STADT.LAND.KLASSIK!

Neue Philharmonie in Startposition

Die Musiker der Neuen Philharmonie MV lassen sich von Corona nicht entmutigen. Geplant sind mehrere Tourneen durch MV. Allerdings wird dabei das Ensemble bei Stadt.Land.Klassik! völlig anders aufspielen, als man es von ihm gewohnt ist.
Organisatorin Claudia Schneider und Orchesterleiter Andreas Schulz setzen alle Hebel in Bewegung. Foto: ingmar Nehls
Organisatorin Claudia Schneider und Orchesterleiter Andreas Schulz setzen alle Hebel in Bewegung. Foto: ingmar Nehls
In Eggesin spielten die jungen Musikerinnen und Musiker voller Freude auf – und werden dies auch wieder tun. Foto: frank
In Eggesin spielten die jungen Musikerinnen und Musiker voller Freude auf – und werden dies auch wieder tun. Foto: frank Wilhelm
Neubrandeburg ·

Frohen Mutes schaut Andreas Schulz auf das erst wenige Tage alte neue Jahr. Ein wichtiges Ziel hat der Orchesterleiter klar vor Augen: „Unser mit Abstand größter Wunsch ist es, dass wir wieder Musik machen können“, sagt der Chefdirigent und Geschäftsführer der Neuen Philharmonie MV. Er hoffe sehr, dass seine Musikerinnen und Musiker bereits im April vor ihrem Publikum in Mecklenburg-Vorpommern spielen dürfen. Zweckoptimismus ist in Corona-Zeiten sicherlich angesagt. Solch eine lange Konzertpause sei, so Schulz, „wirklich problematisch für beide Seiten“ – für das Sinfonieorchester und die Konzertbesucher. Neubrandenburg.

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Seit ihrer stimmungsvollen Wintertournee im Rahmen von Stadt.Land.Klassik! vor knapp einem Jahr hat die Neue Philharmonie MV keinen Liveauftritt mehr absolviert. Mit Werken von Ludwig van Beethoven, Carl Maria von Weber oder Franz Schubert begeisterte man damals, wenige Wochen vor dem ersten Lockdown, die Menschen im Nordosten. Seither wurden mehrere Tourneen akribisch geplant – und infolge der Pandemie immer wieder verschoben. Noch im vergangenen Oktober traf es das Orchester und dessen Musikfreunde besonders hart, als die Herbsttour nur drei Tage vor der Premiere im Torgelower Ueckersaal abgesagt werden musste.

Kontinuität beim Bezahlen der Musiker angestrebt

Was das für die jungen Musiker bedeutet, bringt Andreas Schulz auf den Punkt: „Einige von ihnen hat Corona finanziell schwer getroffen. Sie mussten sich durchkämpfen.“ Viele seien „ausgehungert, inhaltlich und materiell“ und hätten die Zeit mit Üben verbracht, so der Orchesterleiter weiter, der selbst täglich zwei Stunden Klavier spielt und Partituren einstudiert.

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Die Lage in seinem Orchester sei ernst, aber ambivalent. Einerseits brennen die Ensemble-Mitglieder darauf, endlich auftreten zu können. Bei den Proben im Herbst habe laut Schulz ein unbeschreiblicher Zauber in der Orchester-Luft gelegen. Allerdings, das gibt der Chefdirigent zu bedenken, sei das mit Abstand größte Problem, „dass wir das Ensemble nicht über Wasser halten können“. Mittelfristig wünsche er sich „eine Kontinuität in der Bezahlung der Musiker“, auch wenn sie gering ausfallen würde. „Das wäre mein größter Wunsch.“ Erst dann könne man von einem richtigen Ensemble sprechen, sagt Andreas Schulz.

Manchmal sind es kleine Gesten, die Wunder wirken: So kann Stadt.Land.Klassik!-Organisatorin Claudia Schneider von der Nordkurier Mediengruppe eine Überraschung für die Neue Philharmonie MV verkünden: „Viele Konzertgänger in Mecklenburg-Vorpommern haben ihre Tickets für die ausgefallenen Konzerte gespendet“, sagt sie. Insgesamt 2000 Euro werden nun unmittelbar an die Musikerinnen und Musiker ausgezahlt. Schneider nennt das ein „Riesenzeichen der Solidarität“.

Ministerium fördert drei Stellen bis Ende 2022

Weniger Sorgen bereitet dem Chef der Neuen Philharmonie MV der Aufbau eines Orchestermanagements sowie die Planung weiterer Konzertserien. „Dank einer Förderung durch das Wirtschaftsministerium sind drei Stellen bis Ende 2022 finanziert“, sagt Schulz, „Minister Harry Glawe hat sich toll für uns eingesetzt“. Konkret heißt das, dass neben der Orchesterleitung Büroressourcen für die Intendanz, das Projekt- und Unternehmensmanagement bereitgestellt werden. Eine technische Leitung sowie künstlerische Assistenz sollen das Team komplettieren.

Nun wolle man im operativen Bereich mit der ersten gemeinsam organisierten Live-Veranstaltung schnell loslegen. Im Frühjahr soll es soweit sein. „Absolute Priorität hat, dass wir spielen“, sagt Schulz, „unter welchen Auflagen auch immer.“

Der Plan von Chefdirigent Schulz und Organisatorin Schneider sieht Folgendes vor: kurz aufeinanderfolgende Stadt-Land-Klassik-Tourneen mit deutlich weniger Musikern vor kleinem Publikum. Der orchestrale Genuss, also das, was die Konzertreihe ausmacht, bleibe aber erhalten, betont Claudia Schneider. „Aktuell planen wir eine Tour nur mit Streichern gefolgt von einer zweiten mit Bläsern“, erklärt der Orchesterleiter seine „neuen, aber gereiften Ideen“.

Er hoffe, dass die Corona-Zahlen bis zum Frühjahr runtergehen und „dass es sich an vielen Fronten wieder verbessert, auch durch die Impfungen“.

Gruß des Orchesterleiters an alle Musikfreunde

Dann nämlich wolle die Neue Philharmonie neben Stadt.Land.Klassik! eine weiteres musikalisches Projekt angehen. „Gefördert durch das Kultusministerium MV werden wir in den kommenden Jahren in jeder Grundschule des Landes ein Konzert geben“, erklärt Schulz die neue Konzertreihe, deren Anliegen die musikalische Bildung im Kindesalter ist.

Für alle Freunde von Stadt.Land.Klassik! in Mecklenburg-Vorpommern hat Chefdirigent Andreas Schulz noch einen persönlichen Gruß: „Ich wünsche uns allen, dass wir uns bald möglichst regelmäßig wieder sehen können. Und dass wir trotz aller Schwierigkeiten bis zum Frühling durchhalten. Dann wird die Situation hoffentlich auch positiver. Wir müssen uns wieder treffen, um gemeinsam Musik zu erleben.“

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Neubrandeburg

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