„CLANGA POMARINA“

Oper für Pommerns Schreiadler im Vogelpark Marlow

Eine Greifswalder Regisseurin hat dem Schreiadler eine Oper gewidmet. Am 10. August erlebt das Stück seine Uraufführung. Bis zum 7. September 13 Vorstellungen im ländlichen Vorpommern geplant.
Ralph Sommer Ralph Sommer
Die Uraufführung der Schreiadleroper ist am 10. August (19.00 Uhr) im Vogelpark Marlow zu erleben. Mitwirkende sind unter and
Die Uraufführung der Schreiadleroper ist am 10. August (19.00 Uhr) im Vogelpark Marlow zu erleben. Mitwirkende sind unter anderem die Sopranistin Jacoba Arekhi, die Puppenspieler Sabine Köhler, Bariton Lars Grünwoldt, Puppenspieler Heiki Ikkola und Tenor André Schöning (v.l.n.r.). Ralph Sommer
Die Puppenspieler Sabine Köhler und Heiki Ikkola bewegen die beiden Pommernadler-Jungvögel.
Die Puppenspieler Sabine Köhler und Heiki Ikkola bewegen die beiden Pommernadler-Jungvögel. Ralph Sommer
Die Uraufführung der Schreiadleroper ist am 10. August im Vogelpark Marlow zu erleben.
Die Uraufführung der Schreiadleroper ist am 10. August im Vogelpark Marlow zu erleben. Ralph Sommer
Marlow.

Zehn Jahre ist es her, da schlüpfte auf einer alten Eiche in einem Wald bei Neubrandenburg ein junger Schreiadler. Ornithologen hatten den Nest-Winzling nach seinem Entdecker Rainer benannt und später mit einem Sender von der Größe einer Zigarettenschachtel versehen. Acht Jahre lang hatte Rainer den Wissenschaftlern Daten von seinen Flügen bis in die südafrikanischen Winterquartiere und zurück nach Pommern geliefert. Dann verlor sich seine Spur an der syrisch-türkischen Grenze.

Die damaligen Aufzeichnungen der Forscher sind nun Grundlage für eine neue Oper, die am Samstag kommender Woche im Neuen Wirtshaus des Vogelparks Marlow ihre Uraufführung erleben wird. Bis September soll „Clanga pomerania. Die Schreiadleroper“ im Rahmen der Opernale auch in Kirchdorf (16.8.), Starkow (17.8.), Klein Jasedow (18.8.), Nehringen (23.8.), Loitz (24.8.), Grimmen (25.8.), Kummerow (30.8.), Trittelvitz (31.8.), Burg Klempenow (1.9.), Stolpe an der Peene (5.9.), Ribnitz-Damgarten (6.9.) und Greifswald (7.9.) aufgeführt werden.

Anhand von Rainers Flugdaten entwickelte die Greifswalder Regisseurin Henriette Sehmsdorf zusammen mit dem Komponisten Benjamin Saupe eine unterhaltsame, zum Teil dramatische Geschichte über das Leben des selten gewordenen Pommernadlers, von dem es in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg derzeit nur noch 128 Brutpaare gibt.

Mix aus Schauspiel, Arie und Puppenspiel

„Wir wollen mit unseren Aufführungen die Menschen über die Gefahren für den kleinen und scheuen Zugvogel-Adler aufklären und für seinen Erhalt gewinnen“, sagt Sehmsdorf, die in den vergangenen zwei Wochen mit einem kleinen Künstlerensemble auf dem polnischen Künstlerhof in Mysliborz für die knapp zweistündige Oper geprobt hatte.

In erzählerischer Form werden in einem Mix aus Schauspiel, Arie und Puppenspiel kaleidoskopartig unterschiedliche Szenen aus dem Leben eines Schreiadlers präsentiert und dabei Probleme wie Naturzerstörung, Umweltverschmutzung, Energiegewinnung und intensive Landwirtschaft thematisiert.

Vielfältig sind auch die musikalischen Stilarten, derer sich der Komponist bedient. Sie reichen von der Barockarie, bis zur Folklore, von zeitgenössischen Melodien über Jazz, arabische Gesänge bis hin zum Schlager. Verkörpert wird der Opernheld dabei abwechselnd von der jungen Sopranistin Jacoba Arekhi, dem Tenor André Schöning und dem Bariton Lars Grünwoldt sowie von den beiden Puppenspielern Sabine Köhler und Heiki Ikkola.

Der tragische Tod des Schreiadlers

Die abwechslungsreiche und unterhaltsame Geschichte spannt einen Bogen von der Geburt des kleinen Schreiadlers bis zu seinem tragischen Tod. Eingestimmt wird der Zuschauer mit einem Video auf der Bühnenleinwand vom Flug über Vorpommerns Landschaften aus der Vogelperspektive, vorbei an Windparks, Wäldern, Wiesen und Moorlandschaften.

Erzählt wird wie der kleine Adler aus seinem Ei schlüpft, von seinen in den Flussniederungen jagenden Eltern mit Mäusen, Fröschen und Grillen gefüttert wird und schließlich zu einem stattlichen Schreiadler heranwächst. Auch der bei Schreiadlern übliche Kainismus wird nicht ausgespart, wonach in der Regel zwei Küken schlüpfen, aber fast immer das ältere das jüngere Geschwisterchen tötet.

Opfer für die ganze Familie

Es folgt der rekordverdächtige Flug des jungen Adlers über mehr als 10.000 gefährliche Kilometer von Pommern über Polen, Weißrussland, die Ukraine, Rumänien und Bulgarien zum Bosporus durch die Türkei, Syrien, den Libanon, Israel, den Nil entlang über den Sudan und Mosambik bis nach Südafrika. Die Handlung endet mit Rainers tragischen Heimflug zurück nach Vorpommern.

Die gut verständliche Oper, die mal frech, mal satirisch, traurig, aber auch lustig daherkommt, dürfte die ganze Familie begeistern. Für die insgesamt 13 Vorstellungen werden je nach Ort Kapazitäten für 80 bis 200 Zuschauer angeboten. Karten sind sowohl in allen mv-tickets.de-Vorverkaufsstellen, vor Ort sowie unter www.opernale.de erhältlich.

 

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