Unsere Themenseiten

:

Moritz Bleibtreu auf Psychotrip

Moritz Bleibtreu sammelt im Film „Die dunkle Seite des Mondes" Pilze für seinen Drogentrip. Aus dem erfolgreichen Wirtschaftsanwalt ist ein tierischen Trieben beherrschtes und für sein Umfeld sehr gefährliches Killerwesen geworden.
Moritz Bleibtreu sammelt im Film „Die dunkle Seite des Mondes" Pilze für seinen Drogentrip. Aus dem erfolgreichen Wirtschaftsanwalt ist ein tierischen Trieben beherrschtes und für sein Umfeld sehr gefährliches Killerwesen geworden.
Etienne Braun

In der gelungenen Adaption eines Stoffes von Martin Suter verwandelt sich Moritz Bleibtreu in einen unheimlichen und kaum zu bändigenden Berserker. An seiner Seite: Darsteller wie Jürgen Prochnow.

Gern nehmen sich Kino und Fernsehen Bücher des Schweizer Erfolgsautors Martin Suter zur Vorlage. Ein halbes Dutzend an Adaptionen ist bereits realisiert, darunter Filme wie "Lila, Lila" mit Daniel Brühl und Hannah Herzsprung und „Small World" mit Gérard Depardieu und Alexandra Maria Lara. Nun darf auch Moritz Bleibtreu in der Verfilmung eines Suter-Romans auftreten; die Regie zu „Die dunkle Seite des Mondes" kommt vom deutschen Regisseur Stephan Rick („Unter Nachbarn"). Bleibtreu schlüpft dabei in die Rolle eines erfolgreichen Anwalts, dessen Leben plötzlich eine so radikale wie höchst erschreckende Kehrtwende nimmt.

Urs Blank (Bleibtreu) ist als angesehener Wirtschaftsanwalt Teil der High Society Frankfurts; teure Autos und eine hübsche Frau dürfen da freilich nicht fehlen. Doch alles ändert sich für den smarten Juristen als sich ein Geschäftspartner mitten in Blanks Büro eine Kugel in den Kopf jagt. Nicht nur, dass Blank sein bisheriges Leben infrage stellt, er trifft auch auf eine junge Frau (Nora von Waldstätten), die ihm ein ganz anderes, ein alternativeres Leben schmackhaft macht.

Bleibtreu auf Drogentrip

Nach der gemeinsamen Einnahme aber von halluzinogenen Pilzen erwacht in Blank eine bisher unterdrückte animalische Kraft, die den vermeintlich so zivilisierten Anwalt vollends zu dominieren droht. Immer mehr verliert Blank die Kontrolle, ein jäher Gewaltausbruch jagt den nächsten. In seiner Verzweiflung versucht der Anwalt herauszufinden, was es mit den seltsamen Pilzen auf sich hat und, wie er seine dunkle Seite bezwingen könnte.

Bleibtreu lässt seiner Figur die Ambivalenz, die sie erst spannend macht. Sein Urs Blank ist so sensibel wie äußerst brutal, tötet eine Katze, ohne mit der Wimper zu zucken, ist der einfühlsame Liebhaber von Lucille. Nora von Waldstätten spielt diese Lucille recht überzeugend halb als Hippie-Girl, halb als Femme fatale. Jürgen Prochnow („Das Boot") gibt einen von Blanks Mandanten - der Schauspieler hatte in seiner langen Karriere schon bedeutendere Rollen, und doch ist es schön, den bald 75-Jährigen einmal wieder in einer deutschen Produktion zu sehen.

Keine Genre-Zuweisung möglich

Bei „Die dunkle Seite des Mondes" handelt es sich um ein gerade im deutschen Kino nicht eben alltägliches Zwitterwesen. Teils Psychothriller, teils Märchen, teils Psychogramm eines Mannes in der Midlife-Crisis, mit einem Schuss an Horror spielt der zweite Langfilm von Regisseur Rick nicht nur recht gekonnt auf der Genre-Klaviatur, er weiß auch über weite Strecken zu unterhalten.