VOLOS UNTERWEGS

Sich einfach mal auf Usedom herabfallen lassen

Unsere Volontäre beschäftigen sich gerade mit den vier Elementen Wasser, Erde, Luft und Feuer. Tim Prahle hat sich in luftige Höhen begeben – und ist mit einem Fallschirm in die Tiefe gesprungen.
Tim Prahle Tim Prahle
Die Zuversicht vor dem Fallschirmsprung.
Die Zuversicht vor dem Fallschirmsprung. Konstantin Kraft
Tim Prahle begegnet der Luft.
Tim Prahle begegnet der Luft. Konstantin Kraft
Kurz vor dem Abgrund.
Kurz vor dem Abgrund. privat/Fallschirmsportclub Mecklenburg e.V.
Der Moment des Absprungs sei die größte Hürde, die es zu überwinden gilt, heißt es immer.
Der Moment des Absprungs sei die größte Hürde, die es zu überwinden gilt, heißt es immer. privat/Fallschirmsportclub Mecklenburg e.V.
Neubrandenburg.

Plötzlich ruft hinter mir jemand „Tür auf!“ Es wird laut. Der Fallschirmspringer, der eben vor mir saß, ist verschwunden. Ich warte auf die Nervosität, doch ich bin zu konzentriert, zu sehr im Tunnel. Langsam krieche ich im Krebsgang mit meinem Tandemmaster zur Tür. Ich atme ein. Ich atme aus.

Eine halbe Stunde zuvor: Über dem Flugplatz in Heringsdorf sind ein paar vereinzelte Wolken zu sehen, auf dem Gelände ist ordentlich Betrieb. Skydive-MV, organisiert vom Fallschirmsportclub, lockt allerhand Abenteuerlustige an. „Irgendwann wird die Nervosität in Euphorie umschlagen“, wird mir gesagt. Ich bin aber nicht nervös, ich bin konzentriert. Rede ich mir ein. Jörg Panzer, der Vorstandsvorsitzende des Vereins, zeigt, welche Haltung ich beim Sprung einnehmen muss. Ich versuche mir alles zu merken. Hohlkreuz, Arme angelegt, vor dem Absprung Kopf in den Nacken. Krieg ich hin.

In der Delta X, einer dunkelgrünen Propellermaschine, gibt es keine Sitze, keine Flugbegleiter und keine überteuerten Kopfhörer. Natürlich nicht. Wir sitzen mit dem Rücken zur Flugrichtung einfach hintereinander, die Delta steigt immer höher. Ein wenig genieße ich den Blick über die Insel Usedom. Dann ist die Absprunghöhe erreicht.

Auf einmal geht alles rasend schnell

Es sind nur wenige Augenblicke, die ich vom Flugzeug aus in die Tiefe blicke. Ich versuche, die Beine unter die Maschine zu bekommen. Nur ganz kurz verkrampft sich mein Magen doch etwas. Eigentlich, denke ich mir noch, hatte die Natur für den Menschen nicht vorgesehen, dass er sich aus dieser Höhe Richtung Erde stürzt. Dann wird mein Kopf bereits nach hinten gezogen und liegt jetzt auf Jörgs Schulter.

Der Moment des Absprungs sei die größte Hürde, die es zu überwinden gilt, heißt es immer. Doch ich muss keinen Absprung wagen, sondern Jörg. Ich hänge nur irgendwie an ihm dran. Nach dem wir rund zehn Minuten gebraucht hatten, um unsere Höhe zu erreichen, geht es jetzt rasend schnell. Der Boden kommt immer näher. Ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hinschauen soll. Ich versuche alles aufzusaugen, jede Millisekunde bewusst zu spüren. Eine knappe Minute und rund 2500 Meter später deutet mir Jörg, die Hände wieder an den Körper zu nehmen. Der Fallschirm öffnet sich.

Der Ausblick ist atemberaubend

Es ist die Chance, sich die Umgebung mal genauer anzusehen. Jörg lässt mich den Fallschirm sogar selbst steuern. Der Ausblick ist atemberaubend. Nur noch ein paar Hundert Meter bis zum Boden. Ich muss meine Beine bei der Landung in den rechten Winkel zum Körper bringen. Das gelingt mir weniger gut, als ich erwartet hätte. Bis zu einem bestimmten Gewicht kann bei Skydive-MV jeder einen Tandemsprung wagen.

Selbst 90-Jährige stürzten sich hier noch aus dem Flugzeug, es muss nur die körperliche Voraussetzung stimmen. Wäre doch gelacht, wenn mein Körper jetzt versagt. Mit dem Hintern voraus rutsche ich die trockene Grasfläche entlang. Als der Schirm uns endlich gestoppt hat, bleibe ich noch einen Augenblick sitzen. Glücklich, wieder am Boden zu sein. Aber weitaus glücklicher zu wissen, wie ich da hingekommen bin.

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