ZUM 250. GEBURTSTAG

MV-Orchester ehrt Beethovens Meisterwerke

Die Neue Philharmonie MV gratuliert Ludwig van Beethoven zum 250. Geburtstag mit der ersten CD zur Musikreihe „Stadt. Land. Klassik!”. Chefdirigent Andreas Schulz spricht über seine Faszination für den Komponisten.
Wegen der Corona-Pandemie mussten Andreas Schulz und seine Neue Philharmonie MV viele Konzerte absagen. Hören kann man di
Wegen der Corona-Pandemie mussten Andreas Schulz und seine Neue Philharmonie MV viele Konzerte absagen. Hören kann man die Musiker jetzt trotzdem. Frank Wilhelm
Von „Für Elise” über die Schicksalssinfonie oder die Neuvertonung von Schillers „Ode an die Freude
Von „Für Elise” über die Schicksalssinfonie oder die Neuvertonung von Schillers „Ode an die Freude” – Ludwig van Beethoven hatte Musik für die Ewigkeit geschrieben. NK-Archiv
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Neubrandenburg ·

Was für eine Lebensleistung! Welch ein Wahnsinns-Genie muss der deutsche Komponist Ludwig van Beethoven gewesen sein, wenn die Musikwelt ihn zweieinhalb Jahrhunderte später noch immer vergöttert wie einen Popstar! 2020 feiern wir also den 250. Geburtstag jenes Musikers (17. Dezember 1770 – 26. März 1827), der seine besten Sinfonien komplett ohne Gehör geschrieben hat. Wie so etwas angeht, vollkommen taub einige der schönsten Melodien des Jahrtausends geschrieben zu haben, das fragen sich Musikexperten wie Andreas Schulz von der Neuen Philharmonie MV voller Bewunderung. Im Jubiläumsjahr hat der Orchesterleiter, dessen Konzertreihe „Stadt. Land. Klassik!” im Nordosten Deutschlands seit einigen Jahren für Furore sorgt, zu Ehren des Meisters eine erste CD der Neuen Philharmonie veröffentlicht.

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Die Idee dahinter: Mit der „Stadt. Land. Klassik!”-Platte im Corona-Jahr in die Wohnzimmer der insgesamt über 15.000 Konzertgänger und aller anderen Musikfreunde zu gelangen. Dass auf dem Debütalbum des Orchesters das berühmte Geburtstagskind zu hören sein wird, versteht sich von selbst. Beethovens Fünfte, die Schicksalssinfonie, ertönt auf CD genauso mitreißend wie 2019 in Pasewalk, wo das Konzert aufgezeichnet worden ist. Auch das zweite Stück ist ein Hochkaräter der klassischen Musik: Antonin Dvoraks 8. Sinfonie, die Englische Sinfonie, enthält die für den böhmischen Komponisten typischen Klänge der Hochromantik. Wenn auch Dvoraks 9. Sinfonie „Aus der Neuen Welt” noch einen Ticken bekannter ist. Aber da geht es Musikerkollegen Beethoven nicht anders, auch dessen 9. Sinfonie an die Freude – deren Meisterode von keinem Geringeren als Friedrich Schiller getextet wurde und inzwischen Europas Hymne ist – dürfte seine Meistegespielte sein. Die Englische Sinfonie wurde ebenfalls 2019 im Rahmen von „Stadt. Land. Klassik!” in Teterow aufgenommen.

Wenige Tage vor dem Geburtstag des Meisterkomponisten gab Chefdirigent Andreas Schulz Sirko Salka ein Interview.

Welche Erinnerungen haben Sie an die Konzerte mit der Neuen Philharmonie in Mecklenburg-Vorpommern, als Sie jene berühmten Stücke von Beethoven und Dvorak zu spielten?

Zunächst muss ich sagen, dass die Stücke auf der CD auf unterschiedlichen Tourneen von „Stadt. Land. Klassik!” aufgezeichnet worden sind. Wie Sie wissen sind das beides musikalische Schwergewichte, die an einem Konzertabend vermutlich etwas zu viel des Guten gewesen wären. In unseren Programmen ergänzen wir das jeweilige Hauptstück in der Regel mit einer Ouvertüre oder einem Solokonzert.

An unsere Konzertabende mit der 5. Sinfonie von Beethoven denke ich sehr gerne zurück, weil wir da mit Christoph Sandmann einen Gastdirigenten hatten. Er hat die Sinfonie mit der Neuen Philharmonie MV einstudiert und ein paar Konzerte in Mecklenburg-Vorpommern gegeben. Das empfand ich aufgrund der neuen Ideen und einer neuen Lesart sowohl musikalisch als bereichernd als auch im sozialen Miteinander, weil es für eine gewisse Frische im Orchester gesorgt hat. Ich persönlich habe dabei viel von Sandmann gelernt.

Sie haben Beethovens 5. Sinfonie selbst schon mehrfach dirigiert. Was zeichnet das Werk aus?

Dieses vollkommen zu Recht so populäre Stück ist ein in der Musikgeschichte unglaublich wichtiges Werk. Es zu dirigieren ist jedes Mal ein besonderes Erlebnis. Denn Beethoven Musik reißt einen mit, sie entführt uns in eine emotionale Welt, die unbeschreiblich, ein Erlebnis, ist und bleibt.

Merkt man der 5. Sinfonie an, die mit jenem durch Mark und Knochen gehenden Ta-Ta-Ta-Taaaa beginnt, Beethovens Taubheit an?

Nein. Ich finde sowieso, dass man das nie bei Beethoven bemerkt. Seine 9. Sinfonie ist ja noch komplexer und umfangreicher als die Fünfte. Da war er schon lange komplett taub, das kann man sich gar nicht vorstellen. Das ist jenseits unserer Vorstellungskraft als normalsterblicher Musiker!

Was macht die 5. Sinfonie aus und gern auch die 9.?

Sie ist in seiner mittleren Schaffensphase komponiert wurden, in der Beethoven so revolutionär wie eh und je war. Neben musikalischen Neuerungen in der 5. Sinfonie überzeugen die starken positiven Inhalte: Der Gedanke an das Gemeinsame, der Glaube an das Gute zieht sich durch sein ganzes Schaffen. In der 9. Sinfonie hat Beethoven erstmals in einer Sinfonie das Wort dazu genommen. In der berühmten Ode an die Freude spricht er dieses Gefühl des Miteinanders auch aus. In der Musik und im Wort. Und schließlich ist die Neunte etwas Besonderes, weil sie zum Wegbereiter der romantischen Musik wird.

Mit Beethoven war die Messlatte für Ihr Orchester hoch gelegt. Wie groß war für die jungen Musiker diese Herausforderung?

Ich bin immer wieder überrascht, wie gut und professionell unsere jungen Musiker mittlerweile sind. Sie brauchen vielleicht ein bisschen mehr Zeit, da sie noch nicht so viel Erfahrung haben wie manch andere Profiorchester, aber die 5. Sinfonie konzeptionell und inhaltlich derart gut zu transportieren, war durchaus eine größere Aufgabe.

Vielleicht noch ein Satz zur 8. Sinfonie von Antonin Dvorak?

Das ist eine andere Welt als Beethoven. Die letzten drei Sinfonien von Dvorak sind die Bekannten. Während er seine 7. Sinfonie als Reaktion auf das Schaffen des Komponisten Johannes Brahms mit düsteren und schwermütigen Inhalten komponiert hat, ist die 8. Sinfonie, die Englische Sinfonie in G-Dur ein großes Gegenstück. Sie ist unvergleichlich reich an Melodien. Bei Dvorak hat man immer einen Überfluss an wahnsinnig schönen Melodien. Andere hätten aus solch einem stimmungsvollen Motiv eine ganze Oper geschrieben. Für mich ist Dvorak der Inbegriff eines literarischen Musikanten.

Wie haben Sie damals die Reaktionen im Publikum bei den Konzerten erlebt?

Unvergesslich bleibt unter anderem ein Abend in der Demminer Kirche, als Christoph Sandmann dirigierte – und ich mit im Publikum sitzen durfte. Dieser Perspektivwechsel war für mich ein unvergessliches Erlebnis. Man hat schon gemerkt, wie gefesselt die Leute waren. Bei meinen Konzerten kann ich das nur vom Pult aus erahnen, habe das aber immer ähnlich wahrgenommen, dass die Leute mit großem Interesse und mit großer Freude die Konzerte der Neuen Philharmonie genossen haben.

Empfehlen Sie Ihre CD als Geschenktipp?

Aber auf jeden Fall. Das sind beides Meisterwerke, von denen man nie genug bekommen kann, weil es Stücke für die Ewigkeit sind.

Wann kommen Sie wieder auf Tournee nach Mecklenburg-Vorpommern?

Wie alle Musiker sind wir derzeit mit großen Herausforderungen konfrontiert, die man so vorher nicht kannte. Natürlich bin ich immer optimistisch und positiv gestimmt, was die Zukunft betrifft. Wann wir mit „Stadt. Land. Klassik!” wieder Konzerte geben dürfen, kann noch ich nicht sagen. Wir verstehen, dass die Politik aktuell so radikal durchgreifen muss. Wir hätten es uns anders gewünscht, weil uns als Orchester das Musizieren vor Publikum fehlt. Doch wir freuen uns unheimlich darauf, wenn es dann wieder weitergeht und wir hoffen, dass „Stadt. Land. Klassik!” den Musikfreunden noch lange erhalten bleiben wird.

CD „Stadt.Land.Klassik! für Zuhause!“, Spielzeit: 73 Minuten (Livemitschnitt), 14,95 €, Artikel-Nr.: 85847, www.stadt-land-klassik.de

 

 

 

 

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Neubrandenburg

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