Volos unterwegs

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Nervenkitzel auf dem Tollensesee

Unser Autor, Robin Peters, musste schnell gegen Muskel-Schmerzen in den Armen ankämpfen.
Unser Autor, Robin Peters, musste schnell gegen Muskel-Schmerzen in den Armen ankämpfen.
Dominique Cirstea

Unsere Volontäre beschäftigen sich gerade mit den vier Elementen Wasser, Erde, Luft und Feuer. Robin Peters hat sich aufs Wasser gewagt – und ist mit einem Kanu über den Tollensesee gefahren.

Den wahren Nervenkitzel finde ich nicht auf durchgestylten Touri-Events, bei denen jede Unfall-Möglichkeit im Vorfeld durchgespielt wird. Es ist die raue Naturgewalt, die eine Kanufahrt zum unberechenbaren Erlebnis macht. Während mein Boot gespenstisch über das ruhige Wasser des Tollensesees gleitet und jedes Ufer in unerreichbarer Ferne entschwindet, fühle ich mich wie in einem Tunnel.

Von oben sticht mir die sengende Sonne auf den Kopf. Das Wasser unter den Füßen schimmert in einem bedrohlichen Schwarz. So empfinde ich das etwa ein Meter breite Boot schnell als klaustrophobisches Gefängnis.

Doch die rhythmischen Paddelbewegungen – die kräftezehrende Dauerbelastung – lassen mir wenig Zeit, Schreckensszenarien zu spinnen. Denn das Paddel im gleichen Takt wie meine Mitfahrerin in das Wasser zu stechen, erfordert höchste Konzentration.

Der Kampf gegen Muskel-Schmerzen in den Armen

Ebenso wichtig: der richtige Griff. Fasse ich das Paddel zu tief oder zu hoch an, vergeude ich eine Menge Energie. Sogar die Beine müssen im Boot sinnvoll angewinkelt sein, damit sie mich nicht bei den Ruderbewegungen behindern.

Schnell kämpfe ich gegen Muskel-Schmerzen in den Armen. Mein tägliches Faulenzen vor dem Fernseher rächt sich also doch früher als erwartet. Nur nicht nachlassen! Denn schon wenige Unregelmäßigkeiten in den Bewegungen lassen das Kanu eine falsche Kurve fahren.

Eine Kurs-Korrektur ist mühselig. Sie kostet viel Kraft. Und die muss ich mir gut einteilen. Denn es gibt niemanden, der mich abholt, wenn ich keine Lust mehr habe. So nehme ich das malerische Ufer auf dem Großteil der Fahrt nur beiläufig wahr und versteife mich auf die Abfolge der Paddelschläge.

Plötzlich kommt von der Seite ein Motorboot

Eine kurze Pause in seichtem Wasser erlaubt es mir schließlich doch noch, den Blick schweifen zu lassen. Und schon entschädigt die malerische Kulisse die Strapazen der Überfahrt. Denn abseits des überlaufenen Brodaer Strandes oder Augustabades gibt es auf dem Tollensesee idyllische Plätze zu entdecken.

Mit neuer Motivation mache ich mich also auf die Rückfahrt. Doch der letzte Adrenalinschub wartet noch auf mich: Denn aus dem sicheren Hafen rast ein Motorboot wahnsinnig schnell auf mein Kanu zu. Blitzschnell ausweichen? Schön wär’s.

In der Hektik versagt jede Koordination. Das Kanu kommt zum Stehen. In letzter Minute kann ich das Kanu aus der Schussbahn bewegen, werde allerdings noch mit einer großen Welle abgestraft, die voller Hohn gegen die Kanuwand schlägt.

Großer Zulauf für Bootsverleihe

In der Mecklenburgischen Seenplatte gibt es unzählige Verbindungen zwischen den Flüssen und Seen, lasse ich mir von Mario Vogel vom Kanuverleih MV erklären. Er organisiert ganze Tages- oder Wochentouren auf den Gewässern der Region.

Mit einer Tour auf dem Tollensesee habe ich offenbar die richtige Wahl getroffen. Denn die anhaltende Hitze des Sommers und das damit verbundene Niedrigwasser mache die Fahrt über einige Flüsse für Anfänger zu einem schwierigen Prozedere.

Insgesamt freuen sich die Bootsverleihe in dieser Saison über großen Zulauf. Kein Wunder! Verbindet eine Kanu-Tour doch Nervenkitzel und Sport mit einer malerischen Idylle – wie ich eindrucksvoll erfahren durfte.

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