ZU GAST BEI MARKUS LANZ

Schwesig verteidigt strenge Corona-Maßnahmen in MV

Dauerthema Corona bei Markus Lanz: Diesmal waren unter anderem Manuela Schwesig und Virologe Hendrik Streeck zu Gast. Es ging um Eigenverantwortung, Einschränkungen und ernüchternde Zukunftsaussichten.
MV-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig verteidigte die teils sehr strengen Corona-Maßnahmen in MV.
MV-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig verteidigte die teils sehr strengen Corona-Maßnahmen in MV. Screenshot
Virologe Hendrik Streeck sieht einen Impfstoff nicht als Lösung der Corona-Krise.
Virologe Hendrik Streeck sieht einen Impfstoff nicht als Lösung der Corona-Krise. Federico Gambarini
Bei Markus Lanz waren zu Gast: MV-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, Publizist Michel Friedmann, Sozialpsychologe Hara
Bei Markus Lanz waren zu Gast: MV-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, Publizist Michel Friedmann, Sozialpsychologe Harald Welzer und Virologe Hendrik Streeck. Screenshot
Schwerin.

Plötzlich war Mecklenburg-Vorpommern „verbotenes Land”. Strände geschlossen, die Menschen sollten zeitweise nicht mehr an die Ostsee fahren. Auf Basis welcher Daten wurde das im Frühjahr eigentlich angeordnet, fragte Markus Lanz in seiner aktuellen Sendung die Ministerpräsidentin von MV, Manuela Schwesig (SPD). Würde Schwesig das heute wiederholen, obwohl im Nordosten meiste nur rund zehn Menschen täglich positiv auf das Coronavirus getestet werden?

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„Ich würde heute wieder alles genauso entscheiden”, antwortete Schwesig. Das Gute sei, dass es heute aber nicht mehr so strenge Regeln geben müsste, sagte sie weiter. Die Zahl der Betroffenen und der Infektionsketten ließen sich heute viel besser ermitteln. Mecklenburg-Vorpommern sei aufgrund der getroffenen Maßnahmen das sicherste Bundesland Deutschlands, für Einheimische wie auch für Urlauber.

Virologe dämpft Hoffnung auf Impfstoff

Das Ziel müsse jetzt sein, dass die Menschen gesund bleiben, so Schwesig. Das gelte aber auch für die Wirtschaft, Arbeitsplätze und das soziale Zusammenleben. „Das gehört für mich auf Augenhöhe zusammen”, sagte die Ministerpräsidentin. Dennoch müsse man die Infektionszahlen im Griff behalten. „Ich kenne niemanden, der sich freiwillig infizieren lassen möchte, der sich im Zweifel freiwillig im Krankenhaus beatmen lassen möchte.” Diese Behandlungsmethode sei „nicht so leicht verträglich”, sagte sei weiter. „Deshalb finde ich schon, dass wir streng sind.”

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Aber wie soll das Zusammenleben aussehen? Bringt ein möglicher Impfstoff Normalität? Nein, sagt Virologe Hendrik Streeck, seit 2019 Direktor des Instituts für Virologie und HIV-Forschung an der Universität Bonn. Die Hoffnung auf einen Impfstoff, der die Corona-Krise grundlegend verändern könnte, dämpfte der Experte. „Auch wenn wir einen Impfstoff haben, wird das Virus weiter bei uns sein“, sagte Streeck. Er prognostizierte: „Das Coronavirus wird uns wahrscheinlich unser Leben lang begleiten.“

Infektionszahlen nur „bedingt aussagekräftig”

Dass die Zahl der positiven Corona-Tests in vielen Teilen Deutschlands steigen, liege in der Natur des Virus und dessen Saisonalität, sagte Streeck. Weil aber nur fünf Prozent der Infizierten eine stationäre medizinische Versorgung benötigen würden, seien die Infektionszahlen nur „bedingt aussagekräftig”. In Deutschland gebe es derzeit eine normale Sterblichkeitsrate. „Bei der Hitzewelle 2018 hat man sehr viel deutlicher eine Übersterblichkeit gesehen, bei der Grippewelle 2017 hat man deutlich eine Übersterblichkeit gesehen“, so Streeck.

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Publizist Michel Friedmann, ebenfalls bei Lanz zu Gast, ordnete die fünf Prozent anders ein: „Wenn Sie das aber auf eine Million nehmen, sind 50.000 Menschen schwer erkrankt. Bei zehn Millionen haben sie schon eine halbe Million Menschen, die schwer erkranken. So gesehen ist das doch alles keine Fata Morgana.“

Virologe: „Nach dem Herbst ist es nicht vorbei”

Kleinreden wolle er das Coronavirus nicht, sagte der Virologe weiter. Einschränkungen oder das Klammern an einen Impfstoff seien nur Plan A, an den man sich aber nicht zu sehr festlegen dürfte. Ändert ein Impfstoff alles? Wird es nach dem Herbst besser, wenn die Saison für Lungenerkrankungen vorbei ist? „Ich glaube, das wollen die meisten nicht hören, nach dem Herbst ist es nicht vorbei.” Stattdessen müsse man sich jetzt viel eher auf einen Plan B einstellen, um in jedem Lebensbereich „pragmatische Lösungen” zu finden, um mit dem Coronavirus zu leben.

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Eigenverantwortung spiele dabei eine zentrale Rolle, sagte der Sozialpsychologe Harald Welzer. Es sei bemerkenswert, „dass wir seit vielen Monaten eine Situation haben, wo die Übernahme von Verantwortung bei wahnsinnig vielen Leuten funktioniert. Und Punkt zwei: Dass wir vielleicht lernen, dass eine Demokratie nur funktioniert, wenn sich die Bürgerinnen und Bürger selber als verantwortlich dafür empfinden.“

Die ganze Sendung von Markus Lanz finden Sie hier.

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Kommentare (2)

„Ich würde heute wieder alles genauso entscheiden”, antwortete Schwesig.

Derartige Charaktere in einer Führungsposition haben schon sehr viel Schaden angerichtet.

Prof. Streeck : Stattdessen müsse man sich jetzt viel eher auf einen Plan B einstellen, um in jedem Lebensbereich „pragmatische Lösungen” zu finden, um mit dem Coronavirus zu leben.

Das wird aber von der Politik ignoriert. In ein paar Jahren sind so einige Branchen pleite und existieren nicht mehr. Wielange will man eigentlich dann die Kurzarbeit noch ausweiten, bis 2040 ? Man merken die Politiker das Corona bleiben wird und wir damit leben müssen ?