Das Geheimnis um Landstreicher Bob (Robert Merwald) regt die Fantasie von Miss Todd, Dienstmädchen Laetitia und Nachbarin
Das Geheimnis um Landstreicher Bob (Robert Merwald) regt die Fantasie von Miss Todd, Dienstmädchen Laetitia und Nachbarin Pinkerton (von rechts: Iuliia Tarasova, Laura Scherwitzl, Syrinx Jessen) mächtig an. Theresa Lange
An dem geheimnisvollen Gast (Robert Merwald) sind die einsame Miss Todd (Iuliia Tarasova, rechts) und ihr Dienstmädchen L
An dem geheimnisvollen Gast (Robert Merwald) sind die einsame Miss Todd (Iuliia Tarasova, rechts) und ihr Dienstmädchen Laetitia (Laura Scherwitzl) überaus interessiert. Susanne Schulz
Forsch und unverblümt kommentiert Dienstmädchen Laetitia (Laura Scherwitzl, rechts) die Bemühungen ihrer Herrin
Forsch und unverblümt kommentiert Dienstmädchen Laetitia (Laura Scherwitzl, rechts) die Bemühungen ihrer Herrin Miss Todd (Iuliia Tarasova, 2. von rechts) und der neugierigen Freundin Miss Pinkerton (Syrinx Jessen) um dem mysteriösen Gast (Robert Merwald). Susanne Schulz
Kultur und Corona

Opern-Premiere statt auf der Bühne nun im Internet

Da die Oper „Die alte Jungfer und der Dieb“ kurz vor der Premiere durch Corona gestoppt wurde, ist sie nun digital zu erleben.
Neustrelitz

Seine Stimme! Sein Name! Sein Rücken! Miss Todd und ihr Dienstmädchen sind hin und weg von dem attraktiven Landstreicher, der da plötzlich vor ihrer Tür steht. Zwar wird die Begeisterung gedämpft durch die Nachricht von einem entflohenen Gewalttäter, der in der Gegend vermutet werde. Doch die Faszination des fremden Mannes ist größer, und die Damen setzen alles daran, ihn bei Laune zu halten – auch mit krimineller Energie.

Mit dieser skurrilen Geschichte trumpft die Kammeroper „Die alte Jungfer und der Dieb“ als „unglaublich gute Komödie“ auf, verspricht Regisseur Sven Müller. Dieses Vergnügen live auf die Bühne zu bringen, verhinderten in diesem Monat der rasante Anstieg der Corona-Infektionszahlen und die daher verfügte Schließung der Kulturstätten. Stattdessen spendiert die Theater- und Orchestergesellschaft TOG ihrem Publikum zum Jahreswechsel nun eine Online-Premiere: Am 31. Dezember und 1. Januar kann die Aufzeichnung auf den digitalen Kanälen der TOG angeschaut werden.

Werk als Radio-Oper geplant

Entstanden war das Werk des italo-amerikanischen Komponisten Gian Carlo Menotti 1939 übrigens zunächst als Radio-Oper für die NBC und kam wenig später auch auf Theaterbühnen. Pfiffige Szenen-Ansagen erinnern in der Inszenierung an den Ursprung, aber natürlich ist die Inszenierung allemal auch ansehnlich – zumal hier ältliche Damen von schönen jungen Frauen gespielt werden, wie Intendant und Regisseur Müller verschmitzt erwähnt.

Forsch und pfiffig kommentiert Dienstmädchen Laetitia da das eintönige Dasein ihrer altjüngferlichen Herrin Miss Todd, das nur durch die Besuche ihrer mittelmäßig willkommenen Freundin Miss Pinkerton ein wenig Abwechslung erfährt – und plötzlich eben durch das Auftauchen jenes geheimnisvollen Bob! Das Stück spiele mit menschlicher Einsamkeit und Sehnsucht, aber auch mit Misstrauen und Missgunst hinter biederer Kleinstadt-Fassade, verrät Müller. Erleben werde das Publikum auch, „wie es richtig schiefgehen kann, wenn man aus Einsamkeit jemandem nahe kommen will“.

Mobiliar und Kostüme komplett aus dem Fundus

Wenngleich er den Titel „eher lau“ findet, ist der Regisseur sehr angetan von der Situationskomik und dem Wortwitz der charmanten Kammeroper. Ausgewählt hat er sie auf der Suche nach geeignetem Stoff für eine mobile Inszenierung, mit der die TOG ihre Präsenz in der Region erhöhen will. Deshalb muss alles, was dafür benötigt wird, in einen Van passen, die Mitwirkenden – vier Gesangssolisten und ein Musiker – inklusive. Zu erleben sind Publikumslieblinge des Musiktheater-Ensembles: Iuliia Tarasova und Laura Scherwitzl – die zuletzt in dem Musical „Blondinen bevorzugt“ begeisterten – als Miss Todd und Laetitia, Syrinx Jessen als befreundete Miss Pinkerton sowie Robert Merwald als umworbener Bob.

Mobiliar und Kostüme übrigens wurden komplett dem Fundus entnommen. Das Budget der Inszenierung liege somit bei null, merkt der Intendant an. „Das wollte ich mal ausprobieren“, verweist er auf die Idee des „armen Theaters“ bei dem polnischen Theatermacher Jerzy Grotowski. Die Mitwirkenden müssten dennoch nichts entbehren: „Das Stück ist so gut und die Rollen sind so dankbar, dass sich alle sehr mit dieser Arbeit identifizieren.“

Die Online-Premiere ist am 31. Dezember und 1. Januar abrufbar. Vorstellungen sind – vorbehaltlich der Corona-Auflagen – geplant für den 15., 27. und 28. Januar sowie 3. und 5. Februar im Schauspielhaus Neubrandenburg; Kartentelefon 0395 5699832. Als weitere digitale Angebote der TOG sind schon jetzt das Märchen „Alice im Wunderland“, die Oper „Der Kaiser von Atlantis“ und der Monolog „Ismene, Schwester von“ verfügbar.

Mehr Informationen unter www.tog.de

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