GNTM-KOLUMNE

Nach Topmodel-Finale steht fest: Frauen sind Menschen!

Beim großen Finale von Germany's Next Topmodel läuteten zwischen unzähligen Werbepausen die Hochzeitsglocken. Doch nicht etwa für Heidi Klum oder Thomas Gottschalk?
Christine Gerhard Christine Gerhard
Die Kandidatinnen von Germany's Next Topmodel haben sich von schüchternen Mädchen in stolze Schmetterlinge entpuppt. Findet jedenfalls der Kostümdesigner.
Die Kandidatinnen von Germany's Next Topmodel haben sich von schüchternen Mädchen in stolze Schmetterlinge entpuppt. Findet jedenfalls der Kostümdesigner. Screenshot Pro Sieben
Düsseldorf.

Nach fünfzehn Wochen lud Pro Sieben am Donnerstag zum großen Finale – der mit Abstand langweiligsten Folge jeder Germany's Next Topmodel-Staffel. Traditionell besteht sie zu etwa 75 Prozent aus Kunst- und Werbepausen, der Rest ist Werbung für die Show selbst und dafür, wie dem Sender die Verpuppung der Kandidatinnen von schüchternen Mädchen zu stolzen Schmetterlingen gelungen ist.

In den verbleibenden Minuten, in denen nicht gerade jemand live auf der Bühne heiratet und der Fotograf von der Decke abgeseilt wird, muss dann noch eine Botschaft untergebracht werden. Oder, wie Heidi Klum sagen würde, eine Message.

Hier finden Sie unsere Kolumnen zu allen Folgen der Staffel.

Sie prägte auch den letzten Anglizismus dieser Staffel. Smeyesen, also mit den Augen lächeln, scheint es noch nicht in den Duden geschafft zu haben. Jedenfalls schlägt Google türkische und tschechische Namen vor, wenn man nach einer Rechtschreibempfehlung sucht. Wäre also vielleicht etwas für Heidis und Toms gerüchteweisen Nachwuchs.

Frauen sind Menschen

Die Models jedenfalls dürfen sich auch in dieser Folge nicht auf schnödes Smeyesen und Laufen beschränken, sondern müssen beim „Girl Power Walk” (Heidideutsch für eine Modenschau, zu der die Models in übergroße Warndreiecke mit feministischen Parolen gesteckt werden) auch noch Reden schwingen. Dabei stellt Cäcilia fest, dass Frauen Menschen sind und ist damit immerhin schon einen Schritt weiter als so mancher Gelehrte im 16. Jahrhundert, der sich die Frage stellte „ob die Weiber Menschen seyn, oder nicht?”.

Sayana kommt bei ihrem Plädoyer auf verschlungenen Wegen irgendwie auf die Wichtigkeit von Schulbildung zu sprechen. Und Simone hält eine Predigt. Die Düsseldorfer, oder „Dussel” (frei nach Tyra Banks, die mit dem "ü” auf Kriegsfüß steht), jubeln.

Warum ist Heidi so nervös?

Anschließend wird ein bisschen „Eins, zwei oder drei” gespielt und schon ist Cäcilia ausgeschieden. Ob nun Sayana oder Simone gewinnt – die eigentliche spannende Frage des Finales ist: Was hat es mit den Ringen auf sich, die Thomas Gottschalk in seiner Anzugtasche mit sich trägt? Und warum ist Heidi so nervös?

Warum schlängelt sie sich durch das Publikum wie die nervige Tante auf jeder Familienfeier, die alle Unverheirateten unter 40 mit unangenehmen Fragen zu Liebesleben und Heiratsplänen löchert? Wird sie selbst etwa jetzt und hier, auf der Bühne des GNTM-Finales heiraten?

Theresia heiratet und irgendwer gewinnt

Nein, natürlich nicht. Wieso sollte sie ihrem Verlobten auch in Düsseldorf das Jawort geben, wo sie das doch ebenso gut auf Rügen tun kann? Stattdessen ist es Theresia, die sich nach dem vorangegangenen Ausbruch von trendigem Feminismus einen tülligen rosa Mädchentraum erfüllt und sich in einem Kleid, das sie sich nicht selbst ausgesucht hat, von Heidi trauen lässt.

Es folgt ein verspäteter Junggesellenabschied mit Channing Tatum. Dabei darf Thomas Gottschalk mal wieder auf einer vollen Couch sitzen, aber nicht lange. Denn endlich, nach gefühlt 37 Werbepausen, einer Demo, einer Hochzeit und viel Herumgelaufe, wird die Siegerin von GNTM 2019 gekürt: Simone gewinnt den Titel. Und alle, die bis hierhin durchgehalten haben, können endlich ins Bett gehen und sich fragen, was sie mit dieser Information nun anfangen sollen.

StadtLandKlassik - Konzert in Düsseldorf

zur Homepage