Die Schauspielerin und Chansonnière Dorit Gäbler feiert ihren 75. Geburtstag.
Die Schauspielerin und Chansonnière Dorit Gäbler feiert ihren 75. Geburtstag. Monika Skolimowska
Happy Birthday!

Sängerin Dorit Gäbler wird 75

Sie tanzte mit einer Schlange im „Kessel Buntes“ und drehte mit Zsa Zsa Gabor. Dann stockte die Karriere – doch Dorit Gäbler hat sich zurückgekämpft.
dpa
Moritzburg

„Ohne die Bühne würde ich sterben.“ Ruhestand ist für Chansonnière Dorit Gäbler kein Thema. Offiziell ist die aus DDR-Film und -Unterhaltung bekannte Schauspielerin, Moderatorin und Sängerin, die am Dienstag (9. Januar) ihren 75. Geburtstag feiert, längst in Rente. Tatsächlich tourt die attaktive Blondine mit den gefärbten Haaren mit zehn verschiedenen Programmen durch den Osten – von „Starke Frauen“ bis „Verliebt, verlobt, verschwunden“.

Die 1943 in Plauen (Vogtland) geborene Künstlerin musste sich ihren Traumberuf Schauspielerin hart erkämpfen. Nach zwei älteren Brüdern hatte ihre alleinerziehende Mutter keine Kraft mehr, den Berufswunsch ihrer hübschen Tochter zu unterstützen – und kein Verständnis. „Mit Todesmut bin ich nach Berlin“, erinnert sich Gäbler an den Sprung ins kalte Wasser. Die ausgebildete Gebrauchswerberin finanziert ihr Leben mit Modeln und erfährt über ein Mannequin, dass das DDR-Filmunternehmen DEFA junge Mädchen sucht.

Zehn Jahre beim Dresdner Staatstheater

Sie bewirbt sich stattdessen an der Filmhochschule in Potsdam und an der Berliner Schauspielschule „Ernst Busch“. Schon im Studium singt sie Selbstkomponiertes in Kindergärten und Altersheimen – und macht erste Schritte auf der Bühne: an Deutschem Theater und Volksbühne. „Ich wollte spielen“, begründet sie ihren Weggang ins damalige Karl-Marx-Stadt. Ihre erste Rolle 1967: die Eliza in „My Fair Lady“. Sie sagt: „Das hat mir so viel gegeben.“

1968 bis 1978 gehört Gäbler zum Ensemble der Dresdner Staatstheater und dreht Kinofilme wie „Nicht schummeln, Liebling“ (1972), „Orpheus in der Unterwelt“ (1974) oder für den „Polizeiruf 110“ im Fernsehen. 1987 gehört sie zum Cast einer deutsch-österreichischen Koproduktion in Regie von Franz Antel, neben Karin Dor, Zsa Zsa Gabor und Rolf Hoppe. Auch in der DDR-TV-Unterhaltung ist die vielseitige Künstlerin präsent: Sie bezirzt Kabarettist Rolf Herricht, flirtet mit Tigern und tanzt im „Kessel Buntes“ mit einer echten Boa Constrictor.

Als ihr das Theater ein prominentes Filmrollen-Angebot vermasselt und ihr keine Charakterrollen gibt, kehrt sie der Bühne den Rücken. „Ich war nur noch die Geliebte vom Dienst.“ Gäbler sucht sich eine Band, lernt Blues singen, gewinnt nationale Wettbewerbe und damit Mut, ihr Geld freischaffend auch mit ihrer satten Altstimme zu verdienen. „Ich war ausgebucht, gab 200 Konzerte pro Jahr“, erzählt Gäbler, die idyllisch über dem Lößnitzgrund im Örtchen Friedewald lebt.

Künstler-Abschied steht noch in den Sternen

Bereut hat sie ihre Entscheidung für die Bühne nie. „Ich bin mit mir im Reinen, mit einer Ausnahme“, sagt die Sächsin. In den '70er Jahren berichtete sie auf Drängen der Stasi, die sie als IM führte, über ihre Auslandsaufenthalte. „Ich war naiv.“ Als sie in den Dresdner Stadtrat gewählt wurde, offenbarte sie dies und entschuldigte sich. „Ich habe nie jemanden denunziert“, betont sie. Die Angebote blieben trotzdem aus.

Marlene Dietrich war ihre Rettung. Zweieinhalb Jahre sang sie jede Woche mit Leidenschaft deren Lieder, in weißem Frack und Zylinger, in der Kneipe ihres Mannes. Damit und einer Hommage an Hildegard Knef kämpfte sie sich zurück auf die Bühne. Die Diven-Abende gehören nach wie vor zum Repertoire der Chansonnière, wie Frivol-Erotisches und Kabarett. Das jüngste Stück „Verliebt, verlobt, verschwunden“, für das sie die Musik schrieb, soll aber das letzte sein.

„Den Schlusspunkt setze ich als Schauspielerin“, sagt sie in ihrer charmant-fröhlichen Art. Der Abschied steht weit in den Sternen, denn Gäbler nimmt das Älterwerden inzwischen sehr gelassen. „Ich gehe auf die 60 zu, nur von der verkehrten Seite“, witzelt sie. Mit Yoga und Sit-ups jeden Morgen, Spaziergängen und Schwimmen hält sich die Zweifach-Oma fit, die beruflich gerne mal Mütter spielt – wie im Herbst neben Timothy Peach im „Jedermann“ in Potsdam.

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