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Lone Ranger - Ein Gespräch mit Titelheld Armie Hammer

Das klang für mich nach einem Selbstläufer.

Armand Douglas „Armie“ Hammer zählt zu Hollywoods neuen Hoffnungsträgern. Der 26-jährige erregte mit der Doppelrolle der Winklevoss-Zwillinge in David Finchers „The Social Network“ die Aufmerksamkeit der Filmindustrie. Als Märchenprinz in „Spieglein, Spieglein“ zog der Hüne mit dem jungenhaften Charme ein vorwiegend weibliches Publikum in seinen Bann. In der großangelegten Western-Actionkomödie „Lone Ranger“, die auf populären Radio- und Fernsehserien mit 80-jähriger Tradition basiert, ist Armie Hammer nun in der Titelrolle zu erleben. Regie führte Gore Verbinski („Fluch der Karibik“), Johnny Depp spielt Tonto, den indianischen Freund des Rangers.

Mr. Hammer, wie wurden Sie zum „Lone Ranger“?

Ich hatte davon gehört, dass Gore Verbinski diesen Film plant und Jerry Bruckheimer der Produzent sein wird. Johnny Depp hatte bereits unterschrieben. Das klang für mich nach einem Selbstläufer. Ich durfte zu mehreren Vorsprechen antreten. Am Schluss saß ich mit Gore auf dem Balkon seines Büros. Wir rauchten Zigarren und tauschten uns über unsere Lieblings-Filmklassiker aus. Gore fühlte mir offensichtlich auf den Zahn. Dann fragte er: „Also, möchtest Du diesen Film machen?“. Ich entgegnete sofort: „Ist das rechtsverbindlich? Ja, ich will! Absolut!“.

Kannten Sie den „Lone Ranger“ bereits?

Eigentlich war er vor meiner Zeit populär. Trotzdem hatte ich eine vage Ahnung von diesen Geschichten, hauptsächlich durch meinen Vater, der ein großer Fan gewesen war. Wenn der „Lone Ranger“ auf dem Bildschirm erschien, holte er mich sofort und sagte, ich soll mir das anschauen: „Das ist der „Lone Ranger“, der Gute. Und das ist Tonto, sein bester Kumpel.“

Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit Johnny Depp?

Er ist sehr großzügig und jederzeit für seine Kollegen ansprechbar. Ein Schauspieler seines Kalibers müsste nur seine eigenen Szenen abliefern und könnte sich dann verkrümeln, während er für seine Kollegen von einem Stand-In gedoubelt wird. Doch das war hier nie der Fall, nicht ein einziges Mal. Selbst wenn Johnny gar nicht spielen musste, blieb er am Drehort und unterstützte uns. Er kannte die Namen jedes Crew-Mitglieds: „Hey Bob, wie geht es Deinem Sohn?“. Er ist einfach nur ein netter Mensch, er ist sehr belesen und spielt super Gitarre. Es gab wunderbare Nächte im Canyon, nach Drehschluss, ein Feuer brannte und wir spielten zusammen den Blues. Spektakulär. Wir hatten definitiv eine Menge Spaß. Manchmal war es schwierig, eine Szene in den Kasten zu kriegen, ohne dass einer von uns beiden einen Lachanfall bekommen hat.

Gore Verbinski meinte, dass in Ihnen rein gar nichts Negatives steckt und dass Sie immer optimistisch bleiben. Wie wird man in Hollywood nicht zynisch?

Ich kann furchtbar zynisch sein, auf der anderen Seite kämpfe ich hart dagegen an. Das Leben kann immer schön sein, es hängt ganz von dem Blickwinkel ab, aus dem du es betrachtest. Siehst Du das Glas als halb voll oder als halb leer? Oder schätzt du dich einfach glücklich, dass du Wasser hast? Der Beruf des Schauspielers, dem ich nachgehe, ist wunderbar. Ich wollte diesen Job schon immer und ich hatte das Glück, bis hierher zu kommen. Es ist schwer, zynisch oder abgebrüht zu sein, wenn man mit sich selbst so im Reinen ist.

Haben Sie einen Karriereplan geschmiedet?

Nein. Wenn du Gott zum Lachen bringen möchtest, erzähle ihm von deinen Plänen. Ich habe nichts geplant. Und ich hätte schon gar nicht zu hoffen gewagt, dass ich den „Lone Ranger“ spielen würde. Ich hatte das große Glück, dass man mir all diese Chancen eingeräumt hat.

Haben Sie schon immer von einer großen Filmkarriere geträumt?

Nein. Aber ich habe immer davon geträumt, Filme zu machen. Als Kind waren Filme  meine Fluchtmöglichkeit. Ich bin auf einer Insel aufgewachsen, da blieben nicht allzu viele Beschäftigungsmöglichkeiten. Am Wochenende ist man ins Kino gegangen und schon war man nicht mehr auf dieser Insel gefangen.

…diese schrecklichen Cayman-Inseln, die wirklich die Hölle gewesen sein müssen.

(lacht) Es ist trotzdem schön, sich eine Auszeit zu nehmen und sich auf einem Asteroiden oder in der Vergangenheit wiederzufinden. Glauben sie mir, das Inselfieber ist eine sehr reale Sache und es befällt beinahe jeden. Deshalb haben wir den Caymans auch den Rücken gekehrt. Irgendwann sagte meine Mutter, sie müsse diesen Felsen verlassen, egal, ob wir mitkommen oder nicht. Natürlich sind wir mitgekommen.

Erinnern Sie sich noch daran, wann Sie sich zum ersten Mal für den Beruf des Schauspielers interessiert haben?

Ich war elf Jahre alt und hatte ein großes künstlerisches Vorbild. Ich habe „Kevin allein zu Haus“ mit Macaulay Culkin gesehen. In der Nacht darauf habe ich davon geträumt, dieser Junge in dem Haus zu sein, mit dem Spielzeuggewehr und der Lötlampe. Ich wollte das Haus verteidigen. Ich wachte morgens auf und hatte den Job gefunden, der den größten Spaß auf Erden versprach. Dieses Gefühl hat mich nie mehr verlassen.

Wird das Westerngenre durch „Lone Ranger“ neue Impulse bekommen?

Ich weiß nicht. Für mich fühlt sich dieser Film nicht wie ein Western an, auch wenn er zur entsprechenden Zeit und an einem entsprechenden Ort spielt. Es stecken so viel Action, Komödie und Abenteuer in dieser Geschichte. Und es gibt sogar eine Romanze. Viele verschiedene Genres fügen sich zu einem Film zusammen. Man bekommt für sein Eintrittsgeld definitiv etwas geboten. Es ist aber nicht so, dass ich das Western-Genre nicht lieben würde. Ich würde mich sehr freuen, wenn es nun auflebt.

Wird es eine Fortsetzung von „Lone Ranger“ geben?

Es hängt davon ab, wie gut dieser Film läuft. Letztendlich ist Disney ein multinationales Konglomerat, das mit seinen Geschäften Geld verdienen will. Wenn dieser Film nicht genügend Profit abwirft, wird man sich sagen: „Wow, das hat wirklich Spaß gemacht. Was haben wir sonst noch?“.

Warum möchten Sie nicht in „50 Shades of Grey“ mitspielen? 

Wissen Sie, das ist einfach nicht mein Ding. Ich fühle mich in meiner Ehe sehr wohl und möchte nicht, dass meine Frau Mordgedanken hegt.

War es Ihnen erlaubt, die Maske des „Lone Ranger“ zu behalten?

Es war mir nicht gestattet. Mehr sage ich nicht dazu. (lacht).