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Neustrelitzer Star wäre gern mal Knappe von Axel Prahl

Charly Hübner hat gerade mit dem Team des ARD-Films „Bornholmer Straße“, der von der Maueröffnung am 9. November 1989 handelt, einen Bambi bekommen. Ein Star ist der gebürtige Neustrelitzer längst, nicht zuletzt als Rostocker „Polizeiruf“-Kommissar Bukow. Trotzdem gibt er sich im Gespräch mit Marlies Steffen sehr bescheiden.

Charly Hübner wuchs in Feldberg auf und arbeitete nach seinem Abitur 1991 am Landestheater Neustrelitz.
Christian Charisius Charly Hübner wuchs in Feldberg auf und arbeitete nach seinem Abitur 1991 am Landestheater Neustrelitz.

Sie haben gerade einen Bambi für den Film „Bornholmer Straße“ bekommen. Es ist nicht Ihr erster Preis, für „Das Leben der Anderen“ gab es sogar schon einen Oscar, ebenfalls für das Filmteam. Wie wichtig sind Ihnen Ehrungen?

Preise und Ehrungen sind immer das Signal, dass es eine Gruppe von Leuten gab, denen die Ehre zugesprochen wurde, Versuchtes und Geleistetes anderer zu bewerten. Und wenn dann diese ausgewählten Menschen Lust und Laune hatten, jemanden oder mich zu bepreisen, dann war das ein feiner schöner stiller Moment – aber er bleibt für mein Empfinden auch sehr relativ. Aber im Moment selber war es immer toll.

Bei der Bambi-Verleihung waren Sie oft im Bild. Kriegt man das mit? Und sind Sie da auch eitel und passen auf, dass Sie nicht gerade mit einer Gähn-Grimasse erwischt werden?

Also ich kriege bei TV-Live-Übertragungen nie mit, wann ich im Bild bin.

Was geht nach so einer Preisverleihung bei der Party ab? Konnten Sie Fußball-Weltmeister Miroslav Klose, der auch mit einem Bambi geehrt wurde, als Feierbiest für den nächsten Rostocker „Polizeiruf“ gewinnen?

Ich bin nach der Preis­verleihung wieder in den Bus gestiegen und ab nach Rostock zum Drehen gefahren.

Sie waren für den Interview-Termin schwer zu erreichen. „Viel Arbeit“, war immer zu hören. Woran arbeiten Sie gerade und was steht in diesem Jahr noch an?

Gerade drehen wir Teil 13 unserer Rostocker „Polizeiruf“-Saga, parallel probe ich am Schauspielhaus Hamburg das Stück „Onkel Wanja“ von Anton Tschechow, davor gab es einen Film in Schwerin. Mit Regisseur Matti Geschonneck drehte ich in Köln eine Verfilmung des Treichel-Buches „Der Verlorene“, davor drehten wir das Ralf Husmann-Buch „Vorsicht vor Leuten“ und manch anderes noch ...

Was ist für Sie das Auswahlkriterium, eine Rolle überhaupt anzunehmen?

Beim Lesen des Drehbuches will ich den Film vor mir sehen und Lust haben auf das Thema der Rolle.

Im „Polizeiruf“ kommen Sie auch immer mal wieder mit Lokalkolorit rüber. Da sind schon Anspielungen gefallen auf die Karl-Marx-Oberschule Neustrelitz – ist das dann Ihre Idee und respektiert der Regisseur solche „Einfärbungen“?

Das mischt sich. Manches kommt aus meinen Erinnerungen, manches haben Autoren und Regisseure in ihren Recherchen ergattert.

Als „Polizeiruf“-Kommissar Alexander Bukow sind Sie schon ein paar Jahre im Fernsehen zu sehen. Wie wichtig ist Ihnen die Figur geworden?

Bukow ist ein herrlicher Kauz, der noch vieles in sich birgt, was ich gerne zeigen will.

Wir hoffen, dass Sie im kommenden Jahr auch in Neustrelitz sind, vielleicht sogar mit einer „Polizeiruf“-Voraufführung. Wissen Sie schon, ob es mit einem Abstecher zugunsten der Spendenaktion „Drei Euro für die Stadtkirche“ klappen könnte?

Stand heute ist: Ich komme im Frühjahr! Das ist derzeit die verlässlichste Antwort.

Sie sind sowohl ein nationaler als auch ein internationaler Star geworden – wie bleibt man dabei bodenständig?

Wenn ich mit meinen Leuten zu allen Jahreszeiten in Feldberg, Carwitz und ­Hullerbusch aufschlagen kann und die Uhr plötzlich stille steht, der Wind aus ­irgendeiner Richtung kommt und man in den Baumwipfeln die alten Zeiten sieht wie die neuen, es dazu ein ­gutes Wildschwein vom Spieß gibt und ein kühlendes Nass aufs Herze – dann gibt es nichts Bodenhaftenderes mehr als das. Die Wurzel steckt in der Erde und nicht im Himmel.

Es gibt Sätze, die in die Filmgeschichte eingegangen sind. „Schau mir in die Augen, Kleines!“ in „Casablanca“ oder „Am Morgen ein Joint und der Tag ist dein Freund“ in „Easy Rider“. Würden Sie auch ­gern mal solch einen Satz beisteuern? Und wenn ja, welchen?

„Das ist alles nur der Anfang!“

Eigentlich haben Sie ja schon einen gesagt: „Macht den Schlagbaum auf!“ in „Bornholmer Straße“, oder?

Das ist für mich mehr als nur ein Filmsatz. Da ist jemand über den eigenen Schatten gesprungen.

Wir spinnen jetzt mal: Es gibt eine Gemeinschaftsproduktion von „Tatort“ und „Polizeiruf“. Und darin bilden die vier Ermittler Ulrich Tukur, Matthias Brandt, Axel Prahl und Charly Hübner eine Sonderkommission. Der Arbeitstitel für den Film lautet „Die Rückkehr der Musketiere“. Welchen Part übernehmen Sie in der Kommission?

Ich wäre der Knappe von d’Artagnan, den für mich Axel Prahl spielen müsste.