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„The Death of Stalin”

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Satire über Stalins Tod sorgt in Russland für Empörung

Josef Stalin, gespielt vom britischen Schauspieler Adrian McLoughlin, kurz vor seinem Filmtod in "The Death of Stalin".
Josef Stalin, gespielt vom britischen Schauspieler Adrian McLoughlin, kurz vor seinem Filmtod in „The Death of Stalin”.
Youtube / Entertainment One UK / "The Death of Stalin" - Official Trailer

Die Film-Satire „The Death of Stalin” erzählt vom Chaos nach dem Tod des sowjetischen Diktators. Westliche Kritiker lachen sich schlapp, in Russland finden viele den Film weniger witzig.

Nikita Chruschtschow kann es nicht fassen, voller Verzweiflung blickt er in die Runde. „Unser Generalsekretär”, sagt er und deutet auf die Leiche zu seinen Füßen, „liegt in einer Pfütze der Demütigung.” Auch Tyrannen sind vor den Banalitäten des Todes nicht gefeit: Josef Stalin ist gestorben, und er hat sich eingenässt.

Der Tod des Diktators scheucht die sowjetische Führung gehörig auf, schon bald bricht der Kampf um die Nachfolge aus, um die Macht im kommunistischen Riesenreich. Es sind Tage voller Chaos, Absurditäten und unfreiwilliger Komik – zumindest in dem neuen Film „The Death of Stalin” (Stalins Tod).

Der Westen ist begeistert, Russland ist empört

Die Satire des schottischen Regisseurs Armando Iannucci erzählt die Geschichte dieser Tage mit einem hochkarätigen Ensemble: Kult-Schauspieler Steve Buscemi spielt Stalins Nachfolger Nikita Chruschtschow, Monty-Python-Comedian Michael Palin ist als Diplomat Wjatscheslaw Molotow zu sehen und Ex-Bond-Girl Olga Kurylenko mimt die sowjetische Pianistin Maria Yudina.

Westliche Film-Kritiker sind begeistert von der britisch-französischen Produktion, die britische Boulevard-Zeitung „The Daily Mirror” spricht gar vom „witzigsten Film des Jahres”. In Russland allerdings stößt die Satire auf Empörung, die kommunistische Partei forderte ein Verbot. Bisher offenbar erfolglos.

Film enthält wohl historische Fehler

Ein Berater des Kultur-Ministeriums betrachtet laut des britischen „Guardian” den Film als „geplante Provokation”, die russische Kommunisten verärgern solle. Möglicherweise, so der Berater demnach, sei die Produktion Teil eines westlichen Plans, Russland mittels gesellschaftlicher Spaltungen zu destabilisieren. Die kremlnahe Zeitung „Vzglyad” sieht dem „Guardian” zufolge in dem Film eine „ekelhafte Parodie von Außenseitern, die nichts von unserer Geschichte wissen”.

Tatsächlich enthält der Film zahlreiche historische Fehler, wie der britische Geschichtswissenschaftler Richard Overy in einer Analyse erklärt hat. Das Russland der 50er-Jahre helfe der Film nicht zu verstehen. Stalin und seine Kumpane würden als unflätige Sonderlinge dargestellt, damit verspotte die Produktion indirekt auch das Russland von heute – in mancher Hinsicht sei das Land schließlich noch immer von Stalins Vermächtnis geprägt.

Stalin scheint in Russland noch immer recht beliebt

Über dieses Vermächtnis wird in Russland indes nicht viel geredet. Hundert Jahre nach der Oktober-Revolution ist der Kreml offenbar wenig interessiert an einer kritischen Aufarbeitung der russischen Geschichte. Das Moskauer Lewada-Zentrum, ein Meinungsforschungsinstitut, fragte 1600 Russen in einer repräsentativen Umfrage unlängst nach den "herausragendsten Persönlichkeiten aller Zeiten und Nationen". Auf Platz 1 mit 38 Prozent: Josef Stalin, gefolgt von Wladimir Putin und Alexander Puschkin mit jeweils 34 Prozent.

„Bezüglich seiner Vergangenheit ist das moderne Russland sehr neurotisch, viel neurotischer als die Sowjetunion je war”, sagt der russische Filmemacher Roman Volobuev im „Guardian”. „In der UdSSR hatten wir Komödien über den Zweiten Weltkrieg und die Oktober-Revolution. Jetzt sind diese Themen plötzlich heilig.”

Der Film erscheint am 20. Oktober in Großbritannien. Ein Erscheinungsdatum für Deutschland ist bisher noch nicht bekannt.

Kommentare (1)

Dass die Russen durch den Wind sind liegt daran, dass sie ihr Vaterland (отечество) als Mütterchen bezeichnen (Матушка Россия).