KLEINE INSTRUMENTENLEHRE

Mächtig gewaltig - die Orgel

In unserer Instrumentenserie stellen wir heute die Orgel vor. Für Christian Stähr (43), Kantor der Kirchgemeinde St. Johannis in Neubrandenburg, ist die Königin der Instrumente das absolute Lieblingsinstrument.
Frank Wilhelm Frank Wilhelm
Kantor Christian Stähr an seiner Orgel in der Neubrandenburger Johanniskirche.
Kantor Christian Stähr an seiner Orgel in der Neubrandenburger Johanniskirche. Frank Wilhelm
Ein Blick ins Innere der Orgel der Johanniskirche.
Ein Blick ins Innere der Orgel der Johanniskirche. Frank Wilhelm
Christian Stähr zeigte eine der kleinsten Pfeifen der Orgel in der Johanniskirche. Foto: Frank Wilhelm
Christian Stähr zeigte eine der kleinsten Pfeifen der Orgel in der Johanniskirche. Foto: Frank Wilhelm Frank Wilhelm
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Neubrandenburg.

Wie kommt man ausgerechnet zur Orgel als Lieblingsinstrument?

Ich fand Orgeln schon als Kind faszinierend. Orgeln stehen nicht zu Hause, sondern in der Regel in Kirchen. Man kann sie nicht einpacken, dafür kann man in eine Orgel reingehen. Orgeln sind wie große Maschinen. Ich wusste schon mit acht Jahren, dass ich mal Orgel spielen werde.

Warum haben Sie dann erst Klavier gespielt?

Organisten brauche eine bestimmte Größe, damit sie auch an die Pedale kommen. Bis man groß genug ist, ist Klavier eine gute Vorbereitung: Man kann ausprobieren, mit zwei Händen unabhängig zu spielen. Bei der Orgel kommen dann noch die Füße dazu – dann wird es etwas komplizierter.

Haben Sie gleich mit dem Orgelspiel begonnen, als die Beine lang genug waren?

Leider konnte ich keinen Orgellehrer finden. Mit 14 Jahren habe ich Posaune und Oboe angefangen. Dann suchte unsere Kirchgemeinde einen Organisten, ich habe mich gemeldet. Bis zum Abi habe ich drei Jahre lang den Orgeldienst absolviert, also auch den Gottesdienst musikalisch begleitet.

Da lag es auf der Hand, dass Sie dann auch Orgelmusik studieren?

Das Problem war, dass ich erst mit 18 Jahren Unterricht an der Orgel bekam und erstmals auch die Pedale nutzte. Um die Aufnahmeprüfung fürs Studium zu schaffen, musste ich intensiv üben. Oft habe ich schon morgens in Schul-Freistunden auf der Orgel gespielt. Meine späteren Mitstudenten hatten in der Regel schon ab zwölf Jahren Orgelunterricht.

Wie lange muss man studieren, um als Organist sein Geld zu verdienen?

Für mittelgroße Stellen vier Jahre, für größere insgesamt sechs Jahre. Ich selbst habe von 1997 bis 2007 studiert, aber auch vier Studiengänge belegt: Das Grund- sowie das Aufbaustudium Kirchenmusik, Instrumentalpädagogik und historische Tasteninstrumente. Nach dem Studium sind die Jobaussichten sehr gut. Kirchenmusiker werden händeringend gesucht.

Wie sind Sie nach Neubrandenburg gekommen?

Nach dem Studium war ich Kantor in Dormagen bei Köln sowie in Pforzheim. Als die Stelle in Neubrandenburg ausgeschrieben war, bin ich glücklicherweise ausgewählt worden. Seit Januar 2016 bin ich hier.

Sie haben das Glück, in Neubrandenburg auf zwei imposanten Orgeln spielen zu dürfen: Auf der Weber-Orgel in der Konzertkirche und auf der Orgel der Johanniskirche. Welche Unterschiede gibt es zwischen beiden Instrumenten?

Die Orgel in der Johanniskirche hat Charakter und steht in einem tollen Raum. Die Orgel in der Konzertkirche hat mehr Manuale und Register.

Wie kann ich als Kind die Orgel kennenlernen?

Ihr könnt jederzeit mit euren Eltern ins Orgelkonzert gehen. Während der jährlichen Orgeltage in Neubrandenburg bieten wir aber auch ein Kinderkonzert an. Das nächste am 10. Mai 2019 mit dem Orgelmärchen „Die Bremer Stadtmusikanten“. Dann bieten wir im Anschluss auch die Möglichkeit, mal in die Orgel reinzuschauen.

Das Adventskonzert mit Orgelkonzerten von Händel und Vanhal, der Philharmonie und Christian Stähr wird gespielt am 15.12. um 17 Uhr in der Konzertkirche Neubrandenburg (ausverkauft), am 16.12. um 15 Uhr in der Kulturscheune Bollewick und am 23.12. um 16 Uhr im Landestheater Neustrelitz.

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