Daniel Hope und Pianist Maxim Lando setzten den gefühlvollen Schlusspunkt.
Daniel Hope und Pianist Maxim Lando setzten den gefühlvollen Schlusspunkt. Oliver Borchert
Einen glänzenden Auftritt legte die Philharmonie Neubrandenburg auf Rügen hin.
Einen glänzenden Auftritt legte die Philharmonie Neubrandenburg auf Rügen hin. Oliver Borchert
Pianist Maxim Landow schmetterte eine fulminante Interpretation von Gershwins „Rhapsody in Blue” in die Tasten.
Pianist Maxim Landow schmetterte eine fulminante Interpretation von Gershwins „Rhapsody in Blue” in die Tasten. Oliver Borchert
Nach dem Auftritt gab es Bravorufe für den den Dirigenten Daniel Geiss und den Cellistes Yibai Chen.
Nach dem Auftritt gab es Bravorufe für den den Dirigenten Daniel Geiss und den Cellistes Yibai Chen. Oliver Borchert
Voller Gefühl: Daniel Hope spielte einen Satz aus Korngolds Violinkonzert.
Voller Gefühl: Daniel Hope spielte einen Satz aus Korngolds Violinkonzert. Oliver Borchert
Daniel Hope agiert nicht nur als Solist beim Festspielfrühling, sondern auch als künstlerischer Leiter und als charm
Daniel Hope agiert nicht nur als Solist beim Festspielfrühling, sondern auch als künstlerischer Leiter und als charmanter Moderator. Oliver Borchert
Festspielfrühling auf Rügen

Neubrandenburger Philharmonie glänzt gemeinsam mit jungen Weltstars

Gemeinsam mit zwei aufstrebenden Talenten zelebrierten Musiker aus Neubrandenburg beim Festspielfrühling auf Rügen ein berauschendes Konzert.
Göhren

„Daniel Hopes Orchestergala”, so lautete der Titel des Konzerts am ersten Wochenende des Festspielfrühlings auf der Insel Rügen. Mit dem Begriff Gala wurden für das Konzert in der Göhrener Nordperdhalle natürlich Erwartungen geweckt. Die knapp 500 Besucher durften festliche und meisterhafte Unterhaltung erwarten. Und sie wurden nicht enttäuscht. Zuallererst brillierte die von Stargeiger Daniel Hope, dem künstlerischen Leiter des Festspielfrühlings, eingeladene Philharmonie Neubrandenburg.

Dirigent ließ das Orchester nicht „von der Leine”

Ab dem ersten Ton von Gioachino Rossinis berühmter Ouvertüre zu „Wilhelm Tell” spielte das vom Dirigenten Daniel Geiss glänzend eingestellte und geführte Orchester meisterhaft auf. Der Maestro führte die Musiker über die leisen und zarten Töne genauso wie über die wuchtigen Passagen, ohne die Musiker „von der Leine” zu lassen. Genauso wie beim zweiten reinen Orchesterstück, dem „Feuervogel” von Igor Strawinski, wo die Fallhöhe der Musik noch einmal eine weitere Stufe erreicht: Nachdem der Feuervogel den bösen Zauberer Kastschei in einem fulminanten Höllentanz bezwingt, tritt plötzlich eine fast atemlose Stille ein. Die Violinen scheinen nur noch zu hauchen, die Harfe schlägt ein fernes Echo an. Das ist Musik, die ins Herz geht.

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Blau-gelbe Bänder zeigen Solidarität mit der Ukraine

Wie schon beim jüngsten Auftritt in der Neubrandenburger Konzertkirche hatte die Philharmonie mit blau-gelben Bändern an Notenständern und Instrumenten ihre Solidarität mit der Ukraine bekundet. Ein „starkes Zeichen”, wie die Festspiel-Intendantin Ursula Haselböck zur Begrüßung hervorhob. Das Programm und die Auswahl der Solisten für den Festspielfrühling hatte Hope schon vor zwei Jahren fix und fertig, ehe die Pandemie das Festival verhinderte. Es sei ein besonderes Geschenk, so der Geiger vorab im Nordkurier-Interview, dass er das gleiche Programm nun zwei Jahre später umsetzen dürfe.

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Drei Komponisten mit Migrations-Hintergrund

Und zugleich eine glückliche Fügung, möchte man ergänzen, wurden doch viele weitere "starke Zeichen" gesetzt: Dass mit Tschaikowski und Strawinski Stücke von zwei Russen gespielt wurden, beweist, wie international klassische Musik ist, ganz zu schweigen von der Besetzung der meisten europäischen Orchester, wo Multikulti im besten Sinne des Wortes herrscht – auch in der Philharmonie Neubrandenburg. Zugleich weisen Strawinski, Erich Wolfgang Korngold und George Gershwin als weitere Komponisten des Abends Migrations-Biografien des 20. Jahrhunderts auf, was uns die aktuelle von Millionen Flüchtlingen vergegenwärtigt.

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Auftrebende Stars am Cello und auf dem Klavier

Mit dem amerikanischen Pianisten Maxim Lando (19) und dem chinesischen Cellisten Yibai Chen (20) präsentierte Hope zwei Solisten der Extraklasse, die die Göhrener Halle zum Beben brachte. Schon heute füllen die Jungstars die berühmtesten Opernhäuser der Welt. Während Chen Tschaikowskis komplizierten Rokoko-Variationen eine moderne Note verlieh, schmetterte Lando eine fulminante Interpretation von Gershwins „Rhapsody in Blue” in die Tasten. Hope und Lando, dessen Vater übrigens Ukrainer ist, gestalteten den gefühlvollen Schlusspunkt mit einer von dem Ukrainer Myroslaw Skoryk komponierten gefühlvollen Melodie für Violine und Klavier, die in dessen Heimatland längst zur Hymne geworden ist, sagte Hope.

Die Philharmonie Neubrandenburg absolviert am Freitag in Putbus übrigens einen weiteren Auftritt beim Festspielfrühling. Unter anderem mit Beethovens Konzert C-Dur für Violine, Violoncello, Klavier und Orchester, dem "Tripelkonzert". Dann erneut mit Daniel Hope an der Geige und Maxim Lando am Flügel.

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