„SCHÖNACKT“

Nackte Schönheiten in Neubrandenburger Kloster ausgestellt

Siegfried Haase hat mehr als vier Jahrzehnte seiner Leidenschaft gefrönt: der Fotografie. Die Bilder nackter Schönheiten stechen aus seinem Werk heraus.
Frank Wilhelm Frank Wilhelm
Zwei Akte aus dem Schaffen des Fotografen Siegfried Haase , den die natürliche, weibliche Schönheit reizte.
Zwei Akte aus dem Schaffen des Fotografen Siegfried Haase , den die natürliche, weibliche Schönheit reizte.
Siegfried Haase vor seinen Akten bei einer seiner vielen Ausstellungseröffnungen in Neubrandenburg Foto: Frank Brauer
Siegfried Haase vor seinen Akten bei einer seiner vielen Ausstellungseröffnungen in Neubrandenburg Foto: Frank Brauer Frank Brauer
Neubrandenburg.

Museumsdirektoren haben es manchmal wahrlich schwer. Der Chef des Neubrandenburger Regionalmuseums Rolf Voß beispielsweise musste vor einigen Wochen 20 Aufnahmen aus rund 800 Aktfotos schöner Frauen, aufgenommen von Siegfried Haase (1919-2015), auswählen. So etwas nennt man dann wohl wirklich die Qual der Wahl.

Rolf Voß hat sich letztlich entscheiden können, wie die Ausstellung „schöNackt“ im ehemaligen Franziskanerkloster beweist. Frauen in der Natur – so ließe sich die Exposition sicher weniger kryptisch umschreiben. Seit Jahrzehnten fotografiert Klaus Ender von Rügen, einer der wichtigsten deutschen Aktfotografen, Schönheiten aus Ost und West. Zur Bildergalerie geht es hier.

 

Aktfotos in einem Museum, das der Historie gewidmet ist? So etwas kommt wohl eher selten vor. Anlass für die Schau ist ein Jubiläum. Siegfried Haase, der 2015 im stolzen Alter von 95 Jahren in Schwerin starb, hätte in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert. Das Museum hat den umfangreichen Fotoschatz des Neubrandenburgers übernommen, als es diesem gesundheitlich schon nicht mehr so gut ging.

Sein erstes Aktmodell war Agnes aus Budapest

Haase wohnte in der Treptower Straße, nicht weit weg von der Verwaltung des Museums im ehemaligen Zollhaus des Treptower Tores. Irgendwann, so berichtet es Voß, habe der Sohn Haases bei ihm angefragt, ob das Museum Interesse am fotografischen Nachlass des Vaters haben würde. Hatte es auf jeden Fall. Aber natürlich nicht allein wegen der vielen Aktfotos. Unter den Fotos finden sich auch viele Naturaufnahmen, Bilder Neubrandenburgs, private Fotos sowie Aufnahmen von zahlreichen Reisen, etwa nach Kuba.

Haase wurde in Torgau an der Elbe geboren. Schon als Schüler fotografierte und malte er. Mit einer geborgten Voigtländer schoss er bereits 1958 seine ersten Farbbilder. 1969 erwarb Haase vor einer Reise nach Ungarn eine Praktica, eine in der DDR beliebte Spiegelreflexkamera.

In Ungarn entstand auch das erste Aktfoto: „Agnes in Budapest“. Die junge Frau war eine Künstlerin, die in Anklam Bühnenbilder malte. Sie hatte bei den Haases, die damals in der Peenestadt wohnten, Quartier gefunden, weil das Bahnhofshotel nicht nach ihrem Geschmack war. Zum Dank lud sie Familie Haase nach Budapest ein.

Mit Nacktfoto ins „Magazin”

Spätestens seit Ende der 1960er Jahre war der Fotoapparat sein ständiger Begleiter. Haase, der nach Neubrandenburg gezogen war, arbeitete seit 1972 zusammen mit anderen Fotografen im Fotoclub am „Haus der Kultur und Bildung“. Mitglied im Arbeitskreis Künstlerische Aktfotografie war er seit 1996.

Mit einem Nacktfoto schaffte es Haase immerhin ins renommierte „Magazin“, eine der wenigen Zeitschriften in der DDR, in der Akte veröffentlicht wurden. Beruflich hatte er eher seltener mit der Fotografie zu tun: Haase war studierter Finanzökonom und arbeitete im Handel.

Lieblingsmodell war eine Französin

Die genaue Zahl der Bilder aus Haases Nachlass ist noch nicht erfasst worden. Voß schätzt, dass es sich um etwa 20.000 Aufnahmen handeln könnte. „Maximal ein Viertel“ sei gesichtet. Der Nachlass besteht aus Positiven – also Abzüge – und aus Negativen. Bis zuletzt ist Haase der analogen Fotografie treu geblieben. Von Digitalkameras hielt er nicht viel. Ziel sei, das Gros der Aufnahmen zu digitalisieren, sagt Rolf Voß.

Haase hat zu seinen Lebzeiten zahlreiche Ausstellungen gestaltet, größtenteils in Neubrandenburg. Anlässlich seines 90. Geburtstages und einer Exposition mit Aktfotos in Neubrandenburg wurden 54 Personalausstellungen gezählt. Sein Lieblingsmodell war seinerzeit ebenfalls zu der Geburtstags-Vernissage gekommen – die Französin Evelyne.

Das Elixier des lebensfrohen Mannes seien die Frauen gewesen, die er immer noch gern in ihrer natürlichen Schönheit im Bild einfange – mit überraschender Sicht auf das geheimnisvolle Weibliche und die Erotik, hatte es seinerzeit zur Eröffnung geheißen.

Info zur Ausstellung:

„schöNackt“ Aktfotografie von Siegfried Haase, bis 26. Mai im Regionalmuseum Neubrandenburg, Montag und Dienstag geschlossen.

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