1974 bis 2017

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Spektakuläres Video zeigt Geschichte des Müritz Hotels

Die Aufnahme zeigt den Moment der Sprengung des Hotels Ende September.
Die Aufnahme zeigt den Moment der Sprengung des Hotels Ende September.
Agentos Videoaction

Mithilfe von Drohnen und Archivaufnahmen hat ein Filmemacher aus Neubrandenburg eine einmalige Hommage an das ehemalige Vorzeigehotel in Klink geschaffen.

Ein lauter Knall, eine Staubwolke, dann ist alles vorbei. Als am 28. September 2017 das berühmte Müritz Hotel in Klink dem Erdboden gleichgemacht wurde, waren nicht nur etliche Schaulustige an Land und auf dem Wasser dabei, sondern auch Michael Pagels – und das nicht allein. Der Neubrandenburger Drohnenpilot und Unternehmer filmte die spektakuläre Sprengung des einstigen DDR-Vorzeigehotels zusammen mit zwei Mitstreitern und einer Drohne.

Gut drei Monate später veröffentlichte er auf YouTube eine Hommage an die ehemalige FDGB-Herberge. Mithilfe von rasanten Drohnenfahrten durch den leeren Zehngeschosser, Archivaufnahmen aus den vier vorangegangenen Jahrzehnten und Bildern der Sprengung ist ein gut drei Minuten langes Video entstanden, das bei so manchem wohlige Erinnerungen wecken dürfte.

Ehrgeiz und Energie dank persönlicher Verbundenheit

„Ich bin immer auf der Suche nach Videoprojekten, die die Geschichte fest halten“, erzählt Michael Pagels dem Nordkurier. „Ich liebe es, wenn etwas wie eine Sprengung passiert und nichts mehr so aussieht wie vorher.“ Gerade für die Menschen, die das Ereignis verpasst haben, sei das resümierende Video etwas Wundervolles.

„Als ich davon hörte, dass das Hotel gesprengt wird, habe ich schon angefangen zu zittern – im wahrsten Sinne des Wortes -, weil ich es vor Augen hatte und ich schon bei der Vorstellung mir das Video ausgemalt habe“, schildert der Firmeninhaber von „Agentos Videoaction“. Zudem existiere ein Bild, auf dem er als kleiner Junge vor dem Hotel von seinem Vater hoch gehoben wird.

Durch diese persönliche Bindung sei eine Menge Ehrgeiz und Energie frei gesetzt worden, was die in den Wochen danach folgenden, stundenlangen Telefonate, Gespräche und Mail-Kontakte mit Behörden und Verantwortlichen erträglich gemacht habe. Seine Hartnäckigkeit zahlte sich aus: Es gab grünes Licht für die Aufnahmen im Inneren des Hotels und bei der tatsächlichen Sprengung.

Nach dem Knall kullern die Freudentränen

Bei der Suche nach Archiv-Bildern konnte Michael Pagels auf prominente Unterstützung zurückgreifen: Friederike Witthuhn vom NDR half aus. „Sie organisierte den guten alten 'Videostoff', den ich gepflegt verbauen konnte.“ Die Aufnahmen wurden dann mit dem Blick aufs Hier und Jetzt – staubig, dreckig, leblos, menschenleer, dunkel – in Kontrast gesetzt. So zeigt der Filmemacher etwa, wie Kinder fröhlich im Schwimmbad planschen und wie die türkisfarbenen Kacheln Jahre später abbröckeln.

Am Tag der Sprengung im September verspürte Michael Pagels dann vor allem Erleichterung: „Als es denn soweit war und der Knall meine Fernbedienung kurz zum vibrieren brachte, war ich so froh, dass alles geklappt hat, dass auch ein paar Freudentränen kullerten.“

Erst in so einem Moment merke man, wie sehr man eigentlich unter Anspannung gestanden hat. Im Großen und Ganzen könnten er und seine Mitstreiter, Marco Kleinschmidt und Diana Papke, auf einen erfolgreichen Tag zurückblicken.

„Guter Flug” ins neue Jahr

Und warum entschied sich der Neubrandenburger erst jetzt dazu, das Video zu veröffentlichen? „Ich hatte vor Beginn der Produktion schon alles im Kopf und wusste welche Knöpfe ich drücken muss, um etwas Unvergessliches zu zaubern.“ Aber er habe sein Werk nicht gleich der Öffentlichkeit präsentieren wollen, weil er den anderen Videomachern den Vortritt lassen wollte.

„Das Internet war natürlich noch am gleichen Tag sofort voll mit Bildern der Sprengung. Da wäre mein Video, denke ich, zu schnell unter gegangen“, so Michael Pagels. Seine Absicht war es, gleichzeitig mit der Veröffentlichung des Videos Ende Dezember einen „guten Flug“ ins neue Jahr zu wünschen. Das ist ihm gelungen.

Das ehemalige FDGB-Vorzeigehotel und die Zukunft

Das Müritz Hotel mit 45 Hektar Grundstück ging 1974 in Betrieb. Nach dem uckermärkischen Templin und Friedrichroda (Thüringen) war es eines der größten und bekanntesten Häuser, das der DDR-Feriendienst der damaligen Einheitsgewerkschaft FDGB bewirtschaftete. Das Klinker Dreiflügel-Hotel wurde für damals 50 Millionen Mark der DDR mit Schwimmhalle, Restaurants, eigenen Versorgungseinrichtungen sowie Vollverpflegung gebaut. Bis zu 500 Leute waren dort beschäftigt – nach 1990 waren es noch 130 Mitarbeiter. Politiker wie Angela Merkel (CDU) oder Prominente wie Andrea Berg und Andy Borg gehörten zu den zahlreichen Gästen, die Erholung an der Müritz fanden. 40 Jahre nach der Eröffnung wurde der Hotel-Betrieb im Januar 2015 eingestellt.

Eine Berliner Immobilienfirma plant an der Stelle nun für 25 bis 30 Millionen Euro einen Hotelneubau mit 247 Zimmern. Es sollen unter anderem ein Wellnessbereich, Tagungsräume, ein Indoor-Sportplatz und eine Parkanlage samt Außenpool entstehen. Anvisierter Baubeginn ist Mitte/Ende 2018 – die Arbeiten sollen zwei Jahre später abgeschlossen sein. Eine Sanierung des alten Hotels war zuvor als nicht wirtschaftlich abgelehnt worden. Der Abriss kostete etwa 2,5 Millionen Euro. An der Entsorgung der nunmehr 20.000 Tonnen Schutt wird derzeit immer noch gearbeitet.