STADT.LAND.KLASSIK

Neue Philharmonie tourt wieder durch den Nordosten

Die Neue Philharmonie MV ist Mitte Februar erneut im Nordosten zu erleben, in Pasewalk, Ueckermünde, Demmin, Malchow, Anklam und Waren. Vorab hat Andreas Schulz, der Chef des Orchesters, mit Frank Wilhelm gesprochen.
Frank Wilhelm Frank Wilhelm
Andreas Schulz und seine Neue Philharmonie MV sind mittlerweile Stammgäste im Nordosten.
Andreas Schulz und seine Neue Philharmonie MV sind mittlerweile Stammgäste im Nordosten. Thomas Türülümow
Die Neue Philharmonie MV beim Stadt.Land.Klassik! Konzert in Pasewalk. Dieses Mal wird auch wieder getanzt.
Die Neue Philharmonie MV beim Stadt.Land.Klassik! Konzert in Pasewalk. Dieses Mal wird auch wieder getanzt. Frank Wilhelm
Das Orchester zeichnet sich durch Spielfreude und jugendliche Frische aus.
Das Orchester zeichnet sich durch Spielfreude und jugendliche Frische aus. Anne-Marie Maaß
Sportlich: Die Konzertorte der Tour sind oft ungewöhnlich, wie hier in Demmin.
Sportlich: Die Konzertorte der Tour sind oft ungewöhnlich, wie hier in Demmin. Georg Wagner
Neubrandenburg.

Die zweite Stadt.Land.Klassik-Tour liegt gerade einmal sechs Wochen hinter Ihnen. Welches Konzert ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

Ich bin nach wie vor beeindruckt, wie der Umzug in Anklam von der ursprünglich vorgesehenen Nikolaikirche in die Aula der Pestalozzi-Schule geklappt hat. Wir hatten erst wenige Minuten vor Konzertbeginn entschieden, dass wir in der kalten Kirche nicht spielen können. Trotz des kurzfristigen Umzugs war das Publikum sehr geduldig und freundlich. Wir fühlen uns den Anklamern damit ohnehin noch mehr verbunden als zuvor. Wir haben aber auch eine Lehre
gezogen.

Welche?

In Herbst- und Wintermonaten können wir einfach nicht das Risiko auf uns nehmen, in ungeheizten Kirchen zu spielen. Das können wir weder den Besuchern, noch den Musikern und letztlich auch den empfindlichen Instrumenten zumuten.

Apropos Anklam: Mit Blick auf die dritte Stadt.Land.Klassik-Tour bieten Sie in der Peenestadt ein besonders Highlight.

Wie schon zum Finale der zweiten Tour in Pasewalk wird es auch dieses Mal wieder einen Auftritt gemeinsam mit Tänzern der Deutschen Tanzkompanie geben, dieses Mal im Theater Anklam. Gespielt und getanzt wird eine Inszenierung nach Franz Schuberts „Der Tod und das Mädchen“. Das Ballett hatte das Stück 2017 für die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern einstudiert. Wir freuen uns natürlich, dass wir das Stück nun noch einmal gemeinsam aufführen können. Es wird für uns aber auch eine Herausforderung.

Inwieweit?

Das Streichquartett bilden wir aus der Mitte unseres Orchester, es wird aus den Stimmführern der ersten und zweiten Geigen sowie der Bratschen und der Celli bestehen. Dieses Quartett hat noch einmal eine zusätzliche intensive Probenphase vor sich. Zugleich könnte dies aber auch ein erster Schritt für unser Orchester sein, aus den Reihen der Musiker kleinere Formationen zu bilden, die regelmäßig Auftritte haben, wie es bei Berufsmusikern gang und gäbe ist.

Neben dem Theater Anklam wird die Neue Philharmonie erstmals auch in der Bartholomaei-Kirche in Demmin zu erleben sein. Spielen Sie eigentlich gerne in Kirchen?

Ich mag Konzerte in Kirchen grundsätzlich. Die Räume bieten eine andere Stimmung und Atmosphäre als herkömmliche Konzertsäle. Natürlich bringen Kirchen immer auch eine besondere akustische Herausforderung mit sich. Es entsteht ein tragender Klang, auf den wir als Orchester reagieren müssen. Aufgrund dessen wirken kleinere
Besetzungen in Kirchen aber oft größer. Zu bedenken ist auch, dass viele Komponisten der Klassik wie Brahms oder Bach gläubig waren und sich diese Gläubigkeit in ihrer Musik widergespiegelt hat. Solchen Komponisten sind wir heute als Musiker bei einem Konzert in der Kirche vielleicht noch ein Stückchen näher als im normalen
Konzertsaal.

Sie teilen sich dieses Mal die Leitung der Konzerte mit dem Dirigenten Georg Christoph Sandmann. Warum?

Es ist für Musiker immer wichtig, auch einmal unter einem anderen Dirigenten zu spielen. Ich bin sehr froh, dass wir den erfahrenen Georg Christoph Sandmann gewinnen konnten. Er wird ein großer Gewinn für das Orchester sein.

Sie haben auch eine persönliche Bindung?

Georg Christoph Sandmann hat mich als Dirigent ausgebildet. Ich plane auch für die Zukunft, weitere Gastdirigenten einzuladen.

Sechs Konzerte an sechs Tagen hintereinander. Vormittags oft noch Proben. Das bringt für die jungen Musiker viel Stress. Wie sammeln Sie eigentlich das Feedback nach solchen anstrengenden Touren ein?

In der Tat sind die Stadt.Land.Klassik-Touren für die Mitglieder des Orchesters sehr anstrengend. Wir sammeln nach den Konzerten keine Feedbackbögen ein. Ich bin viel im Gespräch mit den Musikern. Zudem hat sich schon während der ersten Tour im Oktober ein Orchestervorstand als Sprachrohr der Philharmonie gebildet. Der Austausch funktioniert sehr gut. Im Herbst hatten wir beispielsweise eine zweistündige Diskussion verbunden mit einer langen Kritikliste.

Was brennt den jungen Musikern auf der Seele?

Es geht eher nicht um grundsätzliche Themen wie die langen Tour-Tage, bei denen wir schon mal auf 14 Stunden kommen. Die Musiker haben vorher gewusst, auf was sie sich einlassen. Wichtig sind eher Wohlfühlfaktoren, beispielsweise das Essen oder aber das frühe Aufstehen.

Die Stadt.Land.Klassik-Touren nehmen mittlerweile viel Raum in der Arbeit der Neuen Philharmonie ein. Es gibt aber sicher noch weitere Aktivitäten?

Natürlich. In der aktuellen Spielzeit, die noch bis zum Sommer 2019 läuft, kommen wir auf rund 50 Konzerte. In der Spielzeit zuvor waren es 27 Konzerte. Besonders freuen wir uns auf die Einladung Ende März zum renommierten Jazzfestival Burghausen mit dem Projekt Latin-Jazz Sinfònica, das vor knapp einem Jahr in der Konzertkirche Neubrandenburg seine Premiere gefeiert hatte. Der Höhepunkt der Saison wird für uns die Aufführung der „Carmina Burana“ mit 70 Musikern und 200 Sängern im großen Saal der Berliner Philharmonie im Juni sein.

Sie sind im Vergleich zu Orchestern mit kommunalen Trägern doch sicher auch noch mehr auf Unterstützung angewiesen.

Das stimmt. Deshalb sind wir auch sehr dankbar, dass uns Unternehmer und Förderer aus dem Nordosten wie der Anklamer Stephan Schröder, der Neubrandenburger Owe Gluth, Michael Elsholz aus Demmin oder aber der Mäzen Jost Reinhold unterstützen. Herr Reinhold hat uns ohne viel Aufsehens mit
10 000 Euro unter die Arme gegriffen. Nicht zu vergessen natürlich die finanzielle Unterstützung durch das Land MV, ohne die die Stadt.Land.Klassik-Touren über vier Jahre nicht zu stemmen wären.

Die Neue Philharmonie MV spielt diesmal unter anderem  C. M. v. Weber „Oberon-Ouvertüre“, C. Saint-Saëns „Cellokonzert Nr. 1 in a-Moll“, L. v. Beethoven „Sinfonie Nr. 5“, F. Schubert: Der Tod und das Mädchen (Streichquartett) und Ausschnitte aus Carmen von G. Bizet.

Pasewalk, 17.02., 16 Uhr, Historisches U
Ueckermünde, 18.02., 19 Uhr Volksbühne
Demmin, 19.02., 19 Uhr, St. Bartholomaei Kirche
Malchow, 20.02., 19 Uhr, Werleburg Anklam, 21.02., 19 Uhr, Vorpommersche Landesbühne Gast: Deutsche Tanzkompanie Neustrelitz
Waren (Müritz), 22.02., 19 Uhr, Bürgersaal

Tickets gibt es in den Stadtinformationen Pasewalk, Anklam, Ueckermünde, Demmin, Waren, Malchow, sowie im Theater-Service Neustrelitz, in den Servicepunkten des Nordkurier in Neubrandenburg, Friedrich- Engels-Ring 29 und Turmstraße 13 und unter der kostenfreien  Telefonnummer: 0800-4575033

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