REZENSION

Skandinavischer Sommer im Schatten der Weltpolitik

Eine Norwegerin wird entführt, ihr Mann stirbt bei einem Attentat. Erzählt wird die Geschichte des Ehepaars im Krimi von Gard Sveen „Der schwarze Sommer”.
Buchcover von Gard Sveen „Der schwarze Sommer”.
Buchcover von Gard Sveen „Der schwarze Sommer”. Ulrike Schubel
Neubrandenburg ·

Es ist der Sommer 2017 – blauer Himmel über Oslo, aber richtig warm ist es dennoch nicht. Tommy Bergmann vom norwegischen Geheimdienst packt seine Siebensachen, weil er mit Frau und Kind zwei Wochen auf dem Land ausspannen soll. Gerade will er die Füße hochlegen, da hört er einen Knall – und macht sich auf, die Ursache dessen zu ergründen. Unweit seiner Wohnung ist ein schrecklicher Unfall geschehen, ein Attentat mittels einer Autobombe, bei dem auch der ehemalige Botschafter Leif Wildberg stirbt. Zudem ist dessen Frau Hanna spurlos verschwunden. Und während sich eine ganze Phalanx an Ermittlern auf die Spur der Täter und gleichzeitig auf die Suche nach der Vermissten begibt, spürt Bergmann, dass sich hinter dieser Tat etwas verbirgt, das weit zurück in die Vergangenheit reicht und eine Dimension hat, die seine Kollegen gar nicht erfassen wollen. Der norwegische Autor Gard Sveen nimmt nun seine Leser im Kriminalroman „Der schwarze Sommer” nicht nur mit hinter die Kulissen des norwegischen Polizeiapparates des Jahres 2017, sondern mutet ihnen auch äußerst grausame Szenen während der israelischen Belagerung von Beirut im Sommer und Herbst 1982 zu. Damals war Leif Wildberg Botschafter in Beirut, verheiratet und bereits Vater. Während seine Familie nach Hause geschickt wurde, verliebte er sich mitten in den Wirren der kriegerischen Auseinandersetzungen in die Krankenschwester Hanna, die wiederum in einem Krankenhaus verzweifelt versuchte, Menschenleben zu retten.

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Krimi wird zum Spionageroman

Zugrunde liegt der Geschichte um Leif Wildberg und Hanna Svarstad unter anderem das Massaker in den Flüchtlingslagern Sabra und Schatila. Allerdings stimmten Realität und Fiktion in seinem Buch nicht ganz überein, so der Autor Gard Sveen in seinem Nachwort. „Die Wirklichkeit übertrifft nicht selten die Fantasie, im Guten wie im Schlechten”, betont er. Allein wegen der historischen Hintergründe und der aktuellen Ereignisse in Israel ist es eine Story, die schwer an die Nieren geht und nicht einfach nur heruntergelesen werden kann. Das muss man wissen, wenn man zum „Schwarzen Sommer” greift. Auch Tommy Bergmann, der Ermittler, hat daran zu knabbern, langsam, aber sicher deckt er die Hintergründe auf. Der Krimi schlüpft schließlich in das Gewand eines Spionageromans, wir bekommen es auch noch mit dem Kalten Krieg zu tun. Ein paar Irrwege sind dabei, die der unermüdliche Bergmann gehen muss, bevor er das Rätsel lösen kann. Aber wie sagt sein israelischer Kollege Shlomo Liva ziemlich zu Beginn des Buches zu Bergmann: „Es ist wichtig, Fehler zu machen. ... Auch wenn die Konsequenzen fatal sein können. Sonst lernt man nichts”.

Tommy Bergmann ermittelt in „Der schwarze Sommer” nicht zum ersten Mal. Für den ersten Band „Der letzte Pilger”, in dem er als Figur auftaucht, hat Gard Sveen sogar Preise abgesahnt, laut Verlag den Rivertonpreis 2013 und den Glass Key Award 2014. Der Autor habe jahrelang im norwegischen Verteidigungsministerium gearbeitet, heißt es weiter. Er ist in der Nähe der norwegischen Hauptstadt Oslo zu Hause.

Gard Sveen: Der schwarze Sommer. Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin, 2021, 335 Seiten, 10,99 Euro

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