JUGENDLICHE ALS SPITZEL

NDR zeigt berührende Doku „Die Stasi im Kinderzimmer“

Der Dokumentarfilm „Die Stasi im Kinderzimmer – und wie der Verrat bis heute nachwirkt“ erzählt vom Trauma, unter dem viele der rund 500 von der Stasi angeworbenen Jugendlichen bis heute leiden.
Frank Wilhelm Frank Wilhelm
Sascha Kriese mit einer Freundin bei Dreharbeiten für den Dokumentarfilm in Neustrelitz.
Sascha Kriese mit einer Freundin bei Dreharbeiten für den Dokumentarfilm in Neustrelitz. POPULÄRFILM MEDIA GMBH ROSTOCK
Neustrelitz.

Anfang Mai hatte der Dokumentarfilm „Die Stasi im Kinderzimmer – und wie der Verrat bis heute nachwirkt“ seine Premiere beim Filmkunstfest in Schwerin gefeiert. Jetzt ist der berührende Streifen der Neubrandenburger Journalistin Kathrin Matern auch im NDR-Fernsehen zu sehen. Sie und ihr Filmteam haben Schicksale von Menschen recherchiert, die als Jugendliche als Inoffizielle Informanten (IM) vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) angeworben wurden.

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Der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk geht von rund 500 Minderjährigen aus, die mit dem MfS zusammengearbeitet haben. Auch wenn die Zahl relativ klein klingt, die Auswirkungen für die Betroffenen, die bei der Anwerbung oft erst 14, 15 Jahre alt waren, setzen sich bis heute fort. Viele leiden immer noch an dem Trauma, zum Verrat an Freunden und Bekannten angestiftet worden zu sein.

„Die Stasi im Kinderzimmer“ läuft im NDR am Mittwoch, 6. November, um 22 Uhr. Zuvor, um 21 Uhr, wird der Film „Novemberkinder – Geboren am 9. 11. 1989“ ausgestrahlt.

Opfer der Stasi

Der Film erzählt vier Schicksale: Darunter ist der Rostocker Christian Ahnsehl, der als 15-Jähriger eine Verpflichtungserklärung als IM unterschrieben hat, weil er von der Stasi erpresst wurde. Anna Frieda Schreiber ist als Andreas Schreiber in einer sogenannten Stasifamilie aufgewachsen und hat 1986 eine Laufbahn an der Juristischen Fachhochschule in Potsdam-Golm begonnen.

Andrej Holm ist als Berliner Staatssekretär für Bauen und Wohnen 2016 über seine Stasivergangenheit gestolpert. Der aus Neustrelitz stammende Sascha Kriese hatte Glück. Seine Eltern bewahrten ihn davor, Mitte der 80er Jahre als 16-Jähriger eine Verpflichtungserklärung zu unterschreiben. Seine Mutter beschwerte sich schriftlich beim DDR-Staatsrat über das Vorgehen der Stasi.

Filmvorführungen in Neustrelitz

Am Donnerstag wird „Die Stasi im Kinderzimmer“ beim Festival des osteuropäischen Films in Cottbus zu sehen sein. Kathrin Matern freut sich, dass es immer wieder Nachfragen gibt.

So wird es weitere Filmvorführungen mit anschließendem Gespräch in Neustrelitz geben, am 12. November (19 Uhr) in der Jungen Gemeinde im Borwinheim sowie am 21. November im Gymnasium Carolinum. „Wir wollen mit dem Film zeigen, wie die DDR auch funktioniert hat“, sagt Kathrin Matern.

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