REZENSION

Mordsgefährlich statt idyllisch – Ermittlungen im Namen der Muschel

Ermittlerin Bette Hansen muss sie ihren Dienst quittieren. Doch ihr letzter Fall verfolgt sie bis ins „Hinterland“, wie der Roman von Nora Luttmer heißt.
Buchcover von „Hinterland“
Buchcover von „Hinterland“ Ulrike Schubel
Neubrandenburg ·

Auch ohne Hamburg als Spielort wäre dieser Krimi spannend genug, um seine Leser zu fesseln. Mit Hamburg als Draufgabe wird es gleich noch mal so schön. Obwohl sich die Handlung in einem Vorort, in Hamburg-Ochsenwerder, an der Dove Elbe, entspinnt, bleibt noch genug für die Hansestadt übrig. Allerdings lautet der Romantitel „Hinterland“. Langweilig, weil schon Provinz, ist es dort jedenfalls nicht.

Rätselhaftes Holzscheit zwischen Hühnerstall und Haus

In dem Buch erzählt Nora Luttmer von Ermittlerin Bette Hansen, Anfang 50, die wegen ihrer Narkolepsie, einer Schlafkrankheit, aus dem Dienst ausgeschieden ist und nun in dem beschaulichen Vorort von Hamburg, im Haus ihres verstorbenen Vaters, ihre Zelte aufgeschlagen hat.

Da ist sie nun – und versucht, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. „Das Schlimmste war für sie die Unsicherheit. Das Wissen, dass sie jeden Moment die Kontrolle über sich und ihren Körper verlieren konnte“, so die Autorin über ihre Heldin, während diese sich gleich zu Beginn der Geschichte auf den Weg ins Dorf macht. Nun, ihre Ruhe hat Bette Hansen nicht an diesem Nebenarm der Elbe, nein, der Fall, den sie ungelöst ihrem Nachfolger überlassen musste, holt sie auch hier, im beschaulichen Idyll, ein. Denn in ihrem Garten zwischen Hühnerstall und Wohnhaus findet die ehemalige Kommissarin ein Holzscheit, in das eine Muschel geritzt ist. Dieses Bild kennt sie, es erinnert sie an einen bestialisch ausgeführten Doppelmord.

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Und was ist mit dem Mauerblümchen?

Just bei diesen Ermittlungen, genauer gesagt, in einem Verhör, hatte sie einen ihrer Schlafanfälle – mit fatalen Folgen. Denn ihre Krankheit wurde mit einem Mal auch für alle anderen sichtbar. Nicht mehr tragbar als Kommissarin, zu unberechenbar, die Kollegin. Deshalb also musste sie gehen, auf den ihr angebotenen Innendienst hat Bette Hansen keine Lust.

Allerdings kann der Täter sie aufspüren. Ob sie will oder nicht, sie muss auf die Pirsch nach dem Muschelmörder gehen. Während die Leser den Ermittlungen von Bette folgen, kreuzen sich die Ochsenwerder-Episoden mit der Geschichte von Hannah, einer Mauerblümchen-Hamburgerin, die in einem Callcenter arbeitet und in ihrer Freizeit einen Bücherbus übers Land steuert.

Schon bald bekommt die ganze Geschichte einen Dreh, der verblüfft und dann für Geschwindigkeit sorgt. Wir Leser wissen Bescheid, die Ermittlerin natürlich noch lange nicht.

Bettes Abenteuer haben erst begonnen

Autorin Nora Luttmer hat bereits für ihren Debütroman „Schwarze Schiffe“ den Glauserpreis bekommen. Sie arbeitet in Hamburg als Autorin und freie Journalistin, hat Südostasienkunde in Passau, Hanoi und Paris studiert. Wer das im Hinterkopf hat, versteht, weshalb ihre Ermittlerin ein besonderes Restaurant in Hamburg aufsucht. Übrigens soll es das nicht mit Bette Hansen gewesen sein. Ihre Abenteuer haben erst begonnen, denn laut Verlag ist diese Geschichte der erste Band einer neuen Krimi-Reihe.

 

Nora Luttmer: Hinterland. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Hamburg, 2021, 413 Seiten, 10 Euro.

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