Instrumentenlehre

:

Schlagzeuger beherrschen jede Menge Instrumente

Kayoko Adler-Tasaki mit einem Instrument namens Guiro, das zur Gruppe der Schrapinstrumente gehört.
Kayoko Adler-Tasaki mit einem Instrument namens Guiro, das zur Gruppe der Schrapinstrumente gehört.
Frank Wilhelm

Kayoko Adler-Tasaki und Michael Rappold sind Schlagzeuger in der Philharmonie Neubrandenburg. Wer denkt, dass sich ihre Aufgabe darin erschöpft, ab und zu auf die Pauke zu hauen, der irrt gewaltig.

Wie ist eigentlich Ihre korrekte Bezeichnung als Musiker?

Rappold: Sie können Schlagzeuger oder Schlagwerker sagen, aber auch, wenn Sie es englisch ausdrücken wollen, Percussionist – abgeleitet von den Percussion-Instrumenten.

Adler-Tasaki: Viele denken, dass Schlagzeuger nur Drumset spielen. Aber wir müssen viel mehr Instrumente beherrschen.

Was gehört zu den klassischen Schlagwerk-Instrumenten einer Philharmonie?

Adler-Tasaki: Zur klassischen Besetzung gehören die Pauken, die Große Trommel, die Konzerttrommel, die Becken, das Xylophon und die Triangel.

Die Triangel?

Adler-Tasaki: Ja, wenn man dem Orchester genau zuhört, stellt man fest, dass die Triangel sehr oft vorkommt.

Rappold: Das Repertoire, das wir Schlagzeuger spielen müssen, umfasst aber deutlich mehr Instrumente – insgesamt an die 100. Man lernt auch nach Jahren im Orchester nie aus, es kommen immer wieder neue Instrumente hinzu.

Sie besitzen sogar ein Kuhglocke?

Rappold: Die habe ich von einem Bauern aus Frankreich erworben. Im Urlaub war ich in den Alpen unterwegs und habe die Glocken der Kühe auf einer Alm gehört. Eine musste ich haben.

In welchem Stück braucht man denn eine Kuhglocke?

Rappold: In der Alpensinfonie von Richard Strauss. In dem Werk wird die Besteigung eines Alpengipfels beschrieben, dabei geht es auch über eine Alm.

Es soll sogar einen Hammer als Schlaginstrument geben?

Rappold: In Mahlers 6. Sinfonie, die wir 2015 in einer Konzertnacht auch mit Hammer aufgeführt haben.

Kayoko Adler-Tasaki und Michael Rappold sind nicht nur in der Philharmonie, sondern auch als "Rhythm Tones Duo" zu erleben. 

Wie sind Sie Schlagwerker geworden?

Adler-Tasaki: Ich stamme aus Japan und habe angefangen, mit fünf Jahren Klavier zu spielen. Für mich stand früh fest, dass ich einmal mit der Musik mein Geld verdienen will. Meine Klavierlehrerin meinte, dass meine Chancen als Schlagzeugerin besser stehen würden, da es bereits viele Pianisten gebe. So habe ich dann in Tokio und Freiburg Schlagzeug studiert. Seit 2007 bin ich bei der Philharmonie Neubrandenburg.

Rappold: Ich fing mit elf Jahren an, auf den Töpfen meiner Mutter in der Küche zu spielen. Später habe ich in verschiedenen Bands Drumset gespielt. Damals gab es – im Gegensatz zur DDR – in Westdeutschland allerdings nur das klassische Schlagzeugstudium. Ich habe in Kassel studiert. Seit 1994 bin ich bei der Philharmonie Neubrandenburg.

Würden Sie Kindern empfehlen, gleich mit dem Schlagzeug anzufangen?

Rappold: Kinder können mit drei, vier Jahren anfangen, das Schlagzeug für sich zu entdecken.

Adler-Tasaki: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es nicht schadet, vorher ein anderes Instrument wie das Klavier zu spielen. Man übt dadurch, die Musik zu hören und Noten zu lesen.

Kayoko Adler-Tasaki und Michael Rappold sind zusammen auch als „Rhythm Tones Duo” im Konzert zu erleben. Dabei kann man erleben, wie viele verschiedene Instrumente die Schlagzeuger beherrschen müssen. Als Duo treten die beiden auch in Schulen auf und bieten Workshops an.

www.rhythmtonesduo.de

Schlagwerke

Wer denkt, dass die Schlagzeuger nur schlagend Musik erzeugen, irrt. Es gibt viele Instrumente, in die auch geblasen wird, beispielsweise, wenn Vogelstimmen nachgeahmt werden wie mit einer Wasserpfeife in der Oper „Madama Butterfly”. Auch der Kuckuck oder aber die Lachmöwe können mit Instrumenten dargestellt werden, die die Schlagwerker spielen.

Konzert

Beim nächsten Konzert der Philharmonie haben die Schlagzeuger insbesondere bei Mauricio Kagel (10 Märsche um den Sieg zu verfehlen) viel zu tun. Außerdem im Programm: Jean Sibelius: Violinkonzert d-Moll op. 47 sowie Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 67.
Konzertkirche Neubrandenburg: 5. April, 10 Uhr und 19.30 Uhr. Theater Güstrow: 6. April, 19.30 Uhr. Theater Neustrelitz, 8. April, 18 Uhr