„AIRBEAT ONE”-VIDEO

Polizei fährt zum Raven auf leeres Festivalgelände

Zehntausende Technofans sind traurig, dass das „Airbeat One” im Coronajahr 2020 ausfällt. Auch die Polizei Ludwigslust schwelgt in Erinnerungen und hat ein Video über das Festival veröffentlicht. Das finden nicht alle Zuschauer im Netz witzig.
Hier feiern die Polizisten auf dem leeren Festivalgelände des „Airbeat One”.
Hier feiern die Polizisten auf dem leeren Festivalgelände des „Airbeat One”. Polizeiinspektion Ludwigslust
Hier feiern die Polizisten auf dem leeren Festivalgelände des „Airbeat One”.
Hier feiern die Polizisten auf dem leeren Festivalgelände des „Airbeat One”. Polizeiinspektion Ludwigslust
Ludwigslust.

Es beginnt mit einer Drohnen-Aufnahme über einer leeren Wiese. Wo sich sonst an diesem Wochenende im Juli zehntausende Menschen tummeln, ist im Corona-Jahr 2020 nichts los: Der Flugplatz in Neustadt-Glewe ist verwaist. Ein paar Polizisten gucken dennoch nach dem Rechten und schwelgen in Erinnerungen. 2019 waren sie mittendrin.

So beginnt ein neues Video, dass die Polizeiinspektion Ludwigslust am Mittwoch veröffentlicht hat und das schon am selben Tag Aufrufe in fünfstelliger Höhe verzeichnen konnte.

Anders als beim Fusion-Festival in Lärz, bei dem es im Vorfeld eine riesige Debatte um die Polizeipräsenz auf dem Gelände gab, konnten die Beamten 2019 in Neustadt-Glewe jederzeit ungehindert auf dem Gelände unterwegs sein. Diese Gelegenheit nutzte die Polizei auch für zahlreiche Poser-Videos, so wie das dort nunmal üblich ist, auf ihren Social Media-Kanälen. Hashtag #Festivalgehtnurgemeinsam und die @polizei.mv.lup mittendrin.

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Vorfreude auf's nächste Jahr

2020 ist nun tote Hose. „Wir als Polizei Ludwigslust standen schon freudig in den Startlöchern und waren bereit, unser jährliches Einsatz-Highlight mit euch zu begehen”, heißt es nun auf Instagram. „Lasst uns gemeinsam in Erinnerung schwelgen und schon jetzt voller Vorfreude ins nächste Jahr blicken!”

Im Video tanzen zum Schluss sechs Polizisten etwas ungelenk vor ihren Einsatzwagen, die sie auf dem leeren Veranstaltungsgelände geparkt haben. Anders geht's auch nicht, die passende Balla-Balla-Trancemusik wurde nur eingespielt und kommt nicht von live vor Ort. Dazwischen blinkt eine Leuchttafel der Autobahnmeisterei Fahrbinde mit dem Spruch: „See You 2021”.

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Die Reaktionen zu diesem Video sind vorwiegend positiv. So schreibt ein Nutzer: „Danke Euch für den schönen, sympathischen Beitrag!” Oder auch: „Ihr seid super!” Den Antworten der Polizei zufolge scheint sie diese Reaktionen zu genießen.

Werbung für das Festival

Doch es gibt auch Kritik an diesem Auftritt. „Haben unsere Beamt*innen nix anderes zu tun?”, fragt etwa die junge Sozialdemokratin Lilly Blaudszun auf Twitter, die aus der Region stammt, in der das Festival stattfindet.

Andere Nutzer fragen, ob dieses Video Werbung ist. Die Polizei verneint und schreibt auf Twitter: „Werbung ist keinesfalls beabsichtigt. Wir wollten lediglich darauf hinweisen, dass wir auf diese Veranstaltung vorbereitet gewesen wären und der Veranstaltung, als auch den Besuchern nicht negativ gegenüberstehen.” Dennoch ist am Ende ihres Videos das offizielle Logo des Festivals zu sehen.

Andere Nutzer hinterfragen den Aufwand, der in diesem Video stecken muss, und ob Steuergelder nicht besser angelegt werden könnten. Und dann gibt es noch diesen Kommentar: „Diese Personen im Video dürfen Schusswaffen tragen & benutzen.”

Teddybären und Sonnenuntergänge

Es ist nicht neu, dass Polizisten in sozialen Netzwerken unterwegs sind. „Wir wollten da sein, wo die Bürger sind”, hatte dazu einmal eine Sprecherin des Landeskriminalamtes MV dem Nordkurier gesagt. Also sind immer mehr Accounts auf den gängigen Plattformen entstanden. Dort findet häufig Präventionsarbeit statt oder Werbung für den Polizeidienst.

Gerne zeigen die Beamten harmlose Fotos aus ihrem Dienstalltag, so wie die Kollegen in der Seenplatte, aus Berlin oder Hamburg, die auf Instagram Sonnenuntergänge am See, spektakuläre Fotos aus dem Diensthelikopter, gefundene Kuscheltiere oder gerettete Tiere zeigen.

Daran ist nichts auszusetzen, dennoch werden häufig Grenzen überschritten, wie Kritiker immer wieder anmerken. Wenn die Polizei als freundlicher Influencer von Nebenan auftritt, dann würden sie genau so ein falsches Bild von ihrem Dienstalltag, zeichnen, wie es die Influencer in arrangierten Postings tun.

Die Polizei ist eine staatliche Institution und der Neutralität verpflichtet. Was die Polizei im Netz betreibt, ist aber häufig meinungslastig, wie solche Beiträge zeigen. Gemeinhin hat sich für überhöhte und unkritische Darstellung von der Polizei in Medien der Begriff „Copaganda” geprägt. Das Wort setzt sich aus dem englischen „Cop” für Polizist und „Propaganda” zusammen.

„Moralisch abartige Randerscheinung”

Die Pressestelle der Polizei Ludwigslust ist schon einmal zu weit gegangen. Als Ende März eine Frau bei einem Verkehrsunfall auf der A24 gestorben war, postete sie ein emotionales Video, das viral ging. Darin verurteilten sie einen Lkw-Fahrer, der im Stau hinter der Unfallstelle genervt kommentiert haben soll, dass er nichts dafür könne, wenn „Leute zu blöd zum Autofahren sind”.

Die Polizei nannte dies eine „moralisch abartige Randerscheinung” und veröffentlichte dazu das Video mit Bildern der Unfallstelle. Der Lkw-Fahrer bekam keine Gelegenheit zur Stellungnahme. Offenbar wurde die eigene Grenzüberschreitung selbst erkannt, denn der Beitrag ist inzwischen aus dem Netz gelöscht.

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