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Pet Shop Boys wünschen sich Musik-TV zurück

In den vergangenen 30 Jahren hat sich beim Versuch, Musik an Mann und Frau zu bringen, wahnsinnig viel verändert, stellen die Pet Shop Boys im Interview fest.

Die Pet Shop Boys: Neil Tennant und Chris Lowe
Britta Pedersen

Müssen Sie heute mehr Interviews geben oder anders Werbung machen als zu Beginn ihrer Karriere?
Neil Tennant: „Ich finde nicht, dass es unbedingt mehr geworden ist. Aber es gibt eine Sache, die wir mit Blick auf die Promotion wirklich schade finden. In den 1980er und frühen 1990er Jahren gab es viele Musikshows, in denen man als Musiker Gast sein konnte. Heute kann man nur noch ins Fernsehen, wenn man in eine Talkshow geht. Und da geht es nie um die Musik. Da erzählt man dann, wie man sich von seiner letzten Freundin getrennt hat oder dass man jetzt ein eigenes Mode-Label hat. Aber bei uns ist die Musik das eigentliche Projekt.“

Chris Lowe: „Es ist mittlerweile einfacher, als Koch ins Fernsehen zu kommen als als Musiker. Eigentlich ist gerade eine Superzeit für Popmusik, mit One Direction zum Beispiel. Aber man sieht sie ja nie! Früher wären sie jeden Samstag im Fernsehen gewesen. Es heißt immer, die jungen Leute gucken kein Fernsehen und ihr Zugang zur Musik ist der Computer. Aber ich glaube das nicht ganz.“

Neil Tennant: „Das Massen-Fernsehen glaubt nicht an Musik - nur, wenn sie vollkommen bearbeitet ist, wie bei X-Faktor oder so. Obwohl es in jedem Werbefilm irgendeinen Popsong gibt, hat das Fernsehen selber keinen wirklichen Glauben in die Musik mehr. Wenn man nicht eine kleine Tochter hat, begegnet man zum Beispiel Taylor Swift einfach nicht. Früher hätte man sie bei "Top of the Pops" gesehen. Die kulturelle Landschaft ist heute total zerstückelt - mit Ausnahme von Kochsendungen natürlich.“

Sie haben es in ihrer Karriere immer geschafft, ihr Privatleben verdeckt zu halten. Wie haben Sie das gemacht?
Neil Tennant:
„Wir haben da einfach kein Interesse dran. Das passt auch nicht zu unseren Persönlichkeiten. Ich glaube, die Pet Shop
Boys hätten sehr viel erfolgreicher sein können, wenn wir sexy Typen wären, die über ihr Privatleben reden. Es ist schwer, Popmusik zu machen, wenn man dabei keinen Sex verkauft. Das ist einfach ein sehr wichtiger Teil von Popmusik.“

Wie viel erfolgreicher hätten Sie denn noch sein können?
Neil Tennant:
„Na ja, man kann immer noch mehr Erfolg haben. Ich glaube, wenn man sehr lange dabei ist, muss man es irgendwie schaffen, dass die Leute einen nicht als gegeben annehmen. Dieses Jahr haben wir zum Beispiel zwei erstaunliche Marketing-Kampagnen gesehen: Die für die neuen Alben von David Bowie und Daft Punk. Sie haben durch Marketing eine unfassbare Erwartung aufgebaut. Und ich glaube, da haben Chris und ich über die Jahre einen Fehler gemacht. Man muss auf die Leute einfach einen viel stärkeren Eindruck machen, damit ein neues Album wirklich wahrgenommen wird.“

Sie sind oft in Berlin und haben eine besondere Verbindung zu Deutschland. Wie kommt das?
Chris Lowe:
„Seit den 1980ern kommen wir immer gerne nach Deutschland. Wir haben auch ein kleines Studio in Berlin. Und wir haben unsern erstes Lied auf Deutsch geschrieben. Es hieß "Entsuhldigung".“

Neil Tennant: „Ja, es war nur eine B-Seite, aber eigentlich gar nicht so schlecht. Ziemlich eingängig. Es ging so: "Ick nickt sprechen deutsch, ick nickt sprechen deutsch - I say: Ick nickt sprechen deutsch, ich nick sprechen deutsch." Vielleicht bringen wir es nochmal neu heraus.“