sklaven nach der Meuterei auf der „Amistad“. Ein kubanischer Greis, Gregorio, steht in dem Ruf, das Modell für Hemingways Fischerboot-Novelle „Der alte Mann und das Meer“ gewesen zu sein und dient Touristen – freiwillig und unfreiwillig – als Attraktion. Und: Wie empfindet 1914 der als blinder Passagier an Bord des Forschungsschiffs „Endurance“ gelangte Junge, als das Forschungsschiff im ewigen Eis festsitzt?

Das Duo von Seldeneck/Weiß stellt bei rauer See sensible Fragen, die Jack-Sparrow-Albernheiten ausschließen. Die Vielfalt ihrer Erzähl- und Illustrationsansätze lässt staunen. Dieses Buch vermag einiges: Es unterhält mit Anspruch, Fakten und Fiktion. Es macht klüger, die Leinen los und die Leser zu seiner Crew.

Lucia Jay von Seldeneck: Logbuch – Schiffe, die Legenden wurden. Kunstanstifter Verlag, Mannheim, 2020. Mit Illustrationen von Florian Weiß. 116 Seiten, 24 Euro. ISBN 978 – 3 – 942795 – 84 – 5.

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