„NEO MAGAZIN ROYALE”

Philipp Amthor – die Planierraupe aus Ueckermünde

Vor mehr als einem Jahr hat der Satiriker Böhmermann den vorpommerschen CDU-Abgeordneten Amthor übel auf die Schippe genommen. Jetzt trafen sich beide das erste Mal im Neo Magazin Royale und wurden gleich zu Duz-Freunden.
Frank Wilhelm Frank Wilhelm
Ironiker unter sich: Wie sich Philipp Amthor (links) und Jan Böhmermann doch gleichen.
Ironiker unter sich: Wie sich Philipp Amthor (links) und Jan Böhmermann doch gleichen. Julia Hüttner
Wenn Philipp Amthor (links) Jan Böhmermann die Welt erklärt.
Wenn Philipp Amthor (links) Jan Böhmermann die Welt erklärt. Julia Hüttner
Wenn der Moderator dem Politiker die Welt erklärt.
Wenn der Moderator dem Politiker die Welt erklärt. Julia Hüttner
Philipp Amthor (Mitte) und Jan Böhmermann (links) hatten offenbar viel Spaß bei der Sendung.
Philipp Amthor (Mitte) und Jan Böhmermann (links) hatten offenbar viel Spaß bei der Sendung. Julia Hüttner
Wissen und Einsatz war beim Spiel „1, 2 oder 3” gefragt, einem Spiele-Klassiker aus der ZDF-Geschichte.
Wissen und Einsatz war beim Spiel „1, 2 oder 3” gefragt, einem Spiele-Klassiker aus der ZDF-Geschichte. Julia Hüttner
Locker, lässig und heimatbewusst. Philipp Amthor mit Deutschland-Fähnchen am Revers.
Locker, lässig und heimatbewusst. Philipp Amthor mit Deutschland-Fähnchen am Revers. Julia Hüttner
Köln.

Wer bei Jan Böhmermann zu Gast ist, muss flink im Denken sein. Der Moderator des „Neo Magazin Royale” im ZDF ist nicht nur ein schneller Sprecher, er ist auch ein Meister der Ironie und des Um-die-Ecke-Denkens. Da hätte ein Alt-Konservativer aus Bayern wenig Chancen. Doch der Jung-Konservative Philipp Amthor hatte kaum Probleme, das Fragen- und Zwischenfragen-Gewitter Böhmermanns am Donnerstagabend im „Neo Magazin Royale” zu parieren.

Da staunte selbst der Moderator, der immer wieder schweigend neben dem „jüngsten CDU-Bundestagsabgeordneten der Welt” – so die Anmoderation für Amthor – zum Zuhören verdammt war. Das trug Amthor gleich mal zwei neue Spitznamen von Böhmermann ein: „Der Gigant” und die „Planierraupe aus Ueckermünde”, eine Planierraupe, die andere einfach nicht zu Wort kommen lässt. Das war durchaus positiv gemeint. Ohnehin herrschte eine freundschaftliche Atmosphäre. Beide hatten sich im Vorgespräch aufs Du geeinigt.

Es war kein Zufall, dass Philipp Amthor (26) die Ehre zu teil wurde, Gast bei Jan Böhmermann (38) zu sein. Der Moderator hatte sich in einer seiner Sendungen Ende 2017 voller Inbrunst über das Äußere Amthors lustig gemacht: „Wie konnte er dieses Gesicht nur über die Schulzeit retten?” Und: Jede Zelle von Amthors Körpers würde förmlich schreien, „hoffentlich stecke ich mich in Berlin nicht mit Hiphop und Haschisch an”. Kurz danach lobte Böhmermann dann allerdings Amthors zweite Rede im Bundestag, bei der er geschliffen aber auch mit ordentlich Wut im Bauch einen AfD-Burka-Antrag zur Schnecke gemacht hatte.

Spannend wurde es beim Spiel: „1, 2 oder 3”

Einen Einspieler der Rede, die im Netz zum Hit wurde, war auch im Neo Magazin Royale zu sehen. Amthor nutzte die willkommene Gelegenheit, noch einmal gegen die AfD auszuteilen, die ihren Antrag seinerzeit „dahingerotzt haben”. Im Schweinsgalopp ging Böhmermann die aktuellen Themen durch, die Amthor wie ein alter Politik-Hase parierte: Kritik an der CDU in Sachen Urheberrechtsform? Amthor: Da müssen wir noch liefern. „Friday-for-future”-Demos? Amthor: Die Schüler können doch auch am Sonnabend demonstrieren. Der Frage, ob er denn selbst fürs Klima den Unterricht im Gymnasium Ueckermünde geschwänzt hätte, wich Amthor geschickt aus.

Spannend wurde es dann beim abschließenden Spiel „1, 2 oder 3”. Ein Zitat wurde vorgegeben. Amthor und Böhmermann mussten sich unter drei vorgegebenen Antworten für den Zitatgeber entscheiden. Nach zwei Runden stand es 1:1. Die dritte musste die Entscheidung bringen.

Beim Zitat ging ein Raunen durchs Publikum: „Ein Volk, das diese wirtschaftlichen Leistungen erbracht hat, hat ein Recht darauf, nichts mehr von Auschwitz hören zu wollen!” Amthors spontane Reaktion: „Auf jeden Fall ist es ein Idiot!” Das Duo musste sich entscheiden – für den Politikwissenschaftler Werner Patzelt, für den italienischen Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi oder für CSU-Übervater Franz Josef Strauß.

„Bekommst Du jetzt Ärger, weil Du zu spät nach Hause kommst?”

Amthor wählte Berlusconi, Böhmermann Strauß. Punkt für Böhmermann. Amthor, der sich selbst den Konservativen in der CDU zurechnet, muss offensichtlich noch lernen, wie weit nach rechts „Idioten” von der Union abdriften können.

Aber Gott sei dank ist Fernsehen ja ein schnellebiges Geschäft. In der Auswertung zur Sendung nahm sich Böhmermann selbst auf den Arm und fragte Amthor, ob er zu viele Gags über sein Alter gemacht habe. Es habe sich in Grenzen gehalten, so Amthor. Böhmermann fragte prompt: „Bekommst Du jetzt Ärger, weil Du zu spät nach Hause kommst?” Natürlich nicht. Amthor reiste gleich nach der Sendung zur nächsten CDU-Veranstaltung nach Solingen, danach hat er in Karlsruhe Termine. Sein Resümee: „Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht.”

Hier geht es zur kompletten Sendung in der ZDF-Mediathek.

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Kommentare (4)

Kann mir jemand einen vernünftigen Grund nennen, warum uns solche Figuren nicht erspart bleiben können? Danke für Hinweise.

Was erwarten sie von Parteien welche konservativ, bis rechtskonservativ sind?

... hat seinen Wahlkreis gewonnen, unter anderem gegen Enrico Komning von der AfD, der darüber hier im NK Krokodilstränen vergossen hat. Kann man wissen, wenn man sich dafür interessiert. Aber es ist ja wesentlich leichter, hier irgendetwas ohne Sinn und Verstand hinzurotzen.

Dem ist höchstens noch hinzu zu fügen, welcher politische "Mut" und welche "Zivilchourage" hier wieder zelebriert wurde. Beide passen so fugenlos in den linksgrünen Zeitgeist, daß sich jede ausführlichere Wertung erübrigt.